Digitized by the Internet Archive
in 2009 with funding from
University of Toronto
Iittp://www.archive.org/details/geschichtederilc01hamm
^^ GESCHICHTE
DER
ILCHANE
DAS IST
V O K
:5<«^0^ HAMMER-PlIRGSTAll.
Mit * \ * 1
neun Beilagen und neun Stammtafeln.
Erster Band.
Mit vier Beilaceii.
I> a 1* Hl s t a cl t.
Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 18 4 2.
on der deutschen Hauptstadt der Küuste, von der Residenz ^nevtt ^ajfötiit/ wo ich vor drei Tagen mit der Akademie der Wis- senschaften das ^Uerl)0d)0te Geburts- und Namens- fest gefeiert, bin ich nach ßerchtesgaden geeilt, wo der erhabene Schutzgenius der schönen Künste im schönsten Tempel der Natur residirt, um dem- selben in ^liixl)'6d)$t ßi)tev Person die Verehrung und Bewunderung zu zollen, womit der Verein der Kunstwuuder zu München jeden Besucher erfüllt.
Da mir dauere JHitjedtiit allergnädigst erlaubet hal)en, mit ^Uerijädjdt Jll)rem Namen das Giebel- feld eines meiner Werke zu schmücken, so er- scheint die Geschichte der Mongolen Persiens, wenigstens durch die Namen ihrer grossen Fürsten, Bauherren, Gönner der Künste und Beschützer <ler Wissenschaften, solcher Ehre nicht unwürdig.
Wenn die Bauten Ghasan's und Chodabende's zu Tebris und Sultania nach einem halben Jahr-
tausend die Namen ihrer Erbauer nur in Ruinen verherrlichen, so liegt die Schuld davon nicht sowohl in Elementarereignissen und in feindlicher Verheerung, als in dem Mangel an erhaltender Fürsorge, welche Werken der Kunst wie den Staaten Dauer versichert.
Geruhen ^uerc ilrTrtjcjstat^ als Schöpfer eines Pantheon der Künste, als Erhalter der ältesten Denkmale derselben und eines blühenden Reiches,
die Huldigung meiner tiefsten Ehrfurcht allergnä- digst zu genehmigen.
Berchtesgaden , an Göthe's Geburtstag HAMMER -PURGSTAW..
1841.
Vorrede.
iPiese Geschichte der Mongolen in Persien ist das Seitenstück, zu der im vorigen Jahre erschienenen des mongolischen Reiches in Kiptschakj jene ist durch die Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst wor- den, die Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe hervorgegangen. Bei der zum Behufe der ersten nöthig gewordenen Sichtung der aufgeschichteten Massen histo- rischen 31aterjals, ward es klar, dass zur zweiten, in den orientalischen selbst durch Herrn von d'Ohssons sehr schätzbare Geschichte nicht erschöpften Quellen, weit mehr dankbarer historischer Stoff vorhanden.
Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt dem Europäer zwar näher wegen der verheerenden Raub- züge durch Polen und Ungarn bis ins Herz von Deutsch- land, und wegen der tatarischen Herrschaft in Russland 5 aber die Geschichte der Mongolen in Iran hat das grös- sere Interesse wichtigerer^ asiatischer Weltereignisse, wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates, der Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher selbst den Orientalisten kaum dem Namen nach bekann- ter, die Feldzüge wider Aegypten und das dschagatai'- sche Reich, die diplomatischen Verhältnisse zwischen den Kreuzfahrern und dem Papste. Der Ulus Dschudschi's beherrschte mit dem europäischen das asiatische Russ- land, welches damals noch, wie von allem Anfang der Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss und der Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an
Seile. Znile. •
211 17 V. u. St. MailleuscliJäger 1. Mailleschläger
214 15 V. 0. st, nur vom I. nie vom
214 13 V. u. st nur eines 1. nur der eines
232 7 V. u. St. Ammer 1. A:imnrar
237 4 V. 0. St. Betha's 1. Batlia's
237 li V. o. st \var ein Vergrösserer 1. war ein weit grösserer
239 7 V. o. st. Wenn nur das Glück wie die Beisitzer wäre,
1. Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,
240 2. V. u. st. geistiger Dichter 1. persischer Dichter
241 3 V. 0. st. Hamkjar 1. Hemkjar
242 18 V. u. St. Aasa I. Osa
253 14 V. u. St. Ville Hardouin 1. Villehardouin 259 3 V. o. St. Mogholtei 1. Mogholtai
— 9 V. o. St, dem Herrscher 1. des Herrschers
261 12 V, u. st. Armen 1. Arme
262 1 V. u. st. Kuhdschu 1. Kukdschu 268 13 V. 0. St. Ferjab 1. Farab
— 15 V. o. st. Ferjabi 1. Farabi 274 5 V. u. st. Kejaneuen 1. Kejanen
— l7 V. u. St. Vasal 1. Vassal
276 12 V. o. St. Mewlane 1. Mewiana
280 2 V. u. St. nisadin 1. nihaden
283 8 V. u. st. Aufgestochenen I. aufgestochenen
291 2 V. u. st. Suhuri 1. Sughuri
293 17 V. u. St. Mineddin 1. Moincddin
303 16 V. o. St. Mekka 1. Mocha
308 14 V. o. St. (der Oheim Abaka's) 1. (der Bruder Abaka's)
315 13 V. u. St. Buse 1. Busse
3l8 13 V. u. St. Denn stets 1. Du stets
320 4 V. u. st. nur diesem 1, nur in diesem
329 8 V, o. st, Zehrgnadenamt 1. Zehrgadenamt
345 10 V. o. st, mir nun 1. mir nur
— 14 V. u. st. Rumi's 1. Rum's
352 17 V. o. St. gleichzeitig mit 1. gleichnamig mit
365 8 V. u. St. und Feder und setzte 1. und Feder, setzte
367 5 V. u. st. beizustehu I. beizustehen
374 15 V. 0. st. einheimischer Herrscher Herrschaft 1. einheimischer
Herrschaft
375 8 V. u. St. dass das 1. dass sie das
393 11 V. u. St. Derwische Fakir 1. Derwische als Fakir
Noch ist zu bemerken, dass durch ein Verseheu der Druckerei die in eigenen Namen als lange geschriebenen f durchaus als kurze gedi'uckt 'worden , was ebenso wenig gleichgültig, als es im Deut- schen gleichgültig ist Kreif oder Kreis, reif oder Reis zu schreiben. Mit lindem f sind also auszusprechen: Abulghafi, Ab- derrefak, Aferbeidschan, Aafif, Bachorf^ Bediief-feman, Chuarefm, Chumiaf, Chufistan, Dshefire, Dchufistan, Erfendschan, Fafl, Fafluje, Firamurf, Firuf, Firufi, Ghafa , Ghafali;, Ghafna, Hafif, Hafret, Hefar, Hefarsif, Irfi, Ifeddin, Jefd, Kjarfun, Kjarif, Kir- gif, Kafwin, Kifil, Kotof, Legfi, Mafenderan , Merfeban, Mei- mundif, Merkef, Mobarifeddin , Moif, Mohefib, Mofaffereddin , Newruf, Nimruf, Nifam, Nifameddin, Oghuf, Oueife^ Ormufd, Paife, Rafieddin, Rabf (bess.er Rabdh), Sebf, Sebfewar, Sekif, Schahdif, Schiraf, Schirfad, Tahk , Tebrif, Teguf, Toghuf, Tokuf, Tscheu- gifchau u. a. m. .
€ t 0 t e ö p n i).
Uebersicht der mongolischen IStäinine, der Familie und Oescbicbte Tschengisclians ; sein Gesetxhuclk und sein Testament; Charakter und Sitte, Aber- glauben und Cirebräucbe der Mongolen, l^ie Re- gierung Ogotai's, Oujuk's, Mengku's; die der gleich- zeitigen Dynastien in Asien und Aegypten.
Jtschengiscliaiis und seiner Nachkommen Thaten, die von ihnen zerstörten und gegründeten Reiche, ihre Raubzüge Moiiifolischt und Gesetzgebung, der Namen der Tartaren oder Tocharen, Geschichte. d. i. Tataren, und der der Moalen oder Mogholen, d. i. Mongholen, haben Europa durch zwei JalirJiunderte mit Erstaunen und Schrecken gefüllt, von der chinesischen Mauer bis an die von Wienerischnenstadt und Olmütz , und furch- ^ terlich hallte der Donner ihrer Fleere von den Ufern des gelben Flusses bis an die des rothen Meeres, vom Altai bis an den Libanon zurück. Naturrevolutionen, mit denen Gibbon das Erscheinen der Mongolen so treffend verglichen hat, lassen nicht tiefere Spuren ihrer verheerenden Kräfte auf der Oberfläche der Erde zurück, als die verheerenden Hufen mongolischer Heere, unter denen Reiche und Ciiltur zertreten wurden; sie fuhren daher wie die entfesselten Elemente, wie Orkane und grosse Fluthen und das Erdbeben und der Wetterstrahl; sie durchackerten die FJrde mit de.ra Schwerte und düngten sie mit Blut. Das Jahrhundert ihrer so fürchterlichen und verderblichen Grösse und Macht fällt zusammen mit dem zweiten der Kreuzzüge, das ist mit dem Hammer, Gescliichtc der Ilcliane. 1
2 E r s t e s H II c li.
tlreizehnteti Jahrhundert unserer Zeitrechnung, dem durch grosse Begebenheiten vor anderen historisch wichtigen, durch die Umgestaltulig so vieler asiatischen Reiclie und durch den regsten Verkehr des Abendlandes mit dem Morgenlande. Einen so namhaften Platz die Kreuzzüge auch in der euro- päischen Geschichte einnehmen , so erscheinen sie in der asiatischen doch hei weitem nicht so bedeutend, indem die- selben nur den Westrand von Asien bestreifen. Die Ringe dieses Steinwurfs der Eroberung der Levante verebben schon an den Ufern des Nils und des Tigris , während die hoch- aufscliäumende Woge mongolischer Eroberungsfluth über ganz Asien bis nacli Europa , vom Baikalsee bis an den Piatensee, und vom Kokonor bis an- den Ladoga sich ver- heerend fortwälzt. Die Wichtigkeit der Geschichte der Mongolen und die Grösse des Stoffes springt also von selbst in die Augen. Sie zerfällt in viererlei Geschichten, deren '' jede , bei dem Reichthume der Quellen , Stoff für melirere
Bände. Erstens die GeschicJite Tschengischans ; zweitens die der vier Uliise , d. i. der durch die Nachkommen seiner vier Söhne beherrschten Reiche; dann nach der Theilung der Herrschaft des vierten üluses in das östliche chinesische und in das westliche persische Reich , drittens in die Ge- schichte der Juan oder der chinesischen Kaiser aus den Nachkommen Kubilai's; und viertens in die der llchane oder persischen Herrscher, Nachkommen Hiilagu's^ des Bruders Kubilai's. Eine vollständige Gescliichte dieser Reiche könnte sich keine engeren Gränzen des ümfangs stecken, als die des osmanischen ; die vorliegende beschränkt sich nur auf den vierten und letzten Zeitraum, als ein Seitenstück zu der Geschichte der goldenen Horde inKipdschak, aber von wftt grösserem Interesse, als j^ne, in Bezug auf Asien. Die der per- ^^^*^ Gesichte des von Hulagu gegründeten Reichs der
sischen persischen llchane, d. i. Landes- und Volksfürsten [denn llchane. n jjeisst sowohl das eine als das andere»)], füllt nur Ein
') Kiaelmii de llclianoriim seu Chulagidarum uummis Com- meut.itio. I'tti (»i»oJi. |«,U.
E r s t e s B » c h. 3
Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten bis in die Hälfte des vierzehnten unserer Zeilrechnungf '} , während welchem siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber nur die neun ersten achtzig Jahre den Thron als Aliein- lierrscher füllten , die acht anderen sich um denselben mit ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glänze unter neun Herrschern aufrecht gehaltene Reich der Ilcliane , nach dem Tode Ebu Saids j, durch die inneren Kriege der Thron- anraasser zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus den. Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer Dynastien, in denen der Indschu , Tschoba?i imd Ilkaan, noch kurze Zeit hinterliess, wie das untergegangene Reich der goldenen Horde in Kipdschak in den aus seinen Trüm- mern entstandenen Dynastien der Chane \on Kasan, Astrachan und der Krim noch längere Zeit fortgelebt. Jene per sischen und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber nicht mehr eigentlich der Geschichte der Mongolen an, deren Herrschaft nur von Tschengischan's Auftritt als Er- oberer bis zum Untergänge der goldenen Horde in Russland und zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre ge- dauert. Die Hälfte dieser Zeit nimmt die Geschichte der persischen Ilchane als die glänzendste der vier Uluse in Anspruch , die glänzendste durch die Eroberungen des Gründers Hulagu und seines Nachfolgers Ahaha , durch die gesetzgebende Weisheit Ghasan's des siebenten und seines Nachfolgers Oldschaitii nicht unrühmliche Regierung, endlich durch den Flor der persischen Literatur während dieses Jahrhunderts. Die grössteii Geschichtschreiber der Perser, Dschuweini , der Wesir Hulagu's, und Reschideddin , der Wesir Ghasan Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's und der Ilchane Persiens aus den Quellen des goldenen Archiv's , d. i. des mongolischen Staatsarchivs, und der Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mit- handelnde Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und
') V. J. d. H. 553 C1255) bis 754 (1353).
I*
4 F, r s f 1- s B u c ii.
Zeitgenossen schrieben aiicli Hamdallah Mesttifi , der Ver- fasser der bessten persischen Geographie und Universal- geschichte, Bhiaketi , der EpJtoraator des grossen Werkes Reschideddin's, und Wassafiil-hasret , d. i, der Lobredner der Majestät, unter Oldsehait?f. und Ebu Said, dessen in allen Künsten der Rhetorik üppig wucliernder Styl wohl das Lesen seines Werkes erschwert, aber der historischen Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht geschätzten persischen Schreiber der Universalgeschichte: Mirchuand, Chuandemir, Haßs Ebni und GÄo^ay/ geschöpfet. Schon Wassaf, wiewohl er erst unter dem achten und neunten Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die mit Hulagu , dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu Ende seines Werkes die Nothwendigkeit, demselben aas Dschuweini auch einen kurzen üeberblick der Geschichte TscJiengischan's und seiner %ier ersten Nachfolger anzu- hängen, welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie Schere- feddin von Jesd die Geschichte Tiraur's mit einem kurzen üeberblicke der Geschichte Tschengischan's und der vier Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat. Die Noth- wendigkeit solclier Einleitung dringt sich auch hier um so unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig Jahre vor der Gründung des persischen Reichs durch Hulagu verstorben, als die mongolischen Stämme un«! die der Gründung des Reichs Hulagn's gleichzeitigen asiatischen Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk des Morgenlandes und seine Stämme, über Tschengischan und seine vier ersten Nachfolger, und über die dem Auf- tritte Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die Ge- schichte der persischen Ilchane ein. Tih-kpn ^^^^ älteste der Völker, welche die Geschichte in Hoch-
T/iv/;v« )/;/fi asien als Herrscher kennt, sind unstreitig die Türken, deren Mongolen. ^Jer chinesischen Quellen zu geschweigen} die byzantinischen schon in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der christ- lichen Zeitrechnung erwähnen , wo die griechischen Kaiser
Erstes |{ n c li. 5
mit dem Cliane der Türken am Altai, d. i. dem Goldberge, durch Gesandtschaften verkehrten, d. i. schon sechs Jahr- hunderte früher, als in der Hälfte des zwölften die Tataren und Mongolen durch Tschengischan in Europa geschicht- lichen Namen erhielten. Die Geschlechtsregister der letzten sind siugenscheinlich türkischen eingepfropft, um dunkeln Ursprung der Väter durch berühmte Altvordern zu adeln und ihr Geschlecht hinaufzuführen bis Tiirk , den Sohn Japhet's, den gemeinsamen Ahnherrn von Tatarchan und Mogolchan, die angeblichen Stammväter der Tataren uujI Mongolen. Der Namen der letzten tauclit erst unter Tscheu- gischan mit Gewissheit auf, da es nicht ausgemacht, ob die altern Moho der Chinesen eben so gewi^ss Mongolen , als ihre Tata Tataren ; wie aber Türken und Tataren ganz verschiedenen Stammes, indem jenen der Namen von diesen nur durch Missbrauch beigelegt worden, und noch beigelegt wird, so sind Tataren und Mongolen ursprünglich ein und dasselbe Volk, jenes der ältere unterjochte, dieses der jüngere unterjochende Zweig. Die Türken sind vom öst- lichen Altai, die Tataren vom. Baikalsee ausgezogen, die Mongolen am westlichen Kentei , von den Quellen des Onon und Kerulon, wo im. bewaldeten Gebirge Bnrhan Kaldnn die Geburts - und Grabstätte Tschengischan's. Nachdem Tschengischan die ihm feindliche^ Stämme der Tataren und ihre Verbündeten vernichtet oder unterjocht, nachdem seine Herrschaft durch Sieg und Eroberung von den ufern des vaterländischen Sees Dalai Nor bis an die des persischen Sees von Meragha über siebzig Längengrade ausgedehnt war , buhlten die unterjochten Völker um die Ehre , dem siegenden und erobernden , dem gesetzgebenden und herr- schenden anzugehören ; Türken nnd Tataren zählten sich nun den Mongolen bei, wie diese in ihren Stamniregistern sich früher den Türken angeschlossen, wiewohl beide durch die nicht zu überspringende Kluft von verschiedener Sprache und Gesichtsbildung von einander scharf gelrennt. Tataren wollten Mongolen, Türken Tataren heissen ; hingegen pro- testirten die Mongolen wider i\en Namen von Tataren , wie
6 E r s t e s B u c li.
noch heute die Osmanen Mider den von Türken. Die Eitel- keit, altem Geschlec!ite anzugehören, und Adelstolz (der- selbe bei Völkern, wie bei Individuen J , bringt durch Ahnen- und Namen- Verraengung in die Stammtafeln von beiden nur Irrthum nnd Verwirrung '}. Eben so richtig als lichtvoll ordnet der grosse Geschichtschreiber der 3Ion- golen, Reschideddin, Anfangs seines Werkes eine Ceuturie von Stämmen , welche zu seiner Zeit alle auf den Ehren- namen von Mongolen Anspruch machten , ausser den Türken (denen er die üighuren der Sprache nach beigezählt) in drei Klassen, nämlich in Tataren (^desselben Stammes nnd derselben Sprache, wie die Mongolen), welche ursprünglich den Namen von Mongolen nicht führten ") ; zweitens in Völker verschiedenen Ursprungs, welche, weder Tataren noch Mongolen, den ^Vamen der letzten der Aehnlichkeit wegen annahmen, wie die Tiirhnanen den der Türken , und die daher am bessten Mogolnianen genannt würden, weil sie an die Mongolen mahnen ^^ ^ wie jene an die Türken; drittens in die eigentlichen Mongolen, welche wieder in zwei Abtheilungen zerfallen, nämlich in die 31ongolen Durlegin, der neun Geschlechter vor Alanhoiva , der neunten Ahnfrau Tschengischan's, und die Mongolen Nirun , deren Stamm- väter alle aber Nachkommen ^/fl/iZ^'0?r«'s. Esistnöthig, den Leser wenigstens mit einem Viertel der Centurie von Stämmen, die zur Zeit Reschideddin's, d. i. Anfangs des vierzehnten Jahrhunderts, bestanden, bekannt zu machen, mit denen nämlich, welche ihre Berühmtheit vor- anderen entweder ihren Heiden und Frauen, ihrer Freundschaft für oder ihrer Feindschaft gegen Tschengischan , ihrer Opposition oder Verschwägerung mit dessen Hause danken.
•J Lcurs fils actuellement s'imaginoient, qu'ils avoient ete connus aussi autrefois sous le uom de Mogols, Rechideddin. Journal asiat, -) Des peuples turcs qu'on iionime maintenant 3Iogols, niais dont chacun anciemiement avoit ua nom particulier. Rechideddin. Journ. asiat. 3) Be M%liol meinende schiide end , welche den Mongholen ähnlich waren, an dieselben mahnen, denn das persische Meinende und das deutsche Mahnende ist eins und dasselbe.
E r K t e « n u c li. 7
Von den ursprünglichen tatarischen Stämmen nennen vie Stämme wir zuer'st den sechsgethejlten Stamm der Tataren selbst' '''"''"■ "'"^ von denen einer Tschagfi/an Tatar, d. i. die weissen Ta- taren'), hiess, im Gegensatze der übrigen, welche die schwarzen genennet werden; in der Folge wurde der Namen der weissen Tataren auch den Uiguren , welche Türken, und anderen türkischen Stämmen beigelegt, sowie den Mandschu's der Namen der Sui Tatar, d. i. der Wasser- oder schlechten Tataren , die mächtigsten und gefährlichsten der Feinde des Hauses Tschengischau's, welcher bei seiner Geburt den Namen Temudschin erhielt, weil am selben Tage sein Vater Jesuhai Behadir einen tatarischen Fürsten, Temudschin, geschlagen und gefangen gemacht. Der Namen, den er trng , «ron dem am Tage seiner Geburt besiegten Tatarfürsten hergenommen, und die in seiner Jugend von den Erbfeinden seines Stammes erlittenen Unbilden spornten den Sohn Jesukai's zur Rache und zum Vertilgungskriege wider diese unversöhnlichen Feinde seine« Hauses an; sje wurden vernichtet, und nur ihre Weiber gingen als Trophäen in das Frauengeraach Tschengischan's und seiner Söhne über. Zwei der fünf Gemahlinnen Tschengischan's. Jisnlim und Jistebit , und eine seiner Beischläferinnen, ^jutter seines al.*) Kind verstorbenen Sohnes Uradschngan, waren Tatarinnen, so auch eine Frau seines Bruders Dschtidsehi Kasar , seines Sohnes Batu und Tudai Mengku's, des Herschers von Kipdschak. Die beiden Gemalilinnen Tschengischan's erflehten von ihm das Leben zweier Kinder ihres Stammgenossen Kuli nnd seines Bruders KaramengUit , welche beide gross ge- wachsen, den Dienst von Bairerdschi , d. i. Tafelderker, be- kleideten. Kuli genoss des grössten Ansehens und scliloss sich nach Tschengischan's Tod an die grosse Fran Sijur- kukteni , die Gemahlin Tuli's , welche ihn zum grossen Emir des Lagers und Obersthofmeister Sijiilitn's' ) ^ des Sohnes
') Dieser Umstaüd ist bisher allen mongolischen Gescliicht- schreibern, welche sich über den Ursprung des N;iuieiis der weissen uod schwarzen Tatareu den Kopf zerbrochen . eatganj:c!i. -) An auderen Orten heisst er Suugtai.
8 E r s t e s B u c h.
Tults, ernannte. Sali, der Sohn Karamengku's, erscheint unter der Regierung Mengkukaan's , gleich beim ersten Feldzuge Huiagu's, als Sicherer des Rückens des Heers an der indischen Gränze; bei Tschengisclian selbst aber galt mehr , als die beiden von seinen beiden Gemahlinnen zum Leben erbetenen obgenannten Kinder, und mehr als die beiden Frauen AkutuUus , der Tatare Kutku Nujan; von Tsche/igis- chan als Findelkind angenommen und seiner ersten Ge- mahlin, noch ehe sie ihm einen Sohn geboren, zur Pflege empfohlen, hatte sich Kutku schon als zwölfjähriger Knabe Tscher)gisclian's besondere Zuneigung durch seine Tapferkeit erworben , indem er taidschutischen Dieben ilire Beute ab- jagte, und als fünfzehnjähriger Jüngling mitten im tiefen Schnee allein dreissig Hirsche erlegt hatte, fir durfte den Tschengisehan Itsche j d. i. Vater, und dessen Gemahlin Ikej, d. i. Mutter, nennen. Ogotai , der Sohn und Nach- folger Tschengischan's, gab ihm den Ehrentitel eines Prinzen, Aka , mit dem Vorsitze vor seinen eigenen Söhnen , nnd noch achtzigjährig versall er das Amt des Oberrichters nach seinem Wahlspruche : Fürchte Nichts und sprich Recht. ') Die Tataren sassen an der Gränze China's, dessen Kaisern sie meistens steuerpflichtig waren. ^ ) 2. Der zweite feind- liche Stamm, welchen Tschengisehan wie die Tataren als unversöhnliche Feinde mit Vernichtungskrieg zu Boden trat, war der in vier Zweige getheilte der Merkit oder Mekrit, auch Udujat genannt, denen die Solongos beigezählt wurden. Ihr Fürst Tuklaibeg fiel mit sechs seiner Söhne als Opfer der unversöhnlichen Feindschaft. Selbst der jüngste, welchem als einem trefflichen Bogenschützen Dschudschi , der älteste Sohn Tschengischan's, das Leben retten wollte, musste hin- gerichtet werden auf ausdrücklichen Befehl des Vaters, welcher dem Sohne diese Müde nie vergab. Tairosim^ einer der Ersten des Stammes, gab dem Tschengisehan die Tochter Kulan zur Frau, welche ihm den Sohn Kulkan gebar. Vom Schwiegervater bekriegt, verlor Tairosim die Schlacht, und
') Meters u rast gui. -) Reschideddiii.
E r s t e s B u c h. 9
seine Frau Turakina , welche dem Sohne Tscliengischan's beigelegt wurde, eine der.grössten mongolischen Frauen, verschaffte als Regentin nach Ogotai's Tode ihrem Sohne Gujuk (dessen Gemahlin ebenfalls eine Merkitin) die Herr- schaft. Die Sitze der Merkit waren im Osten des mongo- lischen Stamragebietes am linken Ufer der Selmga.
Der zehngetheilte mächtigste Stamm der Dschelairen, Die Stämme welche in dem Stammgebiete des Hauses Tschengischan's ^^^^'J^-^'^' am Ocean,'in siebzig Ringen, wie die Avaren, jeder Ring j^rgliod, tausend Familien stark, sassen, ist einer von der ältesten üirat. bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Be- gebenheiten merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüder- paars Dschudschi Tumle und Dschudschi Dschawerhai, welche der Änlass des Kriegs Tschengischan's mit den Taidschuten, haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und wich- tige Aemter des Staats und Hofs bekleidet; Kadan , der Dschelaire vom Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne, Ihik und Ildschikitai , wovon jener Atabeg, d. i. Obersthof- meister, des Sohnes und zweiten Nachfolgers Tschengischan's, Ogotai's ; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber nicht, den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls zu Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengku- kaan's spielte Ildschikitai eine höchst wichtige'Rolle, indem er die Rechte des üluses Ogotai's auf den Thron wider die Ansprüche des Uluses Kubilai's vertheidigte ; im Gegentheile leistete der Dschelaire Mingkasar Niijan , aus dem Zweige der Dschat, Grossfürst und Oherrichter Mi'afarakain'sj, dem Kubilni bei dem nach dessen Thronbesteigung über Ma- jestätsverbrechen gehaltenen Gerichte die grössten Dienste, indem er über die widerspenstigen Prinzen der üluse, Dschaghatai und Ogotai , das Todesurtheil aussprach. Der Dschelaire Dauldu war Vogt der vier grossen Lager Tschen- gisclian's und befehligte eine Ssade , d. i. Ceuturle, in jedem HesarCj d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das Brüderpaar Olai Kalschu und Karadschai, die Schafliirten Jisukai's, des Vaters Tschengischan's, denen er sich immer sehr dankbar bewies, weil sie seine in die Gefangenschaft
10 E r s t e s B u c lt.
der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem Fürsten der Kerait, geleileten ; auf dem Rückzuge genas sie vom Erstgebornen Tschengischan's, welchen dieser, weil die (^von Verläumdern sogar als zu spät verdächtigte^ Geburt des Sohnes unerwartet kam, Dschudschi , d. i. den unver- liofften Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge das Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor, in ihrem Stande zu bleiben und als Hirten seines Ver- trauens zu geniessen ; aus ihren Nachkommen ist Seriak_, der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's , des fünften der persischen lichane, und von Katschar , dem Sohne Sertak's, leiten die heutigen Schache Persiens ihre Dynastie als eine zweite des Stammes der Dschelaire ab; denn eine frühere hatte nach Zertrümmerung des persiscJien Reichs der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der Grosse, zum Unterschiede von Hasan D schob an ;, aus dem Stamme Suldu's , welcher Stifter der Dynastie Dschoban der Kleine beigenannt ward} in Persien gestiftet, welche von der ge- scliwäcliten Macht der Ilchane Nichts als den verstärkten Titel als Ilkaane führten. Aus dem Stamme der Sum't, welcher noch heute unter diesem Namen an der cliinesischen Gränze sitzt,') war Dschnnnaghun , welchen Ogotai, nach- dem /?scAe6e#und Subetai von ihrem persischen Feldznge über Russland nacli Hause gekehrt waren, als Befehlshaber Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder mächtig, als der Stamm der Dschelairen , war der der Uirat , deren Sitz zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere ^wÄ-or/*« ergiessen^), wo noch heute ihre Nachkommen unter ^tm verwandten Namen der Biiirat , von allen Stämmen der mit
'3 Weg durch die Gebiete der Sunit Mongolen nach Tkmkowsk3- in Ritters Asien II. S.35Ö, auf LfAnville's Karte Souhit, bei Ssetsen Ssunid. *) Sekts Muran, bei Ahulghasi sind die Naniea derselben sehr verstümmelt, bei Reschideddin sind doch wenigstens vier der- selben zu erkennen, nämlich die Irkiit im Ikra MuraHj die Oka im Aka Muriiii , die Jiielfi im Tschaghmn Muran ^ A. i. \Veissfluss, die obere Tunf/usku in Dschurdsche Miirau (Dschurdsche ist der Namen der Tuugusen"). endlich die Ankara und der Kern (Jenisei). in den sie fällt, ganz unveränrieri.
Erstes B u c h. 11
dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte, indem
achtUiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und
sieben Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren.
Die Grossmutter Tschengischan's, die Frau Sunigü Fntschin,
war aus dem Stamme der Torghut oder Torghody welcher
noch heute ein Zweig der Kalmuken oder Oeluet (das nur
die chinesische Sprache für Uirat) und deren Andenken
in Kieinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im
Namen des Sandschaks Torghud lli fortlebt.
Drittens die Stämme der Mogholmaneti, d. i. der Völker, Ber Stamm
welche weder Tataren noch Mongolen, mit den letzten ver- <^<^»' ^^(^rait,
, . , ^ rk« Bekrin,
bunden, auf den Namen derselben Anspruch machten. Uie -.,.„,„. ' ^ i\ciiin(iii }
mächtigste dieser Völkerschaften, die von nestorianischen yy„^,/,„f„„^ Priestern zum Christenthum bekehrte'} der Keraü; ihres tujhur. Fürsten chinesischer Ehrentitel Owang Chan erhielt durch die Missionarien des Mittelalters alsPriester^/oa/zwes keine mindere Berühmtheit, als in früherer mythologischer Zeit der Fisch Oajines als Gesetzgeber an der Küste des rothen Meeres; die Hauptstadt derselben war die Stadt Thianto am Flusse Hoangho, d. 1. am gelben Flusse, das Land Tendum'^) Marco Polos; die Geschichte Owang Chan's und^ seines Bruders Hakembo^^ ist auf das engste mit der Geschichte Tschen- gischan's verbunden, welcher erst der Verbündete Owang Chan's , in der Folge denselben , weil er den Feinden Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne stürzte. Vergebens hatte Tschengischan früher die beiden Nichten *) Owang Chan's für sich und seinen ältesten Sohn Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm ver- weigert worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's aus dem Sohne Si?ikun; aber die beiden Töchter Ettiku'Sj des Bruders Shikmi's, die Frauen Tokus und Tukinij, wurden
') l);is Christeatliumdesselbeu bezeugt llescliideddiii ausdiücklicli: daaweti Isa peigliamber aleilii selani ha ischan reside \ve bedini wei der ainedend, d. i. der Ruf (der Mission) des Herrn Jesus des Pro- pheten kam zu ihnen und sie nahmen dessen Glauben an. -) Ueher das Land Tendttm M. Polo's in Ritters Asien I. 8. 248 — -'56 nach Klaproth. ') Bei Ssetseu. ") Abika und Begtutmisch.
12 Erste s B ii c h.
beide die Gemahlinnen Hiilagii's , und die dritte Nichte Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen, war die berühmte Sijurkukteni ^^ , unstreitig die grösste aller mongolischen Frauen , welche durch ihre Staatsklugheit dem Uluse Kubilai's den Thron verschaffte; Mutter vier der grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der Kaane Mengku mwA^ Kiibilai , Aü&\[c\\2ii\& Hulagu , Gründers der mongolischen Dynastie in Persien, und Arikbtika's, der als Nebenbuhler den Brüdern den Thron streitig machte. Auch Bat Tetigri , der Stiefvater Tschengischan's, welcher um die Hand der Keraitin Kadan geworben , erhielt einen Korb, wie Tschengischan und Dschudclii , von der Nichte Owang Chan's. Die nächsten südlichen Nachbarn der Kerait waren die ünkut , d. i. die Wächter der grossen chinesischen Mauer; ihr Fürst Alalusch, Verräther an seinem Herrn, dem chinesischen Kaiser Altun Chan, öffnete dem Heere Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand Olakai Begis, der Tochter Tschengischan's, deren Sohn später mit der Tochter Tuli's vermählet ward; die ünkut waren mit dem, Hause Tschengischan's, wie die Stämme der Virat und Kerait , durch Verschwägerung eng verbunden. Wie die ünkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen Mauer, so sassen diesen westlich die Naimaii, deren be- rühmter Fürst Kuschluk Chan einer der erbittertsten und mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider denselben, mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte, verbündete.^} Kuschluk's Tochter Linktim. ward die Ge- mahlin Tuli's, Mutter seines dritten Sohnes Ä^m^?//«^?/ ; auch Tuli's Beischläferin '), die Mutter seines achten Sohnes Muke , welche aber an desselben Statt den vierten Sohn Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die Bekrin oder Mekrinj,
') Sijurkukteni, die Gemahlin Tuli's, war nicht die Tochter, sondern die Niclite Owana; Chan's; bei Ritter I. S. 297 Mird sie mit Turakina, der Gemahlin Ogotai's , vermengt. ^) Unter denen die Kerait, Merkit, Uirat, Dschadscherat Tatar, Katkin, Durba», Saldschiut. ') Je.ksarik oder Niksarit.
Erstes Buch, ]3
welche weder Mongolen noch tTjghureii , sassen im Lande der letzten ( in der kleinen Biicharei J. Tschengischan nahm Murkai , die Tochter ihres Fürsten , zur Frau, welche nach Tschengischau's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger Ogotai vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder Dschagatai , welcher sie Ton ihm begehrt hatte, verweigert ward ; auch die Gemahlin Kaschin's , des fünften Sohnes Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters von vier Söhnen, welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als Herr- scher auftrat, war aus dem Stamme Mekrin. Tixx den Moghol- manen zählt Reschideddin auch die Kirgisen und Kemdschiuty welche, Türken '^ ^^i^ '^Jß Ungut ^ in Sibirien und an dem Kern oder Jenisei sassen , von welchen sie ihren Namen haben. Die Tanghut im Gebirgslande an der sinesischen Gränze, deren Hauptstadt JSinghia am Ufer des gelben Flusses. Tschengischan, welcher in vier Feldzügen die- selben nicht zu unterjochen im Stande gewesen, starb auf dem letzten ; und endlich in der kleinen Bucharei die IJighuren , deren Sprache türkisch, deren Religionslehre aber auf tübctanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk, von welchem die Mongolen Schrift und Belehrung annahmen.
Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von />/g Tegus und Kijan abzustammen, welche einige Jahrhunderte JUirleciin ,
tor Tschengischan sich mittels eines Durchbruchs aus dem '^*''*«'" ^"^-
n !_• n 1 1 n • .. . I •> .1 brück aus
Erzgebirge von Ergenekun , aus der Bothmassigkeit ihrer „ .
Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend
Jahre vor Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren
die Mongolen von ihren Feinden , den Tataren , bis auf zwei
Männer ausgerottet worden, deren einer Tegus, der andere
Kijan, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein rundum von
steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von
Jahrhunderten sich vermehrend , ihres Bergkerkers und
Bergbaues endlich müde, den Ausgang aus demselben sich
') Tiirkea sind auch die Turkatun , eine Art Wachen, deren mir Abuli/liasi und nicht Reschideddin erwähnt, die Tilenrfut C^'ekiüt), welche Reschideddin unter den Tataren, und die Maiikut, die er mit den Xirunen aufzählt.
14 - K r s t e s B 11 c li.
nur dadurch bahnten, dass sie mit siebzig; Blasbhigen die Flamme aufgescliichteter Holzstösse gegen die Erzwnnd trieben , bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus dem Gebirge gewährte, dessen ?iamen Ergenekun als festes Gewölbe oder auch als Gewölbe der Ktinen übersetzt werden kann; in der mongolischen Volkssage und in ihrem auf die Türken gepfropften Starambaura scheint die geschichtliche Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der Hiongnu, d. i, Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am Altai, wo sie lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre Sieger Bergbau trieben, verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge Ergenekun ist von europäischen Forschern mongolischer Geschichten theils am Kokonor '^, d. i. am blauen See, in Tangut im Süden der grossen Sandwüste Schamo oAer Kobi. theils im Nordosten derselben am See DalaC^^, d. i. am hei- ligen See, in welchen sich der Kerulon ergiesst, gesucht worden; dort, weil noch heute die steilen Ufer des Sees von den Mongolen Giinergi ^^ genannt werden, hier, weil der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem Namen Ergun ausfliesst^), und weil die Berge am mittleren Unun metallreich, wie der Inschan, an welchem die Herrscher der Hiongnu oder Kunen ihre Waffenarbeiter unterhielten ^^ 5 aber wahrscheinlicher ist dieses Erzgebirge weder hier noch dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an Gold wie an Eisen so reichhaltigen Felsenfhälern die Türken im sechsten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der byzantinischen Geschichte auftauchen; dorten ist der Felsen- damm von Gog und Magog, welchen die alte mongolische Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und Dichter den Bergkerker der Mongolen verlegen *} ; doch
■) Schmidt's Geschichte der Mougoleu S. 227 und 372, und Ritter s. ebendas. ^-j u'Ohsson Hist. d. Mongols I. p. 22 notes und nach demselben Ritters Asien I. 430. 3) Degui;;;nes L. I. p. U6. ") Im Damme Goj; versperret waren die Mongolen,
Und nahmerf dann in Anspruch Würd' und Stamm der Türken.
Kemal Ben Glntjass.
Erstes Hu i- ii. J5
gleichviel,' seyeii die Mongolen ursprünglicli vom Inscliaii oder Kiiischan (so nennen die Chinesen den Altai^ ausge- brochen, seyen sie von den Ufern des blauen oder lieiligen Sees ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter aus der Bergsclaverei lebte von Geschlecht zu Geschlecht fort (h\9 auf den heutigen Tag); das Fest des Auszugs ward alljährlich in der Naclit vor dem neuen Jahrestage als ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes Eisen wurde in Gegenwart des Herrschers gehämmert und Gott für den Auszug aus dem Erzgebirge gedankt; später maclite die Volkssage den Tschengischan, den Gründer der Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede '}, und am Berge Tarchan , d. i der Schmied, welcher auf sieben deutsche Meilen sichtbar, aus rothem Granite als Riese den Eingang der grossen Sandvvüste bewacht, wird noch der Ambo's bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste das Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge Tono , d. i. der Kauclifang, wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauch- fang der Jurte gezeigt, in welcher er geschmiedet') haben soll. Auch in der aJtpersischen Geschichte war der Befreier des Volkes von der Tyrannei Soliaks der Schmied Gjawr, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier, und im Mongolischen ist Tarchan j, d. i. der Schmied, gleich- bedeutend mit Freiherr. ^
Die Mongolen , welche von den Altvordern stammen, »/<, Stämme die aus dem Erzgebirge Ergenekun zogen, heissen Diirlegin, der bis ^ni Alanhowa, die neunte Ahnfrau Tschengischan's, deren ^'^'""(f^ut
Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom himmlischen r- . • *
hoiufhjrat.
Lichte empfangen, die JSiiunen, d. i. die Reinen, heissen; von allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und den Geschichtschreiber des Aberglaubens der Völker merk- würdigster Stamm ist der der Virangkut , die einzigen Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern den Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten
') Kubruquis und Timkowsk3-. ') Timkowsky's Reise nach Chiua. Wien i82b. l. B. S. 22ci. 244. II. 14.
10 E r s t e s B u c li.
den Wetterstrahl als einen feurigen Drachen, der, aus dem Meere steigend , die Luft durchzieht und die Erde mit feu- rigem Schweife schlägt'^; sie glaubten, dass ausgegossener Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen ien Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu trocknen verboten war ; diese Meinung und dieses Verbot zeugt für die Fürchterlichkeit der Ungewilter in jenen Ge- birgen und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass Feuch- tigkeit der besste elektrische Leiter ; aus diesem Stamme waren die meisten Kamen, d. i. Schamanen, Beschwörer von Ungewittern und Geistern; aus demselben waren Jisiin Tatschi und Jt'sun Koke , Befehlshaber des linken und rechten Flügels im Heere Tschengischan's, Subutai Behadir , der berühmte Feldherr, welcher mit Dschebe Nvjan die sieg- reichen Waffen der Mongolen durch Persien nach Kipdschak trug, endlich Udadschij der Zeitgenosse Tschengischan's, dessen Nachkommen im Gebirge Burhan Kaldun die Grab- wächter des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter der acht weissen Häusser (^Ordu^, welche dort in der Gegend Jehe Utek j zwischen der Schattenseite des westlichen Altai und der Sonnenseite des östlichen Kentei, aufgerichtet wor- den'^, nach aller Wahrscheinlichkeit die Ahnen des in der späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und noch heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen Stammes der Ordu^s^). Wenn der Stamm der Unanghut so merkwürdig für den Mythologen und Ethnographen, so ist der siebenzweigige ^^ der Konghirat noch weit bedeu- tender in der Geschichte Tschen^^ischan's und seiner Nach-
*) Reschideddin führt dabei die folgenden Verse an : Die Donnerwolk' als Krokodil die Welt durchläuft, Der aus dem Meere steigt mit Ingrimm schwarz beschweift, Sie grinnet als ein Drach, der Unheil prophezeit, Und zwischen Gaum' und Zahn nur Rauch und Feuer speit. ^) Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 100. ^) Ebend. S. 407. 408. ; über Tschengischan's Begräbuissort s. Ritter I. 238. 482. 504. 506. *) Konghirat, Ikiras, OUionut, Karanuf, Kurlas, Kinkut, Ildscheqi)}.
E r s t e s B u c h. l'Jf
folger durch die rielfältige Verschwägerung desselben mit dem Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des tschengischanischen Hauses aus diesem Stamme in alle vier Uluse vermählt waren. Die Mutter Tschengischan's war aus einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin, und Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so gab er dem Schingkn Gtirgan seine Tochter Tumalin mit dem Befehle über viertausend Konghiraten, eine andere wollte er dem Konghiraten Tw/« ^m«/ zur Frau geben , Hess ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen Worte erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen, die Frosch und Schildkröte (quackend und duckmäuserisch sicher^. Von Bestui , dem Stammvater der Konghirat und der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich Alles, was in der mongolischen Hofsprache golden heisst, her, wesshalb er auch Bestui serin , d.i. der goldene, bei- genannt wird; daher das goldene Lager, das goldene Archiv, das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des Herrschers. Aus den Kinklint , einem Zweige der Konghirat, war Miser Uluk , von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin seltsame Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief er statt der Decke mit Muscheln zugedeckt , so dass Vögel auf seinen Rücken nisteten und Eier legten; sein Sohn war der Stammvater der Kurulas, aus welchen Merchitai dem Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von der Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den erbitterten Feind Dschamiika zum Gurchan, d. i. zum grossen Herrscher ausgerufen hatten , die früheste Kunde zu geben. Die Gemahlin Miser Uluh's war eine Chinesin, deren Namen ' J die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der Sohn Ildschigin , d. i. Langohr, genannt ward, der Stamm- vater des siebenten Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre Sitze an der chinesischen Gränze an den finsteren Wäldern des Gebirges Hingan'^'), woher die unter dem Namen der Karawinas berühmten Naphtafeuerwerker,
0 Udawkai Jabudak. ^) In Reschideddin Karawhi, Haidiin oder Hidtin ; bei D'Obsson I. Caraoun Tchidouu u. p. 73 CaravouaCabdjal. IIaminei\, Gesell ichtc der Ilchane. I. 2
m K r -1 I o « II II . h.
i>n> Sti^mmc' l^or KdiiuMi tl«'« StHiiiinos Ktnit^tau lioissl ilio (iroNN-
Ahwj*^**#. iiH!(i(<|)(ou, M«» sowohl (»fivslsrli nis iu<Mrtlls«'Ii IMr »lol« iiiitl , * MninnHMt^llti \«>rN«tiH(l< n «« rdtn ktimi. ' ) Ans «li»s«u iiiid «It'ii hi',,\iMn( foli;t>iul<'n Sjjimiiu'ii «It-r Ki uU . Huscftiu iiiul Stil, ins \\i\rvi\ l^^t«f. «tlo ho>N(«Mi porsoiilirtini Krouiitli' TscIuMi^iiioliHirs, tlio uork <VH/t*«#A\ (liü(|j{Nirii llolfoi' Ht^iiirr Jii^oiitl tiiiii firim'« luHiiiilirlirii Allrm. iMi^tt^ffk //jtrAAt». «im* Kiiii^lAnr, h:\Hc nath JisukMii Tode tlr« «Irrift^hnjcihrtjfou t\fHiHthrhin i;«'[>ll<'i;i. srJu SdIhi tius einer (Vülioreti i:iio. i!:it t*t*tn . «I. I. (Jottrs Klunltil«! . Irnt »Im lio^eUlrrlri* Srhrtni.iiir auf mul mm \>.iiiii«li«> im >Amrn tlf!« Iliuuurlü «lr>i) [\nuumi rciuiul.schiu's tiei tlossoii. Tlirotihosioi- ^UH^ in lWkt>Mfih . «Is jKlcii hNrdeuttMui mit (»»•wnltlj'or. ^rrtsisvr l^hüii; «Irr »liestMU jjrwoi^j'nsir Stamm «arni dio f^W^ mlvr Atttiml . »I. i ili<> t.nlin. als «loK-ii (Mi.tknii TsrhoMjjIsehwn i\c\\ Thron t'oslioj; ' ") ; «us iliosoiii Sidmiiu' u«r iiti^hnr*is<chtPi .y^fj^u) , welcher iiiil Wi/r^Aw/ ,\>/;*im . wus tl!(»iw Stiiiuuut> iler //mjvtA^Vi . der l.ehensretler Temmlsehirrü. «U vr hhl(«|ie(eiul luKlen iii\ St liiue t\\ sit ilten («ettihr lief, wofth' h«M«le In» hiuhslen An-iolien stehnid ht iler KoIj:e als die » «tVen^enossen , die ihm nut Quell /i\j/t/>rAwwrt Iren ^eMi«>hen w«n>«, »m T*wvAw»«*i# , d. I. Frt»lhrrf«»« , |rt>iidelt^ dteselhv Wrtrd«» «U«t» Diplout erhielten und üher l>i|)lonie <»rh«heM erklärt wurden; aueh den j:an»en freundliehen Stamn» der Kii'^kr'<('J adelte Tseheujcis als Freiherren, wie Kaiser fVledrie h 1 .-die biiw» i'Iiner einer UalleMJselien Stadt »u <V«t» erh«\t»; «us dem niiht minder fieundlieh jtesinnten SUmuto der Ihjnut. welcher in *wei Ahtheiluujjen au tler Seh'Hjf« s«ss, w«r K^kffi tiHr^att ^ «»tner der Kidamr iVchen- ^i^Th«u^^ dtiinu Otf^hts AVml , d. i der *IVuehs<»ss M . oh der IMiiUidtrruujir \\<>t Seh«iU<> des ehiuesisehe« Kaisers Altan (Miau in der K«lj|i;t> x[cru«jCt««»del, und vVwrivt«. der hetraule K«lh lVh«>M^i>^U«»>\ dter, tiil$t di« Fürsleu dor Tataren mid ihtht*fifivk<fniH ww die «bersdt» HerrsehDif» der Moujolou
*> Ä« t)«l««««i \m <l«r wsuMuiiselic» Heirfc^st^sehl**!« ^te «««I.
*<Mi^s'«i''>»4»ftii»r M<> «♦>«M«*M"«H"*#^»» tv<ler «»♦\v<.<».#.*»VW#»i», ^5<►se^te^^e *<«>« nv!M^^ Heteli.s; Vs ^Vü^. ^> ^^Itmüai's «eNvh^eMe S. 107» *> I« «1er SifuaHu!» «1^ N;t(MMMeM y (m 4^t ms\\k^\\i\s<^<>Mk HiCit^mK Res<rk«ae<Wi«.
y. t y. l •: ■■ M M f. fi. 19
»Iriltf-.ri, »]a<!if»-.llj'-. «J<-.m 'Ittmud-fliin vorrtij^^;f:"Mf.'t. Kridlifli »J«-,r Stafrim SulduH , v»;r)i*;rrlif:ht durch di«; P'amili»; .SV/r/'Z/^iw Sv.hu Kh, d<:>s H.<-.».l«:r»s 'I «:miidechiii'« , alü di<;i-<;r von i««:ifi<;ri J'c.iridcii, dtn 'raid«i(;liijl<-n , /jcfan^'en , mit «l«:rn iilock«: am lUUe «ich in »:in«:ri 'l<:if.)i ver«tecl(t<; , »iO «i^v- nur die .\a«e ülj«:r d«:fn Wa*.<!«:r nichtfi^r. DI«-, alt«-, f- fdu Jiuid'-.chn lkad>xhi hall«; hicli »ifcifi«:r in di«>«-.r Sltlavf.r«:» erbarmt; alj«rr w-Irlitigcr war der Dieiikt, (J«ii ilirn Surf^tuin Scfdre erwieis, ind<:m er, tJ«.',« Verborjgeoen gft'A-a\ir. di«: ihn auf''ij«.li<:nd(:n 'l'aiflKfhuten vom Tnich«; alj)<;ilftt«:, Ab«;ndii d«-ti««:l lj«-r! Jicrvorzog und in h«-.in<-.frj Hau*«-, in «;in«-.m Sack«*, von Uoli«: v«:/fjar>:; di<: \ (:r- fol;.'«tr dijr«.)i>«ijf.lil«-.n dh» JI^u^ uii«! (sti<:i->(;n mit Sjji«:*i».«:ri in «li-.n V\ oilhack ; alü ni«: l«-.rn<;, {iah ilim Hurglian Scliire Kleider, WaHeii, Mtjiidvorralli und ein«; vveinhe Htute , auf welcher i-r nt'Aimr Familie zueilte, die längüt alle Hoffnung, ihn wieder /u nehen, auf/L'egehen ; ti(:Ui vierter .Sohn, 'i'uJi , bagte hchou m«;Jirere Tage liindureh: .Mutier! (ii:r Vater kommt auf weidfeer citute; und dchHi^llien Ankunft he><tatigte des Kiiaheri zweite« GeKictit ' ). Viele der Nacliiiommen Surghan tichirii'u kamen mit Ilulagu naeli I'erhien , und von denüelben »stammt der herijlimte Kmir 'l'/^eliohan , der l'eldtierr unter Cjliaiian, (Jld«(.liaitu und l'Jju Said, der in des letzten Re- gierung «o viiclitigc llolie ••pielt, und deK»«*n Solin llaKari iic.r CiriJnder der li^nanti«-. Tuchohun , welche, wie die der ilkaane, hieh au« den '| kümmern «len ilehanihthen Keiclm in Iran erhob. Tueliengixehan zälilN; unter den Stämmen d«ir l)url«-gin m«:Jirere Freund«-. aU unt«-.r d«;n achtzefin d(;r ihm niiehhlverwandten , von d«;n li«;litemjifangenen Sölif)«;n von <\i.r n'-unten Ahnfrau ab>itammefiden ISinmcn, d. i. di«; l{«;ifien. Sein eigenes Hau« hie«« erhl vofi hcinem Alinii<;rrn Kubul- r.han nur da« der Kuiul oder Küud und von «einem Vater JiHuhai daii der Kulal liiirdHclm/^in, d. i. die rothbräurjlicfilen Aug«;n. Von dienen aeht/ehn Stammen der Niriinnn wollen wir hi«;r nur die vier rnäclitigiRten , zwei freundliehe, die
•) Uinakf.ti; hei H«ct««ifi, d«j^ ;ill<; ItnUr.t <\<v OcschUhte T«clien- (;iHChun'« v<;rvvirrl , i^t •Im;';«; (#<;8«;liif;lit<; in «la» .luii;;lin/4falt«;r TueltcitciMchiiii d liinuuri^bruckt. Ue«)Ctii<ic<l(litt.
2*
20 ErstesBuch.
Taidschut und Dsvhadscherat , und zwei feindliche, die
Barin und Jisiit , zur näheren Kenntniss einführen.
Die Stämme Die Taidschut, deren Namen an die Deutschen erinnert,
fffr wie der der Dschete an die Geten, und der der Dschur-
laidschut, jj^^^j^^jj^ an die Germanen, stammten mit den ihnen nächst- JDs c h (t fisch f-' • t n • verwandten drei Stämmen, der Erikian , Sidschiut und
Ji»d Jisitt. Dschinis , von Baiduchan , dem sechsten Ähnherrn Temu- dschin's, dessen Urenkel Ainbaghi von tStn Tataren gefangen, dem cliinesischen Kaiser ausgeliefert, auf einem Esel paradirt und dann geschunden worden ; gleiches Schicksal hatte ein anderer Urenkel desselben, Öhin Berkan, und die Blutrache dieser beiden Urgrossoheirae Temudschin's diente in der Folge, den wider die Dynastie der Kin unternommenen Krieg zu rechtfertigen; aber früher hatte Teraudschin eigene Unbild an diesem seinem Hause so nahe verwandten, aber feind- lichen Stamme zu rächen; nach der Niederlage derselben zu Baldschiisch wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so berühmt, als die siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand von Ergenekun sprengten, als die siebzig Ringe ') der Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien bestand. \xi der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der Dscha- dscherat oder D&chuirat, deren Stammvater Odurbejan, der Bruder Kabulchan's, des Urgrossvaters Temudschin's, stand Dschamuka, beigenannt Satschan, d.i. der Listige, der ge- fährlichste und unversöhnlichste aller Feinde Tschengischan's, dessen Ränke ihn mit Owangchan , dem Herrn der Kerait, entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem Neffen Htschidai zur Hinrichtung übergeben ward ; doch theilten nicht alle Dschadscherat den unversöhnlichen Hass ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben wesentliche Dienste dankte , so den Brüdern Kuschaul und Dschusuk, welche während Tschengischan's chinesischen Feld- zugs seinen Jurt hüteten ; uad Kalender , welchen Tschengis
•) Diese Ringe hiesseii Kur oder Kewr, was dasselljp Wort mit (lern pcrsiscliea Kuer, wie die Steingiüber in Schottland Iieissen.
E r s t e s B u c li. 21
in der Begleitung eines üriangkuten mit erdichteter Botschaft im Namen seines Bruders Dschudschi Kasar an Owangchan sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme der Barin ^ dem nächsten Verwandten der Burhan ^ d. i. das Meer, die in den heutigen Törbed fortleben, war Sit- tukusu nach dem berühmten Feldherrn Mokli Ka^anik der zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis zur Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeits- schmaus mit Tschengischan gefeiert zu liaben; dann Bigiy der Barine , welchen Tschengis als Unghin , d. i. freien Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen wie die Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen Pferde in einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er sehr alt, befahl Tschengischan, dass ihm der Rücken eines Sukanut beim Aufstehen zum Schemel diene, woher diesem Stamme der Name AktadscM Begi , d. i. die Stallmeister BegVsj, blieb, wider welchen sie protestirten. Die Jisut endlich leiten ihren Ursprung von Tschiniai Utdsch'gin, dem jüngsten Sohne Kabulchans, des ürgrossvaters Temudschin's, ab. Uldschigin, d. i. der Feuerhüter, hiess bei den Mon- golen der jüngste Sohn, welcher während der Abwesenheit des Vaters und der Brüder im Felde dgs Haus als Ofen- sitzer hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode dasselbe erbte, weil er besser als die Brüder im Felde sich mit der Wirthschaft bekannt zu machen Gelegenheit gehabt. Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer- Haus- hüter, nebst Tschintai noch Budan Utdschigin , der jüngste Sohn Burtan Behadir's , des Grossvaters Tschengischan's; Taratai Utdschigin , der jüngste Sohn Jisjikai'Sj des Vaters Tschengischan's, und endlich Tuli, des letzten jüngster oben- genannter Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die grosse zahlreiche Familie Dschebe Nujan's , des WafTen- gefährten Suhatai Behadir's, welcher mit demselben den dreijährigen Feldzug wider Persien und Russiand voll- bracht.
Geschichte Tscheuffis
22 ErstesBuch.
Erst nach dieser vorläufigen Kenntnis» der berühmtesten Stämme des mongolischen Reichs ist es gerathen , die Ge- schichte seines Gründers kurz zu überblicken.
Perioden Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun
<^<'^ und vierzigsten Jahrs der Hidschret, d. i. am 26. Jänner
d. J. tausend hundert fünf und fünfzig der christlichen Zeit- chan's. rechnung, im letzten Jahre des alttürkischen Thiercyclus, nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei und siebzig Jahre alt , am vierten Raraasan d. J. d. H. 624, d. i. am 18. August 1227 , nach dem sechsmal durchlaufenen zwölQährigen Thiercyclus, abermal im Jahre des Schweines, ein ominöses Geburtsjahr für den Herrscher der mongo- lischen schweinischen Menge; nicht minder ominös, als dass Temudschin ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand verschliessend zur Welt kam, die er mit Blut überschwemmen sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines Lebens, in dessen dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die Ge- schichte Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin von dem am Tage seiner Geburt besiegten und gefangen eingebrachten Fürsten gab; die übrigen sechzig Jahre seines Lebens zerlallen • in die frühere kleinere Hälfte, welche sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten bis an sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche von seinem vierzigsten bis zu seinem Tode zwei und dreissig Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in welcher er den wieder- holten Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur mühsam die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte , kennt die Ge- schichte verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige Begebenheiten, aber desto gellender und ohrenzerreissender durchschmettert sein Namen in den folgenden zwei und dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herr- schaft Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in dessen drei und siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll in fünf Perioden, die erste von dreimal neun, die zweite von neun , die dritte und vierte von sieben , die fünfte
ErstesBuch. 23
abermal von neun Jahren eingetheilt. ' ) In der ersten Periode tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig Kesseln gesotten worden, auf; schon wider seinen persön- lichen Feind, Dschamuka , den Fürsten der D schadscher at, kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil ihm unterwirft, sowie die Stämme Suldiis , Jisut und Bärin, deren Emire sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes ^ührt einen Streit mit dem \ ettcr Sedschebegi , dem Fürsten des nahverwandten Stammes der Kijat BurMn, herbei, der nun Temudschin gegenüber als Bewerber um die oberste Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg über die Tungkait , einen Zweig eines wider seinen Fürsten Owangchan, welchem Temudschin Hilfe leistet, empörten keraitischen Stammes. In der zweiten Periode erscheint Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der Naiman Merkit und Tataren; nach Besiegung derselben unterwirft sich der mächtige Stamm der Konghurat der Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als Herr der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre. Verschmähte Brautwerburg und Dschamuka's Ränke führen den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem Temudschin zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge den- selben, sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt, worauf ihm die Uighuren, Kirgisen, huldigen, und er als Herrscher all^r Mongolen die neungipflige Fahne mit neun weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temu- dschin in Tchengis , d.i. starker, grosser, gewaltiger Herr- scher, verwandelt. Die folgende Periode füllt der sieben- jährige chinesische Krieg und die letzten neun Jahre seines
') Die chinesischen Quellen geben die Geburt Tschengischan's ohne alle Datenbestimmuug des Monats und Tages um 7 Jahre zu spät au, im J. Jl62; (dieselben verdienen hierin weit weniger Glauben als Reschideddin, welcher seine Geschichte aus den mon- golischen Archiven verfasst , und Wassaf , welcher die Berechnung der chinesischen Cyklen gibt und dann zu Ende der Regierung eine chronologische Uebersicht von Jahr zu Jahr beifügt.
24 ErstesBuch.
Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über ganzVorder- asien verbreitete Macht in Transoxaiia, Chuaresm, Chorasan, Iran und Kipdschak , theils in eigner Person , theils durch seine Söhne und Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut, wo er seinen Lauf als Eroberer beschliesst. Gibbon hat diese Eroberungen nach den vier Weltgegenden, im Norden, Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die Geschichte Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen auf- zuzählen , hier nicht unser Zweck , so beleuchten wir die grosse historische Figur Tschengischan's von vier Seiten, zuerst in seiner Familie als Menschen, dann gegenüber seinen Feinden als Sieger und Eroberer, hierauf als Staats- mann und Gesetzgeber, und endlich in dem Üeberblicke seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den Ge- waltigen im eigentlichsten Sinne des Worts. Die Familie Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengis-
Tschenffis- chan's: Dschiidschi , Dschaghatai , Ogotai und Tvli , die Stammväter der vier nach ihnen genannten Uiuse aus der Konghuratin Burte Fudschin; aber Tschengis hatte noch vier andere Söhne: Kulkan oder Gulgan*) aus Kulan Chatun, der Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei, die als Kinder gestorben'^; seine sechs Töchter ^^, von denen er vier an die Prinzen feindlicher Stämme ver- mählte, um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur zwei an befreundete Fürsten, nämlich: Alakahegi zn den Fürsten der Ungkut, welcher ihm den Durchgang der^grossen Mauer geöffnet, und Kalbi an Idikut, den Fürsten der Uighuren, der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht anders als seinen fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's war mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen
') H. V. Ohssoii sagt: Goulgan , dont on ne connoit que le Dom; aber Reschideddiu meldet, dass Gulgau's Solin Kodsclia nach seines Vaters Tod 6000 Mann erhielt, dass dessen Sohn Urdui ein Hofdieöer Kubil.ai's war und dass Urdui's Sohn Abukian, weil er es mit Kaidu und den monj^olischen Prinzen hielt, hingerichtet ward. -) Dschurdschtai und Dschawur — ürdschaten. ') H. \. Ohsson p. 419 kennt nur fünf: 1. Kutschi (Fudschin) begi, 2, Tschitschejan, 3. Alakai, 4. Tumalin , 5. Ultaliu, 6. Ilalu, diese fehlt bei D'Olisson.
E r s t e 6 B u c ii. 25
bevölkert, aber von diesen fünfhundert hatten nur fünf den Titel von grossen Frauen, als die fünf Centurionen dieser fünf Weibercenturien , nämlich : 1. Burte FtidscMn , die Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier Söhne, Gründer der vier Uluse; 2. Kulan Chatun , die Tochter Tairosun's, des Fürsten des feindlichen Stammes der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden Ta- tarinnen, Schwestern, Jesulnt xxwA ^. Jesidmi; ^. Kwidschu, die Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder hatte und in deren Lager sich die durch ihre Schönheit berühmte Hogutai befand; als die nächsten an diesen fünf grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte be- zeichnet, nämlich die Tochter des viermal mit Krieg über- zogenen Fürsten von Taiighut, die Tochter TajangchanSf des siebenmal besiegten Fürsten der Naiman, die Naimanin, Mutter des Sohnes Vschirdschetai , die Tatarin, Mutter des Sohnes Urdschahan, und endlich y4bika , die Tochter Ha- kembu's, des Fürsten der Kerait, welciie Tschengischan durch ein Traumbild erschreckt , dem Vertrauten Kehti Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache hielt, mit allen ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von ihr nur den Becher, worin sie mit ihm Ktmiis, d. i. Stuten- milch , getrunken , und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker zurückbehielt. Sollte den Barbaren vielleicht die Ahnung einer Neigung zwischen der Prinzessin und dem Leibwächter zum grossmüthigen Opfer 'dieser Abtretung bewogen haben ? oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt? selbst in diesem Falle ist das zurückbehaltene Andenken eine ganz unerwartete Spur menschlichen Gefühls in der Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der schon als Knabe, ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überle- benden vier Brüder Temudschin's sind Belgutai, sein Theil- nehmer am Brudermord, Kodsckuiu, dessen Sohn lltschidat einer der trenesten und eifrigsten Diener des Oheims, auf dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zer- hieb; der jüngste, Temengu Uldschigin, d. i. der Feuer-
26 E r s t e s B u c li.
oder Herdhüter (seine Mutter war die Olkunutin Vsedemt, Verwandte der Mutter Tschengischan's^, ein grosser Bau- liebhaber, der Überali, wo er hinkam, baute, und so viel es in seinen Kräften stand , — wenigstens dem Willen nach gutmachte, was der Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers verheerte; endlich Dschudschi Keser , wegen seines athle- tischen Körperbaues und seiner Stärke der Löwe beigenannt; seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurück- gezogen, dass, wenn er darnieder lag, ein Hund unter dem Bauche durchlaufen konnte, seine Stärke so gross, dass er gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand nahm, Indem er ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach. ' J Er war der starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber auch ein Paarmal mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner Zufriedenheit und Unzufriedenheit, die erste ehrenvoll und die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen desselben ver- erbte. Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis allen Nachkommen des Oheims das Recht ein, wie die Prinzen Söhne auf der rechten Seite des Thrones zu sitzen, während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken Seite mit den Emiren'}; aber als in dem Kriege wider die Kerait Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des Mahles auf sich warten liess, sagte Tschengischan: „So er- scheinen Mücken, nur wenn sie die Sonne bescheint, und verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen zum Himmel steigen." In seinem Unwillen gab er die un- verbrüchliche Satzung, dass kein Glied der Familie Dschudschi Keser's je der Chanschaft würdig geachtet werde, und ernie- drigte also alle Nachkommen desselben für alle künftige Zeiten zu blossen Emireu Karadschu , d. i. unterthänigen Fürsten. ^}
*) Reschideddin. ^') Derselbe im Hauptstücke der Söhne Jisukai's. 3) NA'assaf im Hauptstücke Tschengischan's.
ErstesBuch. 27
Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei Die Feinde
den Stämmen Erwähnung geschehen ; seine' Feinde können Temu-
... 1 . jf •• !• i dschin'a bis
in vier Klassen getheilt werden, erstens die persönlichen
° * zu seiner
unversöhnlichen ; zweitens die besiegten und zum Theile, ersten wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens Thron- die sich Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron, beatetgung. und viertens, nachdem Tschengischan denselben bestiegen, die reichsgefährlichen feindlichen Mächte. Der erbittertste seiner persönlichen Feinde ist Dscha7nuka Sasan, d. i. der Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit Owangchan entzweite und die Anregung der Yerschvvägerung herbeiführte , welche dann der nächste Anlass des Krieges zwischen Owangchan und Tschengischan. Er machte ge- meinsame Sache mit Taidschuten , wciclien alsbald nach dem Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten. und der mit ihm ' verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte Tschengischan die grössten Unbilden seiner Jugend zu er- leiden, die Sklaverei , aus der ihn Schnrka/i '^ Schire , der Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge von zwölf ihm an den Hais geschossener Pfeile, dessen Todesgefahr die Freunde Burghiidschi und Biirghul abgewendet; solche Unbill und Schmach büssteu sie in den siebzig Kesseln ge- sotten. Nach den Taidschuten waren die unerbittlichsten der Feinde Aiq Talaren, und Merkiten, wider welche Tschengis, sowie wider die Taidscliuten, den Krieg bis zur Vertilgung führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen und Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm oder den Söhnen überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi zürnte er unversöhnlich, weil dieser dem jüngsten Sohne Tuktabeg des Fürsten der Merkit als einem trefflichen Pfeil- schützen das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilteu Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden Schwestern Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur dreissig Familien das Leben gerettet, und vom Tataren Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind das Leben
') Bei D'Ohssou ScIiebouiÄlia.
28 E r s t e s n u c h.
erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden. ') Die
_. , ^,„ Taidschuten waren das erstemal zu Baldschusch in derlVieder- I. J. 1198.
läge der siebzig Kessel, zum zweitenmale von Temiidschin
und Owangchan zu Kisillascli^ d. i. am rothen Steine, ge- schlagen worden ; mit ihnen verbündeten sich aus den Nai- luanen, den nächsten Stammverwandten Temudschin's, die Stämme Katagin , Saldschiut , Diirhin und Konghiirat , ihr Biindniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers» Widders, Hundes uud Bockes beschwörend; die Fürsten» welche mit Tschengischan um die Oberherrschaft der 3Ion- golen buhlten, waren Dschamuka , der Fürst der Dscha- dscherat , Olak Odur , der Fürst der Merkiten , Sidschebeg, der Fürst der Kijat, BiirMn, der nächste Verwandte Te- mudschin's, und Dschudschi Kasar, der Oheim desselben. In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit Temudschin's mit dem Oheim, der Anlass aber des x4bfalls des Vetters Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege über die Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter TJlun Ike , seinen Brüdern Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein Fest, bei welchem sich auch Sidschebeg, das Haupt des Stammes der Kijat Burkin , mit sein'er grossen und kleinen Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand; die 3Iutter fand sich beleidigt, weil Sijudscher , der erste Tafeidecker Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der ersten vorgesetzt; sie schlug ihn desshalb, und als auch bald hierauf Bügutei beleidigt worden, kam es zwischen den Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgeraenge, die beiden Frauen wurden gefangen , hernach wieder frei- gegeben, aber Sidscliebeg trennte sich mit seinem ganzen Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider ihn mit f. J. 1801. bewaffneter Hand als Anraasser der Oberherrschaft auf. Die obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dscharauka zum Oberherrn mit dem Titel GurchaTi, d. i. des grossen Herr- schers, aus. Sie verschworen sich abermal am Ufer der Tula, indem sie mit ihren Füssen die Erde des Ufers in
') Reschideddjn im Hauptstücke von den Tataren.
E r s t e s B u c ii. 29
den Flass stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch abhieben: „dass der Verräther wie diese Erde zerstampft, wie dieses Gesträuch niedergehauen sei!" Temudschin schlug die sieben Stämme zu Jedi Gurgan, d. i. bei den sieben Grabmalen ^ was ein als ihre Grabstätte, Unglück vorbedeutender Namen; als er hierauf aucli die Tataren und Kaimanen geschlagen, unterwarfen %\c\\ A\g Konghurat, der I-J.i30l. nächste der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg als grosser Herrscher derselben den Thron.
Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan be- j)ig Feinde standcne Biindniss wurde durch die 'Einstreuungen D&chdi- und Freunde muka's getrübt, welcher den Owangchan bestimmte, dem Temu-
Antraffe Teraudschin's einer näheren Verbindung der beiden
® ° -z-u seiner
Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben. zweiten Temudschin warb nämlich für sich um Abika, die Tochter Thrunbestei- Hakembu's, des Bruders Owangchan's, und um ihre Schwester ^""^ *"(* Bestutmisch für seinen ältesten Sohn Dschudschi, während ,
er dem Singzin, dem Sohne Owangchan's, seine älteste Tochter Fudachin antrug; die ehemals Verbündeten waren nun offene Feinde; Temudschin, der so oft mit den Kerait wider ihre gemeinschaftlichen Feinde, die Tataren, Merkit und Nairaan, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete zum schlammichten Quelle Baldschuna , wohin ihm nur die Getreuesten folgten. Diese waren in der Folge als die Waffengefährten von Baldschuna ausgezeichnet, wie vor sechs Jahrhunderten von Mohammed die Waffengefährten von Bedr und Ohod , er ernannte sie später alle zu Tarchanen, d. i. Freiherren, sowie die beiden Lebensretter, Btighurdschin den Erlaten, und Burghul den Huschinen, dann Siirgan Sch/'re^) den Suldusen, die beiden Dschelaire Olai Kalgha und Karadschu'^^ den Taidschuten Jisukai, welcher vormals die mit Dschudscln schwangere Biirte Fudschin sicher zu Owangchan geleitet hatte ; Burghul diente von der Pike, oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom Pfeile auf;
') Bei Schmidt Torghan Scliaain , bei d'Ohsson Scheburghan. -) Bei d'OIisson p. 72 Kischlik uud Badai.
30 ErstesBuch.
denn Anfangs Tafeidecker, ward er Gesiktu , d. i. vom Vor- trabe der Pfeilschützen , dann Emir Gesik , Befelilsliaber derselben, liierauf Emir Toman , d. i. Befehlshaber eines Corps von zehntausend Mann , und endlich Grossfiirst. Von Bughurdschin sagte Tschengischan t Ich schätze ihn unter meiner Seele , aber höher als alle Fürsten und Karadschu (^Unterthanen}. Bughurdschin nannte sich selbst den Un- fehlbaren und sagte von sich selbst: „Wann das Geschrei der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht; wann den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf und Gehirn frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel steigt und der Rauch des Himmels zur Erde sinkt, verfehle ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man mich den Unfehl- baren." Als Tschengischan den Burghul und Bughurdschin zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten , er- klärte er sie über alle Diplome erhaben. Biighurdschin war der erste der neun Örlök^^, d. i. die neun Mannen oder Helden, die andern acht: 2. Burghul der Huschine, 3. Schurkan Schire"^^ der Sulduse , der Lebensretter, wie die beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. Mokli der Dschelaire ^), der Eroberer China's; 5. Dschefie der Jisute; 6. Subutai Behadir " ) , der Feldherr wider Persien und Kipdschak ; 7. Dschelme Oho, d i. der tapfere Räuber*^, der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's, dessen Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der Leibwachen; 8. SchikiKuttu, der von Tschengischan, noch, ehe ihm seine Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt angenommene Pflegsohn, dessen W'ahl^pruch als Richter: Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der Uirate Kara Karaghu^~). Diese neun Helden waren die innigsten Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider
') Örlök ist wohl Nichts als das türkische Erlik — Manu- haftigkeit. ^} Bei Schmidt Torghoii Schaara. ^) Bei Schmidt S. 38 1 MucJiiili. *) Bei Schmidt S. 381 steht Sso Mergen, die Dschurdschid (welche ein Zweig der Uirangkut), S. 87, wo Subutai Behadir statt der üirangkute der Dschurdschid geuanut. *) Die Bedeutuug gibt Reschideddin. ") Bei Schmidt Chara Kiragho.
E r 3 t e s B u c h. 31
seine Feinde: „Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und ihr dreihundert und neun Leibwachen, umgebt das Haus!" ') und als er sieben Jahre nach der ersten Thronbesteigung den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen, nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefähr- lichste und mächtigste seiner Feinde, in der Niederlage gefallen , als er in der Gegenwart von hundert rersammeUen Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater Buttangri (Eben- bild Gottes) ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen ange- nommen und die neungipflige Fahne mit den neun weissen Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines Hauses aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhundert- tausend 31ongolen, als er die Fünffarbigen und Vserfarbigen*) zu Einem Volke vereint, denselben den ^'amen der blauen Moiigolen^^ oder einzigen'^^ beigelegt und seine Staats- einrichtungen begann, redete er seinen Wesir Bughurdschin und die neun Helden WafFengefährten an: „Du mein Bu- ghurdschin, dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr neun Örlök j ihr meine Fürsten und Edle, ihr meine ünter- thanen und du ganzes grosses Volk, dass Keiner ihn neide! Er soll die oberste Verwaltung der inneren Reichsangeiegen- heiten führen und über die fünf Farben meines Volkes be- fehlen ; er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete bewahren und als Oberbefehlshaber über die neun Gebiete den Titel Kulak Bugiidschi führen;" er ward zum Ober- haupte der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt den Titel Butschin Taibutsan *).
Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der Die sieben Landtag, auf welchem Temudschin als Tscliengischan, d. i. ^^'ndtai, gewaltiger Herrscher, der Fünf- und Neunfarbigen, der blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das aehuldiat. vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengis-
') Schmidt S. 89. ^) Schmidt glaubt, unter den Vierfarbigea seien die Stämme der vier Uirat zu versteheu, unter den Fünftarbigen die anderen Mongolen. ') Koke Mongol. **) Jekta, bei Wassaf im Gegensatz der Ssu Monghol, *) Schmidt S. 93.
32 ErstesBuch.
chan's erwähnt. Das erste wurde unmittelbar vor dem Feld- zuge wider die Taidschut und der Niederlage der siebzig Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten Thron- besteigung als Herrscher der unterworfenen Stämme der Konghurat und der mit denselben Verwandten, das dritte nach der durch den Fürsten der Tunguten erhaltenen Kund- schaft von dem Ueberfalle der Naiman und der Niederlage Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Auf- pflanzung der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife gehalten, das fünfte hat bald hierauf zur Berathung des siebenjährigen chinesischen Kriegs, das sechste sieben Jahre hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen, und das siebente und letzte sieben Jahre später und ^wei Jahre vor seinem Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heiraath stattgehabt. Diese Kurultai blieben sofort mongolischer Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der Fürsten und anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thron- besteigungsrede an die versammelten Stämme von den zwölf unterworfenen Reichen, worunter die Gebiete der besiegten, ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften; zuerst die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes der Konghurat mit seinen sechs Zweigen, dann die des ver- wandten Stammes der Kijat Burdachin, dann die Tataren und des ihnen engverbündeten Stammes der Mehrin ^ dann der Taidschzd und der Kerait ; der noch unbezwungene, mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider welchen Tschengischan siebenmal zu P^elde gezogen, fünfmal vor seiner Thronbesteigung als gewaltiger Chan der Mon- golen, und als Verbündeter Owangchan's. Immer waren sie I T 1198 ^^ ^^^ Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme / J 1193. ^^^ ^^^^ Niederlagen zu Kisiltasch, d. i. am rothen Steine, nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Tai- dschut zu Baldschuschj die der verbündeten Stämme an den sieben Grabhügeln und die Tschengischan's selbst, als er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht von we- nigen Treuen begleitet zum Quelle Baldschuna geflohen.
KrstesBuch. 33
Nachdem in der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr grosser Fürst Tajaiigchan geblieben, zog Tscheugischan wider dessen Bruder Buyuruk^ß. i. den Befehlshaber, welcher ihm als Fürst seines Volkes gefolgt , und schlug denselbeji an der Sudscha, in der Nachbarschaft des Vlugtag , d. i. des grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen Altai ober dem Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk floh mit Tukta, dem Fürsten der Merkit, nach den Ländern am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte ein Hauptgrund des Untergangs der Kirkis und Kemlcemdschiut gewesen sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen , und welche nun dem gewaltigen Herrscher huldigten ; so hul- digten ihm auch im Süden Idihtit, der Fürst der Uighuren, und die türkischen Fürsten der Hoeihe in der kleinen Bu- charei, der Gurchan von Karachetai, der Fürst des Stammes der Karlik von Kajaligh und der von Aimaligh. Tschengis besiegelte den Bund der Huldigung durch Verschwägerung, indem er dem letzten eine Tochter seines ältesten Sohnes Dschudschi , dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter II Alti dem Fürsten Idikut zur Frau gab , den er seinen fünften Sohn nannte. *) Er war nun mit nicht weniger als einem Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die zwei Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen Frauen aus einem anderen Stamme, und ebenso gab er nicht mehrere seiner Töchter an Fürsten Eines Stammes, Sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme der Konghurat war er gegenseitig verschwägert , indem seine erste Gemahlin Burte Fud&chin eine Konghuratin und er seine Tochter Ttimalun an den Prinzen der Konghuraten vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel Gurchan führte.
Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den Chinesische
mächtigsten Stämmen und Fürsten, vernichtete er so leichter Ehrentitel,
der chine- sische und *3 Bei d'OIisson S. 4l9 fehlt dieselbe, aber S. Ul wird sie persische Altunbegi geuannt. Krieij.
Hammevj Geschichte der Ilchane. I. 3
34 E r s k e s B u c li.
den Fürsten der Naimanen, Kutschbik, in dem siebeuten und letzten wider denselben geführten Krieg in der Schlacht am Kern, und wagte nun den Krieg wider den Herrscher von China selbst, wider Altan Chan, d. i. den goldenen, welcher ihm gleich Anfangs seines Auftritts für die dem Tschingsang (^chinesischen Staatsmintster^ wider empörte Tataren geleistete Hilfe den Ehrentitel eines Grossfürsten '^^^ sowie damals der Herrscher der Kerait dem Owangchan^^ und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel Tajang ver- liehen hatte. Die Seele dieses siebenjährigen chinesischen Krieges, welcher mit der Besiegung Altanchan's, des vor- maligen Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war der Dschelaire Mokli , welcher zur Belohnung seiner Dienste den auszeichnenden chinesischen Titel ^ojang^) , das ist Herrscher Eines Distrikts , erhielt. Der Kaiser von China war der mächtigste Feind des mongolischen Reichs im Osten, sowie Chuaresmschah , dessen Herrschaft sich über ganz Mittel- und Vorderasien erstreckte, der mächtigste und ge- fährlichste Nachbar im Westen. Nach dem glücklich voll- endeten siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Ein- schüchterung des Ostens wandte Tschengischan seine ganze Macht wider den Herrscher des Westens, wider Mohammed Tekesch, zur Blutrache einer Karawane mongolischer Kauf- leute, welche Ghairchan , der Statthalter von Otrar, hatte ermorden lassen. In diesem siebenjährigen Kriege befeh- ligten die zur Eroberung des Westens bestimmten Heere theils Tschengischan in Person, theils seine vier Söhne, theils seine beiden grossen Feldherren Dschebe Nujan und Suhutai Behadir ; sie eroberten eben so viele Länder: Transoxana, Chuaresm , Chorasanj A^% persische Irak , Ma- senderan , Ghasna und Kipdschak j und die mongolischen Heere verheerten die Länder von den Ufern des Indus bis an die der W olga. Ogotai und Dschaghatai belagerten Otrar,
') Dschawut Kuri , auf chinesisch sagt Reschideddia Emiri moasem, d. i. Grossfürst. ^) Owantfchan , Herr eines Reichs 5 Padischahi jek mulk. ^)' Kojang übersetzt Reschideddin Padischahi jek nahiet, d. i. Monarch eines Distrikts.
ErstesBucl). ' 36
worin sich Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und die Rechtfertigung des Kriegs, sich zwei Jahre lang tapfer vertheidigte. Dschudschi , welcher gegen Chodschend be- fehligt war , kehrte nach einiger Uneinigkeit rait seinen Brüdern wieder nach Kipdschak zurück. Tschengischan be- fehligte in eigener Person die Verheerung von Samarkand und Bochara , der beiden grössten und bevölkertsten Städte Transoxana's, in deren jeder dreissigtausend Schlachtopfer bluteten, was nicht unglaublich, wie die Zahl derer, welche in den Städten Chorasan's bluteten, mit dessen Eroberung der vierte Sohn, Tuli , betraut war. Zu ]Vis<^habiir soll eine Million, zu Sebsewar siebzigtausend gemetzelt worden sein. Glaublicher ist die Entvölkerung Chuaresm's, aus dessen Hauptstadt allein einraalhunderttausend Künstler und Hand- werker in die östlichen Länder geschleppt worden. Bamian, vor dessen Mauern ein Enkel Tschengischan's, aus seinem Sohne Dschaghatai, fiel, erhielt den Namen Mobah'gh, d.i. verfluchte Ballei , und musste den Mord mit dem Blute seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe Nujan und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an die Ufer des Sees von ürmia, drangen dann dnrch die Pässe des Kaukasus nach Russland und Kipdsch?k vor und wurden durch die Niederlage der Russen Herrscher an der Kalka, die sich in den Donesch ergiesst, wie sie Herrscher an der Kalka, die in den ßujursee mündet. Tschengischan selbst verfolgte am Indus den Sultan Dschelaleddin Mink- burni, den Sohn des Mohammed Tekesch, der in einer Insel des kaspischen 3Ieeres sein Leben geendet, und konnte dem Sohne seine Bewunderung nicht versagen, als derselbe, bis an das Ufer des Indus verfolgt , vom steilen Ufer sich ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus stürzte und denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters, rief Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus. Beim Kurultai, welches Tschengischan am Karagöl (Schwarz- see} zur grossen Jagd an alle üluse ausgeschrieben hatte, erschien der älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte er seinerstatt kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan
36 ErstesBuch.
unternahm von da den vierten Feldzug wider das empörte Tanghut und starb auf demselben , nachdem er durch letzt- willige Anordnung zu seinem Nachfolger im Reiche weder den ältesten Dschiidschi, noch den zweiten Dschagatai , son- dern den dritten Ogotai ernannt hatte.
Tschengischan's Politik , deren Hauptaugenmerk die Die Jasa. Versöhnung feindlicher Stämme und die engere Verbindung mit freundlichen mittels Verschwägerung , erhellt schon aus dem Erzählten; aber seine bürgerliche Gesetzgebung und seine Staatseinrichtungen erfordern noch besondere Beleuch- tung. Er ist der Gesetzgeber seines Volkes. Aus den bisherigen europäischen Geschichtschaeibern mongolischer Geschichte ist nur die bürgerliche Gesetzgebung desselben, d. i. die Jasa^ bekannt, aber in Wassaf, dem Livius der persischen Geschichtschreibung, weicher, berühmt unter dem Namen des Lobredners der Majestät ^^ ^ schon andert- halb Jahrhunderte nach Tschengischan , zu Ende des drei- zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung und zu iVnfang des vierzehnten , schrieb , und aus der grossen Sammlung von Staatsschreiben , welche ein halbes Jahrhun- dert später der Staatssekretär Mohammed Hinduschah, bei- genannt die Somie der Stylisten ^), für Schah Oweis Behadir- chan , den zweiten Herrscher der zweiten Dynastie der Ilchaue (deren Gründer sein Vater, der grosse Hasan^, aus den Archiven zusammentrug, lernen wir auch die besonderen Namen der Gerichtsordnung und des Militärcodex kennen. Die erste, nach welcher den Oberrichtern das Recht zu sprechen in ihren Bestallungsdiplomen eingeschärft ward, hiess Kutatgu hilik Tschengischatii , d. i. das Kutadische Tschengischanische überlieferte Wort; denn unter dem Titel von BUik gibt Reschideddin neun und zwanzig überlieferte Worte Tschengischan's, und Kntat (^oder Kitad^ ist der Name der Familie Tschengischan's ; den Namen des Militär- codex hat nur Wassaf aufbewahrt; derselbe hiess: Tnmen- dschin, d. i. wovor man sich zu hüten; dieses ging, sowie
*) Wassaful-liasret. 'j Schemsclml-niuuschi.
E r s t e s B u c li. 37
das Bilik, unmittelbar von Tschengisclian selbst aus, aber an der Jasa hatte die Weisheit seines Sohnes Dschagatai grossen Äntheil. Da die einige und zwanzig Punkte des ersten und des zweiten bereits bekannt gemacht worden, 80 genügen hier ein Paar Federstriche zum Umrisse des Geistes der Gesetzgebung Tschengischan's. Häufige Todes- strafe und Prügel waren die Saqction derselben, die Todes- strafe nicht nur auf Verbrechen, sondern auch auf Unsitt- lichkeit und auf die Verletzung abergläubischer Sitte gesetzt; so wurde der überwiesene Lügner, Zauberer, der, welcher bei Donnerwetter badete, und wer ins Wasser oder auf Asche pisste, mit dem Tode bestraft; den Prügeln, womit vor- züflich die üebertretung der Kriegszucht bestraft ward, wai;en auch die Prinzen des Geblüts unterworfen, und die- selben entehrten nicht; ihre Zahl immer ungleich, von drei, fünf, sieben bis sieben und siebzig. ' ) Die grösste politische Tugend der Mongolen die blindeste Unterwürfigkeit in den Willen des Herrschers, indem nur Einer der Herr und alle Anderen Sklaven; Nichts von Geburt aus, oder wenn auch durch diese und durch Stammverwandtschaft geadelt und zu Würden erhoben, wieder Nichts vor des Herrschers All- macht; die zweite Tugend schweinische Unreinigkeit, indem es ihnen verboten, ihre Kleider zu waschen, die sie auf dem Leibe tragen mussten, bis sie ihnen in Stücken ab- fielen ^^, also gerade das Gegentheil jüdischer und mosli- mischer Gesetzgebung, wovon jene zwischen Reinem und Unreinem so genau unterscheidet, diese wiederholtes Waschen zur Pflicht macht. Gastfreundschaft war geboten , doch durfte keiner zum Mahle niedersitzen , ohne dazu geladen zu seyn, keiner auf Kosten seiner Tischgenossen schlemmen; Titel und Phrasen waren untersagt, selbst der Kaan durfte nicht anders als bei seinem Namen angeredet werden; ein persischer Sekretär , welcher das im Namen Tschengischan's an eine belagerte Stadt erlassene Aufforderungsschreiben mit Floskeln ausgeschmückt , büsste dieselben mit seinem
'D Wassaf. -) Uie Jasa iu Makrisi.
38 E r 8 t e s B u c h.
Leben. Alle Mädchen und Frauen der Mongolenstanden dem Herrscher zu Gebot; die Tarchanen, d.i. Freiherren, waren von allen Steuern befreit und hatten zu jeder Stunde freien Zutritt zum Kaan. Die Erbfolge in der Familie Tschen- gischan's war durch die Jasa, welche hievon die Brüder Dschudschi Kasar's ausschloss und die Herrschaft dem üluse Ogotai's, des zweiten Sohnes, zusprach, festgesetzt, aber die Verkündung der Thronbesteigung musste auf einem Kundtai , d. i. einem Landtage, feierlich vollzogen werden. Der erste und grösste Hofdienst war der des Oberstjäger- meisters , denn die Jagd als Vorspiel und Vorübung des Kriegs vertrat die Stelle der Bildung und Erziehung, da das Handwerk und die Kunst der Mongolen nur Krieg und Verheerung. „ Die Periode der Staatseinrichtungen Tschengischan's
und das ^^'^^ ^" ^^^ sieben Jahre, welche von seiner zweiten Thron- Testament, besteigung als gewaltiger Herrscher bis zum Ausbruche des siebenjährigen chinesischen Krieges verflossen; aber die militärische Einrichtung des Heeres nach Zehnern, Hun- derten , Tausenden und Zehntausenden hatte schon früher stattgefunden. Das Buch der vier Uluse, dessen Verfasser ülugbeg und welches dem Stammbaume der Türlcen^^ zu Grunde liegt, schreibt die Eintheilung des mongolischen Heeres in sieben Treff'en schon dem Oguschan zu; in jedem Falle ist diese Einrichtung eine türkische und weit älter, als Tschengischan, und verschieden von der arabischen Ein- theilung, welche nur fünf Abtheilungen des Heeres kennt. Die Türken und nach ihnen die Mongolen theilten ihr Heer « in die folgenden sieben Theile : 1. Btädschiinghar , auf
türkisch Karaul, die Vorposten oder Vedetten ; 2. Borunghar , auf türkisch Mankalai, der Vortrab des Heeres, auf arabisch Mahaddemetol-dschisch ; 3. Vt/ghar, auf türkisch Ssagkkolf der rechte] Flügel, auf arabisch Jemiw ; 4. Dschunghar, auf türkisch Ssolkol , der linke Flügel, auf arabisch Jesar ; 5. Ghul, auf türkisch Jes«?^/^ das Mitteltreffen , der Mittel-
•) The Shajrat ul Atrak. LondoQ 1838. p. 32.
E r s t e s B u c h. 39
punkt des Heeres, die Fahnen und Standarten, die Koss- schweife und Heerpauken, von den Arabern Kalboldschisch, d. i. das Herz des Heeres, genannt; 6. Okdschunghar, auf türkisch Tschehlcdaul, der Nachtrab, auf arabiscJi Sahat; K. Besttinghar , auf türkisch Bassdürma und auf persisch Kemingjah, d. i. der Hinterhalt; dieser Theil des Heeres war, wie der türkische und persische Name zeigt, zu Ueber- fällen aus dem Hinterhalte bessmmt; er zog aber, der letzte, in so grosser Entfernung vomNachtrab, dass er den Staub desselben nicht sah. Diese letzte Abtheilung, sowie die erste, fehlt in der Strategie der Araber. Ein Corps von zehntausend Mann hiess Turnen oder Toman, eine Benenii^mg, welche auch den Länderabtheilungen und später Münzen beigelegt ward, wie denn noch heute Silber- und Gold- tomane in Persien cnrsiren; die Silber- und Goldmünzen der Mongolen hiessen Baiisch. Die Jagd, Pfeilschiessen, Pferdetumraeln und Ringen waren die Uebungen des Heeres und der Feldherren, welche hierin mit gutem Beispiele vorgehen mussten : „Die grossen Fürsten und das ganze Heer muss sich in der Jagd üben und den Namen bestimmen, bei welchem sie, wenn sie ins Feld ziehen, ausgerufen werden sollen; sie sollen mit zu Gott gewandtem Herzen beten, bis sie mit göttlicher Hilfe die vier Weltgegenden unterjocht." lautet das zehnte der hinterlassenen Worte Tschengischan's; dann das eilfte: „Der Mann sei unter dem Volke ruhig und schweigsam , wie ein Kalb , falle aber in der Schlacht wie ein hungriger Geyer auf die Feinde.'' und das zwölfte: „Jedes Wort, das einmal gesprochen worden und von dem man zweifelt, ob es im Scherze oder Ernste gesprochen worden, kann nicht mehr zurückgenommen wer- den, — gilt für Ernst," Die grösste Auszeichnung war, wenn der Kaan auf einen mit dem Finger zeigte ; dem mit dem Finger Ausgezeichneten '^ waren die Einkünfte der Minen, die guten Pfeilschützen, die Pferde der Post, die Jagdvögei , die Jagdhunde der eroberten Länder zuge-
') Nocli heute Lin Aiabischeu : Muschai- l)il bunaiu
40 K r s t e s B u c h. -
sproclien. ') Die feste Grundlage des Herrschergesetzes Tsehengischaii's uar Familieneinigkeit und festes Zusammen- halten der Stamraverwandtschaft; eine Lehre, welche er durch das bekannte Gleichniss vom Pfeilbündel , dann von den zwei Schlangen , der einköpfigen Vieischweifigen ^) und elnschweifigen Vielköpfigen , seinen Söhnen versinnlichte. Von diesen bekleidete Ogotai , der Oberste Jägermeister, das erste Hofamt, Dschagatai versah die Stelle des Obersten Kichters und wachte. auf die Vollziehung der Jasa, an deren Verfassung er so grossen Äntheii hatte; dem Ogotai lag die innere Verwaltung, d. i. die Erhebung der Steuern, dem jüngsten, Tuli, die Sorge für das Haus und die Truppen, für den Herd und das Heer ob; der jüngste Sohn war, wie schon oben gesagt worden, nach mongolischen Gesetzen der Hüter des Herds und der Herden und nach des Vaters Tod der Erbe der ganzen Wirthschaft, wiewohl das Haupt der Familie und des Stammes stets der Erstgeborne blieb. Das mongolische Gesetz trennte also das Ansehen der Erstgeburt von dem Stammvermögen, indem die Stammherrschaft zwar dem Aeltesten , das Vermögen aber de:n Jüngsten des Hauses zuerkannt ward. In diesem Sinne sollte Dschudschi, der älteste der vier Söhne, dem Vater auf dem Throne gefolgt sein, aber mit demselben unzufrieden, besonders seitdem er nicht auf dem letzten Kurultai zur grossen Jagd erschienen, sprach Tschengischan's letzter Wille die Thronfolge dem dritten Sohne, Ogotai, das Staramvermögen aber, das ist die grösste Macht des Heeres, dem jüngsten Solme, Tuli, zu. Von hundert neun und zwanzig Toman, d. i. hundert neun und zwanzigtausend Mann , aus welchen das Heer bei Tschengischan's Tod bestand , hinterliess er hundert ein Tausend dem Tuli, jedem der vier anderen: Dschudschi, Dschagatai, Ogotai, Gulgan, nur viertausend: den rechten Flügel über acht und dreissigtausend Mann befehligte der erste der neun Orlöke , der treue Freund und Waffenge-
') XXV. Wort Tsclien;:^iscliairs in Rescliideddiu. -) Von La- fontaine bei der Audienz eiues kais. Gesandten einem Türken in den Mund zelei't.
ErstesBuch. 41
fährte Bughurdschi ; den linken ron zwei und seclizigtausend Mann der Eroberer China's, der Kojank Mokli der Dsche- laire, welchem drei Hesare ^ d. i. dreitausend 31ann Dsche- lairen als ein Leibregiment überlassen worden ; fünftausend seinem jüngsten Bruder Vtdschigin , dreitausend seinem Bruder Katschiun und eben so viele seiner Mutter Vlun, tausend dem Sohne des Bruders Dschudschi Kasar's. Diese Truppen erbten in den Familien fort. Als Tschengischan sein Testament machte, Hess er aus den Archiven den Familienpact holen , w elchem noch dasi goldene Siegel seines Vorfahren T?/me«ß/aufgedrückt war und welchem die folgenden Ahnen, nämlich: Kahulchan, der ürgrossvater , Bertan Behadir, der Grossvater, und Jisukai, der Vater Tschen- gischan's, ihre ünlerschrilten beigesetzt hatten *}; erzeigte diese Familienurkunde, vermöge welcher der letzte Wille des Herrschers als Gesetz geachtet werden musste, den Söhnen, befahl ihnen, den Bruder Ogotai als Herrn anzu- erkennen , und empfahl die Leitung der Reichsgeschäfte dem Vetter Karadschar Nujaji, dem Sohne seines Oheims, dem Ahnherrn Timur's. Ogotai erhielt das Reich als oberster Herrscher, Tuli das Stammgebiet am Onon und Kerulon und die östlichen Länder. Dem UJuse Dschudschi's , der kurz vor dem Vater verstorben, ward der Besitz von Kipdschak erhalten ; Dschagatai's Antheil waren die Länder der üighuren, die kleine und grosse Bucharei, die Länder am /// und zwischen dem Dschihiin und Sihim (^Oxus und Jaxartes), welchen, sowie der türkischen Mundart der üighuren, der Name der Dschagatai'schen verblieb.
Der Familienvertrag der Familie Tschengischan's sowohl, jy^^. als der grosse Einfluss Karadschar's als Leiter, Rath und Familien- Orakel der tschengisischen Familie ist bisher von keinem vertrag %u europäischen Schreiber mongolischer Geschichten gehörig J^oradscia. ins Auge gefasst worden ; selbst die soeben angeführte Stelle Mirchuand's über den Familienvertrag ist unberücksichtigt geblieben. Das seit kurzem erst in englischer üebersctzung
') Mircluiand.
42 K r s t e s B II c ii.
bekannt gewordene treffliche Werk des Stammbaums der Türken, welches den Kern der Geschichte der vier Uluse von Ulugbeg enthält, gibt darüber sowohl, als über Kara- dschar's Einfluss und Ansehen umständlichen Bericht; wir lernen daraus, dass dieser Familienvertrag Temghai Tumenai- chan, d. i. das Insiegel Tuminechans, hiess , und also schon vom ürurgrossvater Tschengischan's datirt. Diesen Familien- vertrag liess Tschengischan auf seinem Sterbebette holen und führte seinen Söhnen zu Gemüthe, dass er sowohl, als Karadschar, denselben immer genau beobachtet hätten. Karadscharchan erscheint also schon hier als das Haupt eines Zweiges der Familie Tschengischan's , welches im Namen derselben mit Tschengischan einen Familienvertrag eingegangen oder vielmehr den erneute, welchen der Ahn- herr Tumenaichan zwischen seinen Söhnen Kabulchan und Katschulai geschlossen und welchen später Jisukai und Te- mudschin bestätigt hatten ; mehr als einmal erwähnt desselben die Geschichte des Stammbaums; sie erwähnt desselben unter der Regierung Tewa's, des eilften Chan's der Familie Dscha- ghatai, als des zwischen Karadschar Nujan und Tschengis- chan geschlossenen Familienvertrags, und abermals unter der Regierung von Sijurghurtmisch, dem zwei und dreissigsten Chane des üluses Dschaghatai ^3; dieser Familienveatrag des tschengisischen Hauses, welcher zuerst von Tumenaichan, dem vierten Ahnherrn Tschengischan's, zwischen seinen beiden Söhnen Kabul und Katschulai aufgerichtet, von seinem Ur- enkel Jisukai bestätigt worden, ward von seinem ürurenkel Tschengischan mit Karadschar erneuert und blieb bis zu dem letzten Chane des Uluses Dschaghatai, von Tumenai- chan bis auf die Zeit Timur's, d. i. durch dreihundert Jahre, aufrecht. Karadschar Nujan hätte zweifelsohne den Thron, wenigstens im Uluse Dschaghatai, für sich selbst behaupten können, aber er wollte lieber denselben verleihen, als selbst einnehmen;, 80 erhob er einige Jahre nach dem Tode Dscha-
') The treaty inaJe between Kurachar Noj-aun aud Changeez Khan. The Shajrat ul Atrak p. 367; und ebend. p. 381: The coveuant renewed betweeu Changeez Khau and Kurachar Noyauii.
ErstesBuch. ^
ghatai's statt eines Sohnes den Enkel desselben, Kara Hulaga, auf den Thron, setzte denselben zwar auf die Vorstellung des Grosschan's Gajuk ab und einen Sohn Bschaghatai's als Chan, dann aber, als dieser gestorben, den Kara Hulagu zum zweitenmal als Chan des Uluses Dschaghatai ein. *^ Karadschar war der Sohn Emir Songhur TschitsQhati's, der Enkel Emir Irdümdschts, der Urenkel Emir Kadschulais, des Sohnes Tumenai's und also der Vetter Tschengischan's im dritten Grade , indem ihre ürgrossväter Brüder waren. Warum Tumenai, da ihre Urgrossväter Kabul und Katschulai Brüder, warum Tumenai, welcher acht Söhne hatte, den Hausvertrag der Herrschaft nur unter den beiden obge- nannten abschloss, erhellt nicht aus den bisher bekannten Quellen mongolischer Geschichte; wahrscheinlich weil Ka- tschulai dem Kabuichan die Nachfolge streitig machte. Nach den Tier durch die vier Söhne Tschengischan's begründeten Lfiosen war das Haus Karadschar's das mächtigste des tschen- gisischen Stammes und Herrschaft und Welteroberung gingen auf den Nachkömmling Karadschar's im fünften Grade, auf Timur Gurgan, über. ^) Der Stamm des HausesKaradschar's war der der Berla's. ^) Karadschar, der Rath Tschengis- chan's und seiner Söhne Ogotai und Dschaghatai, starb bald, nachdem er den Kara Hulagu, den Enkel Dschaghatai's, zum zweitenmale auf den Thron gesetzt, acht und neunzig Jahre alt"), und hinterliess zehn Söhne, deren ältester, Itschelj ^
der ürurgrossvater Temur Gurgan's. ^)
Ehe wir von Tschengischan zur Geschichte seiner Nach- Charakter folger, Herrscher der Mongolen, übergehen, nur noch ein und Sitten der
•) The Shajiat ul Atrak S. 354. ^) Timur, der Sohn Emir '' ^'^Ü^ ^^' Tharagai Nujan's, des Sohnes Tiikil Nujan's, des Sohnes Emir Beleyir Nujan's, des Sohnes Emir Itscliil Nujan's, des Sohnes Emir Karadschar 'SaJRü''s; Abder-vesak im Matlaa es-saadein. ^) Nicht Berolas, wie Freih. v. d'Ohsson schreibt; im dschaghataischen zu Calcutta gedruckten Wörterbuche S. ll6. ") I. J. 652 (1254). 5) The Shajrat ul Atrak p. IctS. 344. 347. 352. 355. 366 ; die Namen sind aber alle so verstümmelt, dass sie kaum zu erkennen, nämlich Irdiimdschi als Eeroomchi , Kadschulai als Kuchooli , Songhur Tschitschan als Sooghoo chi chun.
44 B r s t e s B u c h.
Paar Worte über den Charakter und die Sitten des Volkes. Die beste und kürzeste Schilderung derselben liegt iui Namen Mongol selbst, sei es, dass derselbe, wie die persischen Quellen sagen, trübe und traurig, sei es, dass er, wie ein mongolischer Geschichtschreiber behauptet, trotzig und tm~ erschrocken bedeute. Es hat mit dem Aaraen der Mongolen dieselbe Bewandtniss, wie mit dem derSIaven, welchen die Fremden von Slavo: schwach und feige, die Eingebornen von Slaha: Ruhm und Glanz, abgeleitet haben; wie dem auch sei, der Charakter der Mongolen entspricht der doppelten Angabe der Bedeutung ihres Namens, sie sind eben so ein trübes und trauriges, als trotziges und unerschrockenes Volk. Die Traurigkeit und Schwermuth spricht sich schon in den Klaggesängen , welche vom mongolischen Geschichtschreiber Ssetsen aus der ältesten Zeit her erhalten sind , in der weh- raüthigen Sehnsucht nach den Ufern des Onon und Kerulon, sowie in den Volksliedern der heutigen Mongolen aus; ihre Tapferkeit hat sich Asien unterworfen und Europa zittern gemacht, ein trauriges barbarisches Volk , das erst Tschen- gischan durch das Beil und die Prügel gesittigt, und das durch Raubsucht und angeborenen Sklavensinn das tüch- tigste Werkzeug zur Welteroberung; „sie hatten das Herz des Löwen, die Geduld der Hunde, die Behutsamkeit des Kranichs, die List des Fuchses, die Vorsicht des Raben, die Raubsucht des Wolfes , die Heftigkeit der Hahnen j für Familie sorgend wie Hühner, die Ruhe der Katzen, die Heftigkeit im Anfall vom Schweine'' , welche Eigenschaften der Morgenländer dem vollkommenen Krieger insgemein beilegt '^j m^n könnte aber auch sagen, dass sie alle Eigen- schaften der zwölf Thiere ihres Jahrescyclus in sich ver- einten , dass sie diebisch wie Mäuse, stark wie Stiere, raub- süchtig wie Panther, vorsichtig wie Hasen, listig wie Schlangen, schrecklich wie Drachen, rauthige Renner wie Pferde , folgsam wie Schafe , kinderliebend wie Affen, familiensorgsam wie Hühner, treu wie Hunde, unrein wie
') Wassaf.
E r s t e s B u c h. 45
Schweine; der Cyclus ihres Jahres war das Sinnbild ihres sittlichen Gesichtskreises. Mittler Statur, breit von Schul- tern, stark vom Rücken, hervorragender Brust und einge- zogenen Bauchs, von grauen und braunen Augen, die aus schiefen Winkeln hervorglotzen , von breiten olivenfarbenen Wangen, Sturapfnasen, dicken Lippen, spärlichen Barthaaren, aber wucherndem Haarwuchse auf dem Kopfe, dessen Vorder- theil vom Scheitel bis zu den Ohren hufeisenförmig ge- schoren; leicht, flink, mit ihren Pferden wie Centauren zusammengewachsen ; gewandte Bogenschützen, wie einst die Parther, nie gefährlicher als im Fliehen, mit Kampfund Beute gesättigt noch immer nach Kampf und Beute durstend, undankbar, schmutzig, grob, raubsüchtig, grausam, aber leibeigen, walirheitsliebeud, pruukhassend, tapfer und blind- lings gehorsam. Niemand war ihnen Freund, aber sie hassten der Denuncianten scheussliche Brut. Ihre Nahrung: Hirse, Haiden und Fleisch von allen Arten, am liebsten das des Pferdes, aber auch Mäuse, Hunde, Katzen und sogar ge- bratenes Menschenfleisch; das Fett leckten sie von den Fingern und schmierten damit ihre Stiefel. Ihr. liebstes Getränke: Stutenmilch sammt dem daraus gezogenen, ge- gohrnen, berauschenden Kumis und Meth; ihre Kleider aus Thierfellen genäht , ihre Waffen aus Eisen geschmiedet, ihre Kopfbedeckung eine dreieckige, am Rande verbrämte Mütze, der sogenannte tatarische Hut, die der Frauen eine ellen- hohe Pyramide aus leichtem Holz, deren Obertheil mit Pfauenfedern und Juwelen geschmückt, mit einem Flore bedeckt, welcher Baghtak hiess, woraus die Missionäre Botta , die Venezianer Bauia gemacht. Die Weiber, deren grösste Schönheit die kleinste Nase , wie bei den Chinesen der kleinste Fuss, bereiteten den Kumis und die getrocknete sauere Milch, welche Kurut^^ hiess ; sie verfertigten alle Arten der Hausgeräthe, Kleider, Zelte, Reitzeug, Schilde, Schuhe, Socken, Betten, die vermählten mit weissem, bis auf die Brust reichenden Schleier verhüllt, ihre ledernen aufge-
') Bei Rubruquis Griut.
^ ErstesBuch.
schlagenen Oberkleider hielt ein Gürtel um die Brust zu- sammen. Die Frauen, deren Zahl nur durch die Lust des Mannes oder durch seine Mittel, sie zu erhalten, beschränkt war, genossen grossen Ansehens und Einflusses, besonders die Mütter und die Stiefmütter, deren der Sohn nach des Vaters Tod gewöhnlich sich einige als Gemahlinnen aneignete. Sie glaubten, dass der Mann in jenem Leben seine Weiber wieder finde, aber damit der Herrscher bis zu ihrem Hin- scheiden im anderen Leben nicht langweile, sandten sie ihm seine Beischläferinnen, dieselben schlachtend, ins Grab nach.
Aberal lube ^^" dem Aberglauben ist bereits des das Donnerwetter
und betreffenden erwähnt worden ; wie sie glaubten , dass die
Gebräuche. Kaitien es beschwören könnten, so auch, dass es in ihrer Macht stände, mittels des Regensteines, Dschade (^welcher schon von Japhet her vererbt war) , Regen zu machen, und die Dschededschij d.i. die Regenmacher, vertraten bei dem mongolischen Heere die Stelle der Auguren des römischen. Zauberei wurde geübt, weil geglaubt, und war, wenn die Person des Herrschers mit ins Spiel kam, Majestätsverbrechen. Um sich, wider die Wehen der Zauberei zu bewahren, mussten die zu Reinigenden zwischen zwei Feuern durchgehen, die polnischen und russischen Gesandten und die des Papstes im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, wie schon fünf und sechs Jahrhunderte früher der byzantinische Gesandte Zemarchos am Hofe des Königs der Türken durchs Feuer gereinigt ward. ^) Ihre Wahrsager wahrsagten besonders aus den Schulterblättern der Schafe; sie schwuren bei dem Blute geschlachteter Thiere , bei der in den Strom ge- stampften Erde , bei den abgehauenen Bäumen , bei dem Fleisch und Blut ihrer Herrscher, aber nicht im Namen Gottes. Ehe die Lehrer des Budhismus und des Islams die Mongolen bekehrten , verehrten sie ein höchstes Wesen, von Marco Polo Natagai , von Ssetsen Hormusda genannt; das letzte ist gewiss der Hormusd der Magheu, das erste vielleicht nur die Verstümmelung des türkischen Wortes
») stritter p. 50. Step. Kniga. I. 342. Rubruquis.
E r s t e ä ß u c h. ^f
Ovggan, d. i. Gott. Sie beteten die Sonne und Sterne sammt den Elementen an, und v^eiliten diesen ihren Göttern, ehe sie assen, Speise und Trank. Bei dem Gebete wurden dje Gürtel gelöst und über die Schulter geworfen, wie Tschengischan gethan , als er in der Nacht hinaus ging auf den Berg, um den Beistand des Plimmels zu erflehen wider den Herrscher des himmlischen Reichs auf Erden. Einer der grössten Lobsprüche, welche. ihm die Geschichte zollen muss, ist seine Duldung gegen alle Religionen. Uighurische Kamen und chinesische Bonzen hielten vor ihm Controverse, die Budhapriester erhielten die Erlaubniss, ihre Burhanen- bildcr aufzustellen , aber die Kamen blieben in nicht min- derem Ansehen; neben ihnen wurden die Priester aller anderen Religionen, namentlich die ^ghaun, d. i. die Christlichen, der JNestorianer geduldet. Zu Bochara war « Tschengischan zwar in die Moschee geritten, stieg aber, als er hörte, das sei Gottes Haus, vom Pferde auf die Kanzel und ertheilte die Befugniss der allgemeinen Plünderung mit den Worten: Das Feld ist gemäht, gebt euren Pferden zu fressen, worauf die Korane unter die Hufe der Pferde ge- treten wurden und der Wein die ^ur der Moschee über- schwemmte, während die Imame oder Scheiche als Stall- knechte die Pferde warten mussten; aber hingegen hatte er in der Icleinen Bucharei , wo Kuschluk der jNaimane den Islam unterdrückt, die freie Ausübung desselben gestattet. Diese allgemeine Duldung blieb Herrscherprincip der Kaane und auch der persischen , und selbst noch zum Theile nach ~ ihrer Bekehrung zum Islam. Ausser dem grossen Schmiedefest am neuen Jalirestag wurde alljährlich auch das des Geburts- tages des Chan's, sowie die Thronbesteigung desselben mit Trinkgelagen gefeiert. Bei diesen Gelagen gab einer der Diener das Zeichen, indem er Hai schrie, zum Beginne der Musik; der Cythernspieler begann sein Spiel, die Männer tanzten vor dem Herrn , die Weiber vor der Frau des Hauses, Alle in die Hände klatschend. Nachdem der Hausherr ge- trunken, schrie der Diener wieder Ha .', der Cythernspieler verstummte, und nun tranken alle Gäste unter Gesang, der
48 ErstesBuch.
aber mehr ein Geheul.*) Bei diesen Trinkgelagen wurden die Preise der Tapferkeit [Ulisch'^J] vertheilt, und dieselben leben noch zum Tlieil in den kalmukischen üerrus fort. ') Bas Seitenspiel zu diesem //«rufe ist das Zetergeschrei vop Morio als Mordio, das sie während des Pferderennens oder Pfeilschiessens erhoben*), indem sie die Plände ausstreckten. Im Kriege vermieden sie so viel als möglich das Gefecht von Mann zu Mann und .suchten nur im Fliehen zu ver- wunden oder zu tödten ; den Belagerten sicherten sie Scho- nung des Lebens und Eigenthums zu , hielten aber fast niemals Wort; die Be^jatzungen metzelten sie alle nieder und schonten manchmal nur der Künstler und Handwerker, die sie in die Sklaverei mit sich schleppten. Bei der Todten- zählung nach Schl&chten oder Gefangnengemetzel wurde %nach jedem geschlachteten Zehntausend Ein Leichnam mit dem Kopfe zur Erde, mit den Füssen in die Höhe als Trophäe aufgerichtet. Bei den Begräbnissen ihrer Fürsten wurden ihre Sklavinnen oder Beischläferinnen geschlachtet, wie schon Terxanthes, der Fürst der Türken, gefangene Hunnen am Grabe seines Vaters geschlachtet. *) Bei dem Begräbnisse wurde geiivÖhnlich dem Todten ein Hengst, Stute oder Füllen mit ins Grab gegeben mit Sattel und Zeug , damit er im anderen Leben sogleich beritten sei, damit es ihm an Stutenmilch nicht fehle ; ein anderes Pferd wurde zum Todtenmal geschlachtet und dann ausgestopft über dem Grabe aufgestellt ; die Gräber der Vornehmen waren aus Stein , Häuser der Todten , nur Tschengischan hatte noch bei seinen Lebzeiten geboten, sein Grab geheim zu halten und ihn ohne Maai zu begraben unter einem grossen Baume im Walde von Burhan Kaldun.
Tschenais- Ungeachtet der klaren Anordnung Tschengischan's über
chan's die Nachfolge auf dem Throne blieb derselbe fast zwei
Nachfolger. Jahre lang ledig, wovon die Ursache wohl nur in der Umsicht
Ogotai's, welcher seine Brüder Dschaghatai und Tuli und
*) Rubiuquis. ^^ Memoir of ßaber. '} Bergman 1. 60. *) Wassaf. ') Stritt III. 60. dücheid eoruin lingua vocant : das persische Dachme.
Erstesliucli. ^tj
des Neffen Balu Pläne und Absichten kennen und prüfen wollte , eh"e er den etwa von ihnen selbst gewünschten Tliron bestieg. Diese Zögernng zeigt, dass es ihm auch mit der dreissigtägigen Weigerung auf dem zur Tlironbesteigung im Familienhorde Tschengischan's zu Keluran am Onon zu- samraenberufenen Kurultai der Prinzen einigermassen Ernst gewesen sein mag ; erst am vierzigsten Tage zogen ihn sein Bruder Dschagatai und sein Oheim Utdschigin (^der jüngste Bruder Tschengischan's^ auf den Thron, sein jüngster Bruder, Tuli, brachte ihm knieend den mit Stutenmilch gefüllten Becher dar, im selben Augenblicke warf die ganze "\'er- sammlung die Mützen in die Höhe und den Gürtel über den Rücken , worauf er sich vor der Sonne anbetend niederwarf und mit neunmaliger Kniebewegung dem neuen Kaan hul- digte. Die vorzüglichsten Prinzen , welche auf diesem Kurultai erschienen , waren nebst den zwei schon genannten Brüdern der Bruder Gulgan und der Oheim Belgetai, sieben NeflFen, Söline Dschiidschi's , von denen der zweite, Bntu, der Herrscher in Kipdschak; dann die Neffen Iltschidai, der Sohn Dschudschi Kasar's , und Karadschar Niijan, welchem Tschengischan die Berathung des Thronfolgers anempfohlen. Um dem Herrscher im Grabe zu huldigen, wurden ihm vierzig seiner liebsten Sklavinnen unter die Erde nachgesandt ; um seine Anordnung der Welteroberung nach allen vier Weltgegenden in Erfüllung zu sehen, ein dreifacher Heereszug beschlossen. Dschurmaghun der Dsclielaire wurde mit einem Heere nach Persien gesandt, um Dschelaleddin, den Schall von Chnaresm, welcher sich nach Tschengis- chan's Tod eines Theils des väterlichen Erbes bemächtigt hatte, zu vernichten. Batu und seine Brüder wurden zur Eroberung des Westens, das ist Russlands, Polens, Ungarns und der angränzenden Länder befehligt'); Ogotai selbst zog wider China aus , um die vom Vater begonnene Er- oberung des himmlischen Reichs zu vollenden. Unter ihm
') Batu, der Herrscher von Kipdschak, sein älterer Bruder Orda und die anderen Scherban, Berke , Berketschar , Tukatimur, Bina Timur.
Uammei-j Geschichte der Ilchane. I. 4
50 ErstcsBuch.
befehligten die Abtheilungen des Heeres Subtäaij, der eine der beiden Feldherren, welche vor sieben Jahren Persien bis nach Russland durchzogen, und Tatschar, der Sohn des hochbetrauten ersten Orlök Bugurdsckt, dessen Stelle als Wesir jetzt einer der weisesten und menschlichsten und folglich grössten Wesire versah, deren die Geschichte er- wähnt. Mahmud Jelwadsch war ein Perser und Moslim, welclien sich die chinesischen Quellen aneignen, indem sie den Namen Jelwadsch in Jelui verstümmeln , ihn selbst zu einem Chitanen , Bekenner der Lehre des Fo, machen.') Sieben Jahre lang dauerte der Krieg im Osten und Westen, glorreich in den nördlichen Provinzen China's, in Sche*m, Petseli und Iran^ in Russland, Polen und Ungarn, erobernd und verheerend geführt. Die mongolischen Heere drangen zu gleicher Zeit bis an die Ufer des Kara Miiran, d. i. der schwarzen Mur, oder des gelben Flusses in China und fast bis an die der w eissschäumenden Mur in Steiermark vor; China's Länder wurden bleibend erobert; mit dem Falle der Residenz Peajikmg^ deren von Subutai dem mon- golischen Heere versprochene Plünderung nur durch die Vorstellungen Jelui Tschuisai's (^Jelwadsch's) abgewendet worden, stürzte auch die Dynastie der goldenen Kaiser zu- sammen, deren letzter, von TscJiengischan zuerst besiegter, sich erhing. ^) Im Westen waren die Heere Batu's über Russland, Polen und Ungarn bis nach Mähren, Oesterreich und Dalmatien vorgedrungen ; sie erschienen belagernd vor den Mauern von Wienerneustadt und zogen vor denen Wien's vorbei; von denen von Olmütz, nachdem die Blüthe des mährischen und scliiesischen Adels in. der unglücklichen Schlacht von Lignitz geblutet, wehrte sie Jaroslav von Stern- berg ab, von dessen Hand Peta, d. i. Paidar, der Sohn Dschagatai's, fiel, wie sein Bruder Mowatukan vor den Mauern Bamian's gefallen, wesshalb Olmütz für die Mon- golen eine böse Stadt, wie sie Bamian und Koseslk nannten.
") D'Ohsson II. 1935 nach Reinusat. -) Moliakkah auest ki ^ chodra berawicht, ausgemacht ist es, dass er sich erliing. Re- schideddin.
Erstes B u c li. 5|
Auf dem Rückzuge von China starb Tuli , welcher während
des ganzen siebenjährigen Feldzugs dem Bruder eben so
treu und tapfer als Feldherr gedient, als vormals dem Vater,
nur vierzig Jahre alt, ein wahrer Spiegel (^was sein Name
Tuli heisst^ von Sohnespflicht und Brudertreue.
Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten Ogotai's
chinesischen Länder übertrug Ogotai dem weisen Wesire Bauten,
Jelwadsch , welcher schon im ersten Jahre des Feldzugs ^^ ^^
Jagden , zehn Steuerämler zur Einrichtung und Einhebung der Steuern preiaebia-
niedersetzte , deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsi- Av^/f j«?^ 17«-
denten hatte und deren Beamte chinesische Gelehrte. „Das mässhfkeit.
Reich", stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, „ist i-J'i230.
zu Pferd erobert worden , kann aber nicht zu Pferd regiert
werden"; sechs Jahre hernach wurden die ersten Tresor-
Rcheiue für die Summe von zehntausend kleinen Barren,
d. i. für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.') Er I- J1^36.
stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingaiig in Schendai,
die andere zu Peking in Petsclie-li, wohin die mongolischen
Emire ihre Söhne sandten, um in der Geschichte, Geographie,
Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu werden. ^} Durch
Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zlmraerleute,
Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Kara-
korum, welches auf der Ostseite des Berges ütekian, in der
Nähe des Flusses O'rghan, ehemals die Residenz der üighuren,
die neue Residenz des Herrschers gebaut und geschmückt,
welche Ordubaligh , d. i. Lagerbailei , genannt ward , als
Seitenstück zur chinesischen Residenz PeMng, welche später
unter Kubilai den Namen von Chanbaligh, d. i. Chansbailei,
erhielt. ^) In zwei besonderen Quartieren derselben wohnten
die Moslimen und Chinesen von den Mongolen getrennt; an
den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren
wurden die Märkte der Schafe und Ziegen , Ochsen und
Pferde gehalten*}; zwölf Götzentempel, zwei Moscheen,
') D'Ohsson II. 67: nach Mailla p. 115. 2) Mailla ebeud. ^) Die Hauptstädte üighuristan's sind : AlmaUgh und Pischbaligh erhielt den Ehrennamen der guten Stadt, Kotloghbaligh ; wie Ba- inian den der bösen, MobaligJi. '*) Rubruquis chap. 44.
4* f
g2 E r s t e s B u c h.
eine christliche Kirche zeigten, dass nebst dem herrschenden heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der anderen gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfliundert Wagen verproviantirt, deren einige sehr gross, Ton acht Ochsen gezogen'}; der Palast der Residenz hiess Ä'arsc/«'; Goldschmiede, unter denen ein französischer, von den Mon- golen auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad weg- geschleppter'), arbeiteten an den goldenen und vergoldeten künstlichen Thieren, welche als Fontainen an festliclienTagen statt Wassers Ä'?m2S, Wein, Meth ^) und Reisabsud spien 0- Den Frühling brachte der Kaan auf den Weiden zu, wo vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und wo er das Zelt Getoher Chagan, d. i. des Chakan's Edelstein, baute ^), den Sommer am Gebirge Ormektu^^^ wo das goldene Zeit (Sira Ordu) aufgeschlagen, dessen Nägel Gold, das von innen mit goldenen Tapeten behangen , tausend Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu Köschei Nawerj vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter jagte er grÖsstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von Telenkii ; nur einen Monat lang schenkte er seine Gegenwart der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er ein hohes Köschk erbaut, welches Terghubalighj d. i. Proviantbailei, hiess; hier ward vor dem Einzüge in die Stadt Einen Tag Rast gemacht, an welchem der ganze Hofstaat ehifarbig gekleidet erscheinen musste. Während des Aufenthalts in der Residenz (Karschi} wurden täglich Feste gegeben und die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an Freigebigkeit ein zweiter Hatim; die Zeit verging unter Bogenschiessen , Scheibenwerfen, Ringen, Jagen. Vor der Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei Tagreisen mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen, in welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte
') Rescliideddiu. ^) Guillaunie; bei Rubruquis 44. ') Bei Rn- bruquis.')3. CerasinesoW Tarasun ];\e\ssen. *) Rescliidedrlin. *) Dieser FrühJingssalon fehlt bei d'Ohsson II. 85., sowie Teryhubaligh. ") In der Nähe des hoheu Bergs IJrmuchtu giügen wir herab bis auf die Auen des Flusses Schara. Pallas Reisebeschreibung I. S. 79.
E r s t e s B u c li. 53
Jagdrevier des Heeres, immer näher zusammenrückend , das ganze Wild der Gegend hineintrieb. Die Prinzen und Emire erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart ; das erlegte wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan wurde die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch das Blutbad von hundertachtzigtanseud ihrer Bewohner ent- völkert und niedergebrannt wurde, wieder aufgebaut; fünfzig- tausend Gefangene wurden zu diesem Ende dahin befehligt. Die Statthalterschaft Chorasan's war dem L^iraten Arghiin anvertraut'), die von Persien dem Körges (^Blindaug), welcher mit Dschurmaghun nach Persien gekommen; über die Länder vom Gebirge Chankai bis an den Oxus war Mesud, der Sohn von Jelwadsch , als Statthalter bestellt. Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch nicht seine Unmässigkeit im Trinken, welche seinen früh- zeitigen Tod herbeiführte; sein Bruder Dschagatai hatle ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu mindern; er minderte die Zahl , nahm aber Becher von grösserem Um- fange. Ahika, die Schwester Sijurkidtejii's, die Gemalilin Tuli's, um deren Hand Tschengischan vergebens bei Owang- chan geworben und die heimlich an einen Tafeldecker ver- mählt an der chinesischen Gränze ihren Jurt liatte, kam alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines Mundschenken bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts, wo ihr Sohn den Wein kredenzt hatte, starb Ogotai. Man tLDtc.tSil. wollte Abika und ihren Sohn der Vergiftung beschuldigen, aber Iltschidai und die anderen Emire vertheidigten ihre Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse des Rausches vom Schlage getroffen worden.-)
Ogotai hatte vier grosse Frauen Gemahlinnen und sechzig Turakina's Beischläferinnen, aus den letzten nur zwei Söhne; die Mutter Re(ient- der fünf anderen war die zweite der vier Gemahlinnen, Tiirahiiia, aus dem Stamme Ohos Merkit, welche von Tschen- gischan ihrem Gemahle Tairosun , dem Fürsten der Merkit, geraubt und dem Sohne Ogotai zur Frau gegeben worden,
•) Mirchuand, fehlt bei d'Olisson S. 73. ^} Reschideddüi.
54 E r s t e s ß u c li.
wiewohl jenem früher die Prinzessin Kulan, die Tochter Tschengischan's, vermählt war; sie war nicht schön, aber den Mangel an Schönheit ersetzte Herrschsucht und List, wodurch sie nach Ogotai's Tod die Kaanschaft ihrem Sohne Gujuk verschaffte, wiewohl Ogotai dieselbe dem Schiramun, dem Sohne seines geliebten , vor ihm verstorbenen Sohnes Kutschu, bestimmt hatte. Nach dem mongolischen Familien- gesetze war sie nach des Gemahles Tod als Mutter die Regentin, welcher alle Stämme bis zur Thronbesteigung des neuen Herrschers gehorchen mussten. Durch die Künste ihrer Herrschsucht und List verlängerte sie die Regentschaft vier volle Jahre, während welcher sie Alleinherrscherin der 31ongolen. Sie begann ihre Herrschaft mit der Absetzung des Staatssecretärs Ogotai's , des Uighuren Tschtnkai ^^, welcher die Worte Ogotai's aufgezeichnet, und entzog ihr Vertrauen dem weisen Mahmud Jelwadsch, dem Chuaresmier, welcher schon von Tschengischan als Gesandter an Chuaresm- schah verwendet, seinen Beinamen vermuthlich dieser Ge- sandtschaft dankt, wiewohl Jelwadsch eigentlich nur einen Gottesgesandten, einen Propheten bedeutet.^) Turakina hatte ihr unbeschränktes Vertrauen in Finanzgegenständen dem Moslim Abderrahman geschenkt, welcher zu Ende der Regierung Ogotai's sich als Pächter der Staatseinkünfte China's mit Verdoppelung des bisherigen Pachts von Einer Million auf zwei angetragen. Jelwadsch stellte dagegen vor, dass man wohl fünf Millionen jährlich erpressen könne, aber das Land zu Grund richten würde; der Pacht ward dennoch bewilligt, und Abderrahman und die Moslimin Fatima, welche bei der Verheerung von Tus geraubt worden , leiteten die Rathschläge Turakina's. Bald nach dem Tode Ogotai's hatte dessen Oheim Vtdschigin^ der jüngste Bruder Tschengis- chan's, 3Iiene gemacht, sich der obersten Herrschaft be- mächtigen zu wollen, indem er mit Truppen der Residenz nahte. Turakina sandte ihm Wort; warum er mit so zahl-
') Bei Plan Caipi» cliap. 14. le Secretaire Ch'uujaij. ^) Peighamter es tarafi choda ; dscIiagataLscIies \> örterbucli^ gedruckt zu Calcutta.
E r s t e s B u c h. 55
reichem Gefolge seine Tochter zu besuchen käme ? und sandte ihm seinen Sohn, der am Hofe Ogotai's verweilte, zurück, ütdschigin antwortete, dass er blos gekommen, ihr sein Beileid über den Tod des Gemahls zu bezeigen, und kehrte zurück. Der ausgeschriebene Landtag hatte endlich am See Köke^^ statt, wo Ogotai den Herbst zuzu- bringen pflegte. Der lange Aufschub rührte vorzüglich von Batu her, welcher die liegentin nicht liebte, und ein üebel am Füsse vorschützte, um nicht auf dem Kuruitai zu er- scheinen; endlich versprach er zukommen, sandte aber seiner statt seine Söhne und Enkel; auch der Temgu ütdschigin erschien mit achtzig seiner Söhne; die Frau Sijurkukteni, die Wittwe Tuli's mit ihren Söhnen und die Dschagatai's'^); ausserdem die Statthalter des Reichs: der von Chorasan und Persien, Arghun; der von JJighuristaji und Turkistan, Mesud, der Sohn von Jelwadsch ; von den zinsbaren Fürsten Rukneddin, der Seldschuke Rum's , Jaroslaw, der russisclie Grossfi'irst, zwei Prinzen David, die sich um den Thron Georgiens stritten, der Bruder des Herrschers von Mossul, aus dem Hause Ejub, die beiden Gebieter von Kurdistau, Schemseddm und Schihabeddin, im Namen des Fürsten der Assassinen, die Herren von Rudbar und Alamut, Fachreddin der Richter der Richter, von Seite des Chalifen von Bagdad, derGesandte des Fürsten von Fars und Kerman, und im Namen des Papstes Innocenz des vierten die beiden Franziskaner: derPoleBenedict und der Franzose Plan Carpin , deren letztem wir das treue Gemälde des Kuruitai und tatarischer Sitte in seiner Reise- beschreibung verdanken. Zugleich waren vier Dominikaner Missionäre an Baidschu Niijan^^ ^ den mongolischen Be- fehlshaber in Persien, abgegangen, von denen aber nur
'") Bei d'Olissou II. p. 85 Keusche , p. 1Q5 geuca ; in der H.iiid- schrift der Geschichte Reschideddio's auf der kais. Hofbibliothek Kösche. *) Wassaf nennt von dem Uluse Dschagatai's : Kisil, Bitri, Paidar, Jesenbuka, und dem Uluse Batu's : Hirdii, Uersebai, Berke, Berkedscha. ') Bajoth noi, Bajoth est son nom propre, et ISoy est un nom de dignite. Plan Carpin chap. 10. soll heissen Baid&cJiit Nojan oderlNowin, was richtig der mongolische Fürstentitel.
56 ErstesBuch.
Simon von Saint Quentin über die Missionsreise kurzen, im
Geschichtsspiegel des Vincenz von Beauvais erhaltenen,
Bericht hinterlassen.
Gifjiik's Durch vier Tage wechselten die Prinzen und ihr Ge-
Thron- folge den Anzug, indem sie am ersten Tage in weissen
^ ^9 U- Kleidern, am zweiten in rothen , am dritten in violeten, am vierten in scharlachfarbenen erschienen ; zwei Eingänge fülirten zum grossen Wahlzelte, in welchem Kaum für zwei- tausend Personen ; einer der Eingänge unbewacht, nur für den Herrscher; der andere von Bogenschützen besetzt, welche die, denen der Eingang nicht gestattet war, ab- wehrten. Die Thronbesteigung sollte schon am Tage der Himmelfahrt Maria statthaben, ward aber ob eines fürchter- lichen Hagels und Schneegestöbers (^welches in der Hälfte Augusts für die Rauheit des Klima's im Gebirge von Kara- korum zeugt und den mongolischen Volksabergiauben der donnerbeschwörenden Uriankuten und der hagelmachenden
2^. August Schamanen erklärt) bis an den Bartholomäustag verschoben. iS46. Turakina hatte für ihren Plan, den Thron ihrem ältesten Sohne Gujuk zuzuwenden, die Stimme Sijurkukteni's und ihrer Söhne gewonnen , und der Minister Kaidah, Chinese, wie Tschi/ikai, leiteten die Wahl. Gujuk, von heftigem und wankelmüthigem Sinne '), verstand sich zur Annahme des ihm von der Mutter bestimmten Thrones nur unter der ßedingniss, dass die Fortdauer der Herrschaft in seinem Uluse beschworen werde. Der Vertrag ward mit der Formel unterzeichnet: „dass, so lange vom Stamme des Kaan's ein Stück Fleisch übrig, an der Herrschaft kein Anderer Theil nebmen solle".-) Dem Gujuk, wiewohl noch nicht zum Herrscher ausgerufen, wurden schon ausschliessliche Ehren erwiesen; wenn er aus seinem Zelte ging, traten ihm Sänger vor und die Hofdiener neigten vor ihm ihre Ceremonien- stäbe mit den rothen Quasten.^) Als man endlich mit dem Wahlvertrage im Reinen , hatte die Feierlichkeit der Thron-
') Be tak.illub u tehevvwur maaruf heissfc heftig und wankel- müthig, nicht grave et severe, wie bei d'Ohsson II. 234, *) Mir- chuaud uud Dschihuuguschai. ^) Mirchuaud.
ErstesBuch, 57
besteigung statt. Gujuk wurde auf einen goldenen Stuhl gesetzt, und die Prinzen und Nujanen erklärten, dass sie ihn zum Herrscher wollten. Gujuk fragte : ob sie bereit, seinein Worte zu gehorchen, zu gehen und zu kommen nach seinem Befehl und zu tödten auf seinen Wink? und als sie dies bejaht, sagte er: So wird dann künftig sein mein Wort als Schwert. Sie gaben ihre Zustimmung , setzten ihn Tom goldenen Stuhle auf eine Filzdecke auf die Erde und sagten: Schaue auf zu Gott im Himmel und nieder auf den Filz zur Erde; wenn du gut regierst, wenn du gerecht, frei- gebig, die Prinzen und Freiherren ehrst, wird dir die Erde unterthan sein nach deinem Willen; im Gegentheil wirst du arm, verachtet und elend sein und nicht einmal der Filz wird dein gehören, auf dem du sitzest'^. Dann setzten sie neben ihn seine Gemahlin Oghulkaimisch die Merkitin, hoben sie beide auf dem Filze empor und riefen ihn als Chakan und Moilchan und sie als grosse Frau der Mongolen aus. Die Mützen flogen in die I^uft, die Gürtel wurden über die Schulter geworfen, die ganze Versammlung beugte neunmal das Knie, drei Becher von Stutenmilch, Wein und Meth wurden ihm dargebracht, und als er aus dem Zelte ging, fiel das versammelte Volk und Heer dreimal vor ihm nieder '^J; sieben Tage dauerte das Fest , während welches vom Zelte des Chakan's Fleisch und Salz und Stutenmilch ausgetheilt ward^). Die Frauen hatten ihre Sitze links des Thrones, auf der rechten Seite standen nur die Prinzen'); die Nu- janen hatten ihre Sitze inmitten des goldenen Thronzeites; die der Frauen waren von weissem Filz; die Diplome wurden erneuert, die Jurte und Privilegien bestätigt, die Statthalter- schaften vertheilt. Die Feldherren Subutai Behadir und Dschaghan wurden nach China, JltscMkidai mit einem schweren Heere nach Westen zur Schlichtung der Ange- legenheiten Rum's und Georgien's abgeordnet, dem Arghun wurde die Reichshut wider die Schlösser der Assassinen in
') PJan Carpiu clwip. 9. ^) Mirchuand. ') Plan Carpiu cli. 0. ■*) Au cöte droit personne n'etoit assis; ebeud.
58
Erstes Buch.
Mengku's
Thron- besteigung.
Cliorasan und Kuhistan aufgetragen, die Gesandten von Alamut und die des Chalifen wurden mit drohenden Briefen entlassen, indem über den Fürsten der Assassinen Arghiin, der Statthalter von Chorasan , über den Chalifen sich Schi- ramim, der Sohn Dschurraaghun's, des vormaligen Feldherrn in Persien , beklagt hatten. Die Finanzverwaltung von China war in den Händen Äbderrahraan's; Mesud, der Sohn von Jelwadsch, behielt die Verwaltung Turkistan's; die Wesir- schaft war zwischen den beiden Chinesen Tschinkai und Kaidah getheilt, unter denen die nestorianischen Priester hoch das Haupt empor trugen und auf deren Einfluss die Missionäre des Papstes die HoflFnnng der Bekehrung des Chan's zum Christenthume bauten. Turakina starb schon zwei Monate nach ihres Sohnes Thronbesteigung ^ und ihre Günstlingin Fatima ward unter der Anklage, dass sie dem Prinzen Kulan, dem Bruder des Chan's, eine Kratikheit an- gezaubert, als Zauberin ertränkt. Im Frühjahre des zweiten Jahres seiner Regierung ging Gujuk von Karakorum gegen Imil, sein Staramgebiet; die Wittwe Tuli's sandte hievon Batu, dem Herrscher von Kipdschak, Kunde, um ihn zd warnen, dass der Marsch wider ihn gerichtet sein könnte; auf demselben starb Gujuk im drei und vierzigsten Jahre als ein Opfer seiner Ausschweifungen in Trunk und Weibern. Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan herrührenden Staatsraaxime geheim gehalten, bis der Aelteste der Familie (dies war Batu, •der Herrscher von Kipdschak^ davon verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom Marsche Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach Kialik gekommen, als er die Kunde des Todes erhielt. Die Regentin, die Frau Oghulkaimisch , sandte an ihn Botschaft im Namen ihrer Söhne, von denen der älteste, Chodscha Aghul, den Thron vermöge der Jasa und des noch bei der Thronbesteigung seines Vaters unterzeichneten Familien- vertrags in Anspruch nahm; aber auch die Frau Sijurkukteni, Wittwe Tuli's, die Mutter vier seiner neun Söhne, nämlich: Mufigkas , Kubilai's , Hulagtis und Arik Buka's, sandte Botschaft, um seine Stimme für den ältesten derselben zu
E r s t e s B u c h. 59
gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte Owangchan's, eine Frau von ausserordentlichem Geiste und Verstände, un- streitig die grösste aller Frauen , von denen die mongo- lische Geschichte ein Paar Hundert, in die der Herrscher verflochten, erwähnt. Flochangesehen durch ihre Geburt als die Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem Bruder Hakembo , war sie es noch mehr durch die Ver- schwägerung mittels ihrer drei Schwestern, von denen Begtutmisch eine der vier grossen Frauen Dschudschi's und also die Stiefmutter Batu's, und vermöge der mongolischen Sitte, nach welcher die Söhne nach des Vaters Tod die Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen , eine der Frauen Batu's oder doch wenigstens von grossem Einflüsse in seinem Frauen- gemach; ausserr diesen Vortheilen ihrer Geburt und Ver- schwägerung geiioss sie des höchsten Ansehens als die grosse Frau Tuli's, des Flerdhüters des Hauses Tschengischan's, als die Mutter seiner vier obgenannten Söhne und als eine Frau von grosser Staatsklugheit. Durch diese hatte sie immer den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen günstig zu er- halten gewHSst; als Batu den kranken Fuss vorgeschützt, um sich der Gegenwart beim Kurultai der Thronbesteigung Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an ihn gesandt, um sich nach seiner Gesundheit zu erkundigen; als Gujuk gegen die Gränze marschirte, hatte sie ihm die früheste Kunde und Warnung gegeben, und fand ihn also ihren Wünschen geneigt; ausserdem hatte sie als grosse Menschen- kennerin die durch Talente oder Heldenmuth ausgezeich- netsten Männer der verschiedenen Stämme als Erzieher oder Umgebungen ihrer Söhne an sich zu ziehen gewusst und sich mit dem Bollwerke ihres Kopfs und Arms umgeben. ') Die zahlreichsten Prinzen auf diesem Kurultai waren die der Uluse Dschudschi und Tuli. Iltschilidai der Dschelaire, der Befehlshaber in Persien , brachte den versammelten Prinzen den bei der Thronbesteigung Gujuk's unterschriebenen Fa- milienvertrag in Erinnerung : dass , so lang ein Stück Fleisch
'j Reschideddin. Mirchuand.
60 E r s t e s B u c h.
von seinem Hause übrig wäre , sie aus keinem anderen den Herrscher wählen würden. Ihr habt, entgegnete Kubilai, zuerst die Jasa Tschengischan's gehrochen, indem ihr seine Tochter Atalun (^die Gemahlin Dschawer Satschan's des Olkoniten^ getödtet, indem ihr die durch Ogotai's letzten Willen seinem Enkel Schiramim bestimmte Thronfolge dem Gnjuk zugewendet. Diese Einwendung unterstützte das An- sehen Batu's und der Oberrichter '^ Mingkasar Nujan, welcher den Heldenmuth Mengku's, des ältesten Sohnes Tuli's, und die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch unter dem Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen west- lichen Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste anpries. Die Prinzen trugen den Thron Balu als dem Aeltesten des Hauses an; da dieser denselben aber aus- schlug, übertrugen sie ihm die Ernennung des Herrschers, und Batu ernannte dazu Mengku, den ältesten Sohn Tuli's. Mengku entschuldigte sich, aber sein Bruder Muhe be- merkte, dass, da Alle versprochen, sich dem Ausspruche Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für Mengku Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher ge- huldigt und Batu selbst brachte ihm den Becher dar; zugleich ward ausgemacht, dass, da die Versammlung nicht voll- ständig, nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran auf vollzähligem Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden, unterdessen die Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen solle. Die Söhne Gujuk's ziehen ihren Stellvertreter, der hiezu beigestimmt, überschrittener Vollmacht, die Prinzen des üluses Dschagatai und Ogotai weigerten sich , auf dem Kurultai zu erscheinen ; da sandte Batu seine beiden Brüder, Berke und Tokatimur, mit zahlreichem Heere, um den Mengku trotz ihrer Abwesenheit als Kaan auszurufen. Drei i. Juli 12Ö1. Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku unter den gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan ausge- rufen. Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge dessen befohlen ward, nicht nur der Menschen, sondern
') Bei d'OIissou H. 24'J. irrig le general iMaugoussar.
E r s t e s B u c h. 61
auch der Lastthiere zu schonen, verboten, die Thiere, deren Fleisch gegessen , anders als nach mongoiisdiier Sitte zu erwürgen, die Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage dauerte das Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von anderen Farben angezogen , täglich das Fleisch Ton hundert Pferden und Ochsen, fünftausend Schafen verzehrt, die Ladung von zweitausend Wägen Weins und Kumis ausge- trunken ward.
Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache'), Hinrich- welcher sein Maulthier verloren, dasselbe zu suchen ausge- tunken der gangen, in grösster Eile (er hatte in Einem Tage den P^'^'^'^J" > Marsch von dreien durchmessen) mit der Kunde, dass die ^,g^g,j Osten Prinzen des üluses Ogotai, Schiramun, Baghu und Kuiuktu und Westen. mit versteckten Waffen, die sie in bedeckten Wägen mit sich führten, im Anzüge. Mingkasar ging ihnen mit Truppen entgegen, überfiel sie und führte sie ins Lager mit sich; hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre Geschenke, neun verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke, dar; aber am dritten Tage wurden sie beim Eintritt in's Zelt verhaftet und von Mengku selbst verhört. Der Hofmeister Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar; dieser sprach über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe aus. Siebzig Prinzen und Nujanen wurden hingerichtet, . unter den letzten zwei Söhne Iltschikidai's, des Feldherrn in Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu ge- führt, von diesem hingerichtet ward. Die Todesart der Nujanen war, dass man ihnen den Mund mit Steinen füllte und sie so erstickte; die der Prinzen, dass man sie in seidene Tapeten einwickelte und darin zu Tode rollte*). *
Katakasch, die Mutter Schiramun's, die Nichte Altschi Nujan's, sandte Bitte an Sijurkukteni, die Schuld ihres Sohnes be- kennend und für denselben um Verzeihung flehend ; auf die Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den Aghlanen, d. i. den Prinzen Schiramun, Ghodscha Aghul, Baghu aus dem
') Wassaf. ^) Derselbe.
02 E r s t e s B u c h.
Uluse Ogotai, Jcsenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das Leben, indcAi er sie nach China sandte, dem Chodscha Aghui aber, welchem die Thronfolge gebührt hätte, einen Jurt an der Selenga anwies'); auch den beiden grossen Söhnen Ogotai's, Timur und Melik, und denen Kutan's wurde das Leben geschenkt, aber in der Folge, als Mengku selbst nach China zog, wurde der Prinz Schiramun ertränkt. Seine Mutter Katakasch und Oghulkaimisch, die Wittwe Gujuk's, wurden das Jahr hierauf vor das Gericht Mingkasar's ge- stellt, beide als überwiesen, dass sie die Söhne zur Wider- spenstigkeit bei demKurultai der Thronbesteigung aufgehetzt» zum Tode verurtheilt und in Filz eingewickelt ersäuft. Kaidak und Tschinkai, die beiden Rätlie der Oghulkaimisch, wurden hingerichtet. Buri , der Enkel Dschagatai's , wurde an Batu ausgeliefert, der ihn um einige Schimpfreden , die er wider ihn ausgestossen, tödten Hess. So waren ausser siebzig Nujanen die Kaiserin Oghulkaimisch und die Mutter Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge bestimmt worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses Tuli's gefallen. Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren, welchem Turakina die Herrschaft über das Land verliehen, wurde, von einem Moslim eines Mordplans wider alle Moslimen in seinem Lande angeklagt , vor das Gericht des unerbittlichen Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, be- kannte er sich schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt und nach Pischbaligh gesandt, um dieselbe zu erleiden; an einem Freitage, als die Moslimen in die Moschee gingen, wurde er zu ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des Scharfrichters vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku die Herrschaft des Landes der Uighuren verlieh. Berke Aghul und Buka Timur, die beiden Söhne Batu's, wurden mit £hren nach Kipdschak, so auch Eara Hulagu, der Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's Mauern ge- fallenem Sohne Muwatukan, mit der Oberherrschaft seines Uluses entlassen; Mohammed Jelwadsch, welcher, als Mengku
*) Dscbihanguscha u. Mirchuaud und nach demselben d'OIissou II. 272.
E r s t e s B u c li. 63
einen Augenblick über die Strafe der schuldigen Prinzen unscliiüssig, denselben nach der aus der römischen Geschichte bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort auf des Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abge- hauenen höheren Pflanzen , zur Todesstrafe bestimmt hatte, ward wieder die Finanzverwaltung von China, und seinem Sohne Mesud die Statthalterschaft über die Länder zwischen dem Oxus und Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statt- halterschaft über ganz Persien , von Chorasan bis nach Armenien und an die frische Gränze bestätiget. Mingkasar war der Oberrichter, der Christ Bulghai stand an der Spitze der Staatskanzlei, in welcher Sekretäre für die Ausferti- gungen in sieben Sprachen: Perser, üighuren, Araber, Chinesen, Tibeter, Mandschu und Tanguten angestellt waren. Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des Bruders Tschen- gischan's, erhielt die Befehlshaberschaft der Residenz Kara- korum ; Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche der von Ogotai eingesetzten Posten Jam^^ zu steuern, indem die Kuriere und Gesandten den Bauern die Pferde weg- nahmen; die Abgabe Kuntschur von den Herden wurde auf Eines vom Hundert bestimmt; die Herde, die nicht Hundert zählte, war davon frei. In Persien wurde nach dem Fusse der von Jelwadsch in Transoxana eingeführten Besteuerung der Kopfsteuer, je nach dem Vermögen von Einem bis zehn^), in China von Einem bis fünfzehn Dukaten fest- gesetzt. Forderungen von Kaufleuten , weiche für die unter Gujuk gelieferten Waaren keine Bezahlung erhalten hatten, wurden mit fünfzigtausend Silberbaiischen befriedigt^ ); hin- gegen zog er alle Ländereien ein , deren sich nach dem Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimischund ihre SöhneCho- dsclia und Baghu bemächtigt hatten, welche siebzehntausend Baiische Gold eintrugen*). Der Bruder Kubilai wurde mit einem Heere nach China befehligt, und bei dem Aufbruche desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen aller Art
•) Bei Rubruquis chap. 29. Jani statt Jam. ^-j Wassaf; bei d'Ohsson 11. 263. a sept. 3) D'Ohssou II. 267. hat aber Nichts vom Folgenden. *) Wassaf.
64
Erstes Buch.
Dynastien
im Osten
Asiens.
begleitet; auf diesem erschienen der Richter Schemseddin von Kaswin , welcher wider die ihn aufsuchenden Dolche der Assassinen zum Throne des Kaans flüchtete, und Abge- ordnete Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in Irak, welcher sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da beschloss Mengku den Krieg wider die Assassinen und den Chalifen und übertrug die Führung desselben seinem Bruder Hulagu. Da einige Geschichtschreiber den Anfang der Herrschaft der Mongolen In Persien von diesem Jahre an rechnen, wiewohl Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer einzog , so wird auch das folgende Buch am bessten mit dem Feldzuge, dessen angekündigter Zweck die Zerstörung der Herrschaft der Assassinen und des Chalifats, beginnen, aber zuvor thut noch zur Orientirung des Lesers vonnöthen ein Ueberblick der damals, das ist in der Hälfte des drei- zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung , in Asien dem Reiche der Mongolen gleichzeitigen asiatischen Dynastien.
China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen südliche unter Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Grün- dung der Dynastie Juan, d. i. der Mongolen, erobert worden, liegt hier eben so , wie das indische Reich von Dehli, dessen grosse Stadt Lahur noch unter Gujuk's Regierung von den Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden war ') , ausser dem Bereiche dieses üeberblicks, welcher blos die unmittelbar mit der mongolischen Dynastie in Persien bei der Eroberung desselben oder später verflochtenen asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir wenden den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien selbst und seine Gränzländer in Osten, Westen, Süden, Norden, sammt dem äussersten des westlichen Asiens, bis wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane erstreckte, in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem indischen Gränz- reiche, nach Chorasan,, d. i. dem Ostlande, dem persischen Oesterreich und dem daran stossenden Ktihistan; im Süden
') Firischte und nach demselben d'Ohsson 11. 28).
E r s t e s B H c h. (J5
gegen Kerman und Jesd , dann nach Persien im eng^sten Sinne, nach Fars , dem persischen Irak und den beiden dazu gehörigen Lurtslan; im Westen nach dem arabischen Iraky dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der Seldschu- ken in Rum; im Norden nach Güan, Georgien und Arme- nien; endlich nach dem entfernten Syrien und Aegypten und dem byzantinischen Reiche:
I. Von der indischen Gränze , von deren Deckung gleich beim ersten Feldzuge Hulagu's die Rede sein wird, herrschte die in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts ge- gründete Dynastie der Chuldschen , d. i. die fünfte der Ghiir, nachdem die drei früheren dieses Namens zu Ghasna, Bamimi und Kabul erloschen , während die vierte , nämlich die der Vlugschahe , mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die Benennung der zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher Ferischte, der grosse Geschichtschreiber der raoslimischen Reiche in Indien, die Chuldschen aufführt, könnte gelten, wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam Tschengis- chan's , Namens Choldsch , abstammen ; aber keiner der Eidame Tschengischan's trägt diesen Namen und keine der- selben waren Choldsche oder Challadsche (^das indische Choldsch ist blos eine Verstümmelung des Namens der Challadsch oder Kaladsch), welche, wiewohl Türken von Abkunft , von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen bei- gesellt werden. In der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts herrschte aus dieser Dynastie Dschelaleddin Firus , welcher sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen vier glänzende Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli , in einem besonderen : die Eroberung der Eroberungen V betitel- ten Werke beschrieben, und dessen Sohne Alaeddin ein anderes seiner Werke ^ nämlich die Vereinigung der beiden glücklichen Gestirne V ^ gewidmet. Chosrew von Dehli war der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhun-
*) Fetliol-fatuh. ^) Kiran Saadein : dieser Titel ist das Muster des Matlaai Saadein , d. i. der Aufgang zweier Glückssterue vou Abderresak.
Hammer, Geschiclite der Ilcliane. I. 5
66
Erstes Buch,
Dynastien im Süden Persiens.
dert später Wassaf , der Lobredner der beiden Herrscher der llchane , Chodabende und Ebu Said. II. In Chorasan war erst vor einigen Jahren zu Herat die Dynastie der Kert durch Scheniseddin Mohammed gegründet worden, welchem Tschen- gischan bei der Eroberung Herats den Besitz desselben ein- geräumt , 3Iengku , welchem er mit reichen Geschenken seine Huldigung darbrachte, die Herrschaft von Herat und Ghar- dschistan bestätigte. In dem unmittelbar an Herat anstossen- den und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande , sandten: III. die Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchel- mord wider alle ihre Feinde aus. Der siebente Grossmeister dieser Meuchelmörder, Alaeddiri Mohammed Gurschah, sass seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem Stuhle, auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwand- ten , welche den Täter vergiftet , gesetzt und dem er , vom eigenen Sohne gemordet, entsank.
IV. Kerman, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem Untergange der Herrschaft der Bujiden in die Macht der Seldschuken, von deren fünfgetheilten Herrscher- geschlechte ein Zweig den Namen von Kerman führt,, und blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin Chuaresmschahs , zu dessen Zeit der Kämmerer Borrak , zum Islam bekehrt, vom Chalifen mit der Herr- schaft dieses Landes belehnet luid mit dem Ehrentitel Kotlogh Sultan, d.i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward. Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in viel- fältige luid langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in der welteröffnenden Geschichte Dschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultans Rukneddin erhielt trotz der Empö- rung Kutbeddin's, des Neffen Borrak's, vom ersten Nachfol- ger Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman , Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, indem er seine Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid vermählte ; zwei Söhne aus dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des Throns von Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt, durch
658
K r s t e s B u 0 li. 07
den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Meng^kutaan das
Diplom der Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte
6' 50 mit der Botschaft der Belehnung einen Gesandten an Buk- .^.^
neddin, der, als er beim Atabegen von Fars MosafFereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch beim Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Neben- buhler um den Thron Kutbeddin mit ihm zugleich einge- troffen. Diesem bestätigte Mengku, und später auch Hulagu die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre später erfolgten Tode behielt. Fast noch weniger als die Geschichte der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der Atabegen von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäi- schen Geschichtschreibern bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten ihren Ursprung vom Dilemiten Ebu Dschaafer Moham- med Kakuje ab , dessen Namen die Araber in Kakeweih , so wie den der Buje in Boweih, und den der Fasluje in Fasleweih verstümmeln ; er war der Oheim Stde Chalun's, der Mutter Medschdeddewlets des Bujiden und Statthalters von Issfahan ; sein Sohn Ebit Manssur Firamurs hatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft ioöä von Jesd erhalten ; ihm war in derselben sein Sohn Emir Ali Ben Firamurs gefolgt , welcher im Kriege >vider die Karachitanen fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher der persischen Seldschuken , verlieh die Herrschaft von Jesd dem Sam Ben Wirdan , einem Abkömmlinge aus einer Tochter Emir Alis, als Stellvertreter desselben. Sam Ben Wirdan um- fing das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und verherr- lichte Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die Herrschaft seinem Bruder Iseddin Beschker , welcher, ein tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der Statthalterschaft von Schiras und Issfahan betraut wor-
öS(i 1142
61ö im
r)90
1W4 604
den, zu Anfang des Jahrhunderts starb; ihm folgte sein Bruder Wirdansor durch zwölf Jahre, und dann dessen Bruder Ebu Manssur ;, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, gest nach ihm dessen Sohn Mahmud durch dreizehn Jahre, und
nach diesem dessen Sohn Saighurschah , der Erbauer d^r nach
5*
1S19 621
U31
in Fars.
(»8 E r s t e s B u c ii.
iliin genannten Stadt Salgktirabod , und dann dessen Sohn Toghofischah , der neunte der Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Ilulagu's'^, welcher das Dasein dieser Herr- scherfamilie duldete , bis nach zwei späteren Herrschern (Alaeddewlet und dessen Bruder Jiisufschah) , zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts , Jesd von Ghasan erobert und dessen Ertrag den Einkünften des Diwans einverleibt ward. Bie In Persien herrschten ausser den xltabegen von Jesd
Dynastien noch die von Schiras , insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren , und zu Darabscherd , einer Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare -) aus der Familie Fashije. \ I. Die Vorfahren Fasl Ben Emir Fasliije's waren urspriing- lich die Ispehbede , d. i. die Heerführer von Fars ; schon zur Zeit Omars, als Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare, welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des Friedens aufrichteten , während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und sein Nach- kömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der oben- genannte Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein Fasluje Ben Hasuje genannt, Isfehsalar d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung :Adhadeddewlet's des grossen Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, Tasch Ferrasch Schebankjare , das Land mit einem Heere , und zu dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der Nähe der Stadt Darabscherd , an ; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von Ker- man , verheerte Fars , Fasluje flüchtete zu Alparslan , und pachtete von ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwan-
430 1038
') Dsclühanuuina S. 281. ') Von diesen ist in Dej^uignes keine Kunde ; AVassaf behandelt aber im 13. Kap. des IV. Buchs unmittelbar vor der Eroberung Kerman's ihre Geschichte , welche auch im Muuedschimbaschi und im Dschihannuma S. 279 wiederholt ist.
E r s t e s B u c li. QQ
zig Millionen Dirliem; da er sich wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisaraeddin, der grosse Grosswesir Melekschah's , mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli der Chua7isalaf , d.i. Obersttruclisess, schhig sich mit dem Erbauer der Residenz zu Darabscherd , dessen langer Namen Nisaineddin Mahmud Ben Jahja Ben Hasuje. Dsclianli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm folgte sein Sohn Mobariseddin , dann dessen Sohn Nisa- meddhi II. , dann der Bruder Mosaffer Mohammed^ w elcher, ein weiser und gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren, deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlich- keit behandelt , w eil Fars das Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen Dynastien erzählen, weil die Regienmg der fünf ersten Fürsten , w eiche alle den Vornamen Mosaffereddin , d. i. die mit dem Siege der Religion Betheilten, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie , und weil der Namen des letzten Ebubekr Ben Saad's schon durch Saadi's Gülistan allein unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten Salghuren Sonkar Ben Meivditd in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret , des zwölften der christlichen Zeitrechnung , Fars durch sieben Atabege , Statt- halter der Seldschuken , verwaltet worden. Der erste Fasluje Schebankjare , dessen schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen , und von dem die Dichter, auf dessen Namen Fasl , d. i. Trefflichkeit, Verdienst, Wohl- that und Huld anspielend, gesagt:
Vor Gott , dem Allverehrten , war er Huld und Glück, Deu Uebermuth des Aufruhrs hielt Faslui Eurück.
fiS4 1337
1U8
70 E r ä t e s B u c 1i.
Der zweite Rohneddewlet , d.i. die Reichssäule Chtmar Tegin, ertrank ; der dritte Dschelaleddin Dschanli verkeerte das Gebiet der Dynastie Schebankjare ; der vierte Karadschu baute eine Medrese zu Schiras und ward zu Hamadan er- schlagen; der fünfte Mengubers baute eine Medrese, au der er begraben liegt , dessgleichen seine Gemahlin Sahide die Medrese Issmeti zu Schiras; der sechste Bosabe ward, wie- wohl ein gerechter und billiger Herr , gewaltsam getödtet, und der siebente Melehschah hielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchem Sonkar Ben Mewdud, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf. Die i>Jit der Familie Fasluje's , welche zu Schebankjare
>linas lei \n.i'Ysc}\te , sind die sogenannten grossen Fasluje nicht zu von Gross- e b /
und Klein- vermengen, welche in Gross -Luristan unter dem Namen der
Luristan. grossen Atabege , so wie die Familie Chorschid in Klein- Luristan unter dem Namen der kleineu Atabege herrschten. Die beiden Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, Lor oder L?ir , welche dort Statthalter im dritten Jahrhun-^ derte der Hidschret , später über die Stämme herrschten, welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret am Berge Säumal im nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Per- siens eingewandert , sich unter Anführung Chorschid's fn Klein -Luristan niederliessen ; von ihrer westlichen Abstam- mung heissen sie die Könige des Westens *). Vill. In Gross- Luristan dienten die Anfülirer dieser ausgewanderten Stämme AU und dessen Sohn Mohammed den Atabegen Salghuren, und .yJba Tahi'r , der Sohn Mohammed's , stand dem Atabegen Sojikar Mider die Schebankjare bei. Sonkar, der Salghure, sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten ; Abu Tahir begehrte erst den Pfeil , dann das Pferd des Atabegen, und als ihn dieser noch mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden der Atabege zu reini- gen; er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum unabhän- gigen Fürsten und Atabegen. Bei dieser Gelegenheit siedel-
550 ~Il55
'J Melikol-yhiirb.
KistesBuch. 71
teil sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an , und vertrieben die Scholeti oder Schulen, welche die Urein- wohner des Landes. Abu Tahir hatte fünf Söhne, deren ältester Hesarsif in beständigem Kriege mit Tikle dem Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Ge- biet der Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen von Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher denselben Namen trug wie der Atabege Salghure von Fars , weil er von mütterlicher Seite ein Enkel desselben , ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir ; der Salghure Saad sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug , und auch wider Hosameddin Chalil , den Neffen Schudschaaeddin's von Klein-Luristan, siegreich Krieg führte; endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des Chalifen, welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den einen , nahm den anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus. Tikle war der Beherrscher Gross- Luristan's, als Hulagu wider Bagdad zog. Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin Mesud , welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. IX. Die Dynastie der kleinen Atabege in Klein - Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als die der Atabege von Gross -Luristan. Schudschaaeddin Chorschid, d. i. der Tapfere der Religion , die Sonne, eroberte das Land, nahm, der erste, den Titel Atabeg an, und starb nach vierzig- jähriger Regierung über hundert Jahre alt; ihm folgte sein Neffe Rüstern j ein gerechter aber strenger Fürst, den sein Bruder Scherefeddin Ebubekr ermordete; dieser wurde von seinem Weibe vergiftet; sein Bruder Iseddin Kerschasif nahm den Thron ein und die Frau Melike , seines Bruders Gemahlin, die Tochter Schihabeddin Suleimanschah's , zur Frau; in langwierigen Krieg mit Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit dem- selben Frieden , ward aber von ihm erschlagen. Die Wittwe Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (Schudschaaeddin Chorschid , Ssafeddin Rüstern und Nur eddin Mohammed) zu ihrem Bruder Suleimattschah y der mit Hosameddin den Krieg
580 liöT
Erstes Buch.
so erbittert führte, dass sie sich in Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht , in welcher Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chali- fen unterstützt ward, während das Heer Hosanieddin's nur aus dreitausend Reitern und neuntausend Fussgängern bestand; dennoch wurde Suleiraan Anfangs in die Flucht geschlagen, trug aber den Sieg davon , und improvisirte , als man ihm den Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, in denen eben so viele Wortspiele:
Clialil der Arme war sich selber nicht bewusst, Er hatte eingepflanzt der Seele Frühliji^slust'); Ein Diw , begehrte er das Reich von Suleiman, Zuletzt im Diwan Salomoni's abgethan.
Die Herrschaft kam an den obengenannten Bedreddin Mesud, den Bruder Iseddin Kerschasifs. Dynastien jm arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen
i, arab. Irak, in Syrien.
Arabien,
zu Bagdad, in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch Äeqypten *^^^^ Dynastien, deren Fürsten den Titel von Atabegen, das und ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter diesem Namen berühmt, waren die von Damashis , Haleb , Aserbeidschan und Irbü bereits erloschen, und es bestanden nur noch die schon erwähnten persischen der Atabege von Jesd, Darabscherd , Schiras, Gross- und Klein - Ltiristan j, und die nun zu erwähnenden von Mossul, Dschesire und Sindschar. XI. Zu Mossul hatten seit einem Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren Thron vom Chalifen Bagdad's dem Bedreddin Lulu, Obersthofraeister der beiden letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron rühmlich vierzig Jahre lang und ward von Hulagu , dem er nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kam , gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie der Atabege von Sindschar , deren Herrschaft vor einem
•) Gesellte war, gischte pflanzte, küsclite erschlagen, diwan Plural von Diu- und Diwau die Ratlis Versammlung.
E r s t e s B u c h. 73
Jahrhunderte ') begonnen , hatte nur durch ein halbes Jahr- hundert geherrscht , und ihre Herrschaft war nach Bedreddin Lulu's , des Atabegen von Mossul , Tode dem Sohne desselben, MosafFer von Beibars, dem Sultane Aegyptens , zugesprochen worden ; eben so war die Linie der Atabegen Mossul's, welche seit acht und vierzig Jahren *) XIII. zu Dschesire geherrscht, erloschen, und an ihre Stelle Modschahid , ein anderer Sohn Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, getreten, so dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne f der dritte folgte ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu Mardin herrschte ein Zweig der Beni Ortok , deren Haupt- linie von Diarbekr seit zwanzig Jahren^) erloschen war; aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin schon seit hundert sechs und achtzig Jahren *) Fürsten , deren Dynastie erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christ- lichen Zeitrechnung erlosch. ') I/ghasi j der Gründer dieser Dynastie, Sultan Melekschah's des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's bemächtigt; ihm war sein Sohn Hosameddin Timurtasch und sein Sohn Nedschmed- dtn, diesen die beiden Söhne Hosameddin II. und Nassireddin und diesem der Sohn Melik Said gefolgt , welcher der sechste Herrscher dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend , der Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch vor dreissig Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit Hulagu's war diese Stadt im Besitze Kjamil's des Ejubiden. XV. Mia- farakain's Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigi- gen mächtigen Herrscherstammes der Beni Ejub (^die neun anderen , die von Kairo , Damashis , Haleh , Hama , Himss, Kerek , Baalbek , Hossnkeif und Jemen)', von diesen zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte des drei- zehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von Miafarakain und Hossnkeif j und in Syrien die vier von
•) i. J. 566 (1170). ') seit 576 (1180). 3) seit 629 (1231). *) seit 464 (1071). *) i, J. 814 (l4ll).
74 BrstesBuch.
Haleb, Hanta , Himss und Kerek. Kjamil war der fünfte Herrscher der Beni Ejub zu Miafarakain ; seine Vorfahren Melikol-aadil, der Bruder Ssalaheddin's , dann Melik el-eschref, Melik el-ewhad, Melik el-mosaffer , die drei Söhne Melik el-aadil's ; der Sohn des letzten war Melik Kjamil , der GrossnefFe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu widerstehen , mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte. XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren begonnen '), indem Melik Ssalih Nedschraeddin von seinem Vater Kjamil die Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, um Aegyptens und Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich dahin begeben , blieb sein Sohn Melik Moaasem Turanschah im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser dem Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die Herrschaft von Amid und Hossnkeif seinem Sohne Melik Mowahid, der wie sein Vetter von Miafarakain ein Opfer seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen fiel. Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. Zu Hanta Melik Manssur II. , der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten flüchtete. Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn Sphehin- schah, von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama installirt, sein Sohn Nachfolger Melik Manssur I. ob seiner widei^ die Kreuzfahrer erfochtenen Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern angedeihen Hess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten Werken , von diesen in Sieges- hymnen und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren Bruder Ejub's , ab , welcher vom grossen Nu- reddin zum Statthalter vom Himss bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen Begleiter auf allen Feldzügen Melik Nassireddin Mohammed des Vaters Statthalterschaft als Eigenthum ; nach dessen schnellem Tode verlieh er die Herrschaft zwar dem Sohne desselben Melik
0 >. J. 62-:) Cl2jl).
ErstesBuch. 75
Modschahid Schirkuh , zog aber das väterliche Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen Neffen citirten Koransvers gemahnet , zurückgab ; dem Modschahid folgte sein Sohn Manssur Ibrahim j der den Chuaresmern tapferen Widerstand geleistet, und nach ihm sein Sohn Melik Bschref Mosafersddin Musa , der Zeitgenosse Hulagus, von diesem, weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt. XIX. Die Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter Melik Aadil Seifeddin Ebubekr , welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte Stadt erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von Damaskus berufen , übergab er Kerek seinem Sohne Melik Moaasem Isa , welchem der Sohn Melik Nassir Daud und diesem Melik Moghis Fetheddin Omar folgte, der Zeit- genosse Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Bei- bars getödtet. Beibars war der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig mit der per- sischen Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine Neben- buhlerin derselben um Syriens Herrschaft in der Folge genauere Kunde erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka der viÄte Herrscher der XXI. Dynastie der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien der Beni Ochaissar , Musa sani und Beni Haschim seit einem halben Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte Herrscher Ebu Nami Mohammed durch sieben und vierzig Jahre gefüllt.
Wir wenden ims nun zuletzt nach dem Norden und zwar Dynastien zuerst nach den nördlichen Landschaften Persiens, nach ^^^ nördl.
Taberistan und Masenderan, wo seit der Hälfte des ersten . . '
Armeniens^
Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des fünften Georgiens u, die zwei Dynastien Bawendije , auf einander folgend , ge- Kleinasiens, herrscht; aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahr- hunderts der christlichen Zeitrechnung'^ erloschenen, erstand in der Hälfte des vierzehnten ein Zweig derselben in der Dynastie Bschelawije. Das Stillschweigen der Geschichte durch diese anderthalb Jahrhunderte^^ beweiset, dass Tabe-
•) I. J. 60J (1209). *) Vou 1209 — 1349.
76 E r s t e s B u c li.
ristan während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte ; in Gilan herrschten XXII. die Beni Badusian schon seit dem vierzigsten Jahre der Hidschret zu Rujan und Rustemdar; der Gründer Badusian '^ war ein Nachkömmling des Schmie- des Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der Tyrannei, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne , dann Reichspanier, -) Sie führten den besonderen Titel Astandar , welches in der bisher ganz unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeu- tend mit Scheichol Dschebal , d. i. des Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess, weicher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs , der von Alamut und der von Rustemdar ^ bekriegten sich um die Hälfte des sechsten Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde ; aber nach dem Tode Keikawu's Ben Hesarsifs schlug sein Sohn und Nachfolger Schehrnusch den entgegengesetzten Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der Assassinen, seiner Verbündeten. Nach Schehrnuscli herrschte sein Bru- der Isferidiar Kerlcud , nach ihm sein Neffe Serin Kemer, d. i. Goldgürtel, der Erste der Sohn Hesarsifs, dann Gold- gürtel der Zweite, der Sohn Chassin's , der ein und zwanzigste Herrscher der Beni Badusian; diesem war zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung ^) sein Sohn Bisutun , diesem nach zehnjähriger Regierung der Sohn Fachreddetplet , diesem nach zwanzigjähriger Regie- rung der Sohn Hosameddeiplet Ardeschir und diesem der Bruder Iskender gefolgt. Sein Nachfolger Isfendiar Scheh- rahim, der jüngste Fürst der Beni Badusian, regierte drei und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und Abaka's ; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe gelassen, und die Eroberung des Landes erst unter ihrem Nachfolger Oldsckm'tu, dem achten Ilchane Persiens, ver-
•) Geschichte Taberistan's und Masenderan's von Sahireddin, auf der kaiserl. Bibliothek zu Wien, schon in der Geschichte der Assassinen. S. 230 benutzt, wo statt Badusian Badusgan gedruckt. ^) Ben Vschit, B. Gilan, B.Firus, B. Kersi, B. Dschaut. ^) i. J. 610 (1214).
K r s t e s B u c li. 'J^
sucht. XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre, während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem Bruder desselben , dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in die Ge- schichte der Mongolen eingreifender, grosser Herrschel*- charakter ist XXIV. die Königin von Georgien , Russuldan, die Tochter der Taf/iar j nach deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide, welche bei der Thronbe- steigung Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter David Narin und ihrem Sohne David Ssosslatij getheilet ward. Dieser erhielt das obere Georgien, d. i. Karthli, Kacheihi , Achal-ziche und Schetcar ; der andere JNieder- georgien, A. \. Imerethi , Mingrelien , Sswanethi , Dschikhethi und Abchasethi ; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu den David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen besonders aus. XXV. Das Reich der Seldschuken in Rum beherrschte der zwölfte Sultan derselben , Iseddi'n Keika- wus IL , erst allein , dann mit seinen Brüdern Ruhieddin 'Kilidscharslan IV. und Jllaeddin Keikohnd II., von welchen der vorletzte bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In Nicäa endlich thronte XXVI. der griechische Kai- ser Vataces, dessen drei und dreissigj ährige Regierung, ein Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedererobe- rung Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbe- reitete, und dessen Gesandte sich mit denen Innocenz IV. am Hofe Mengukaan's zusammenfanden. ') Der Papst und die Könige von Frankreich und Ungarn verkehrten mit den Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften ; aber weder die fränkischen Kaiser von Konstantinopel , noch die Reste der Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittel- bare Berührung, wie die hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien , welche die Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs , des mäch-
*) En ce meine terns les Ambassadeurs de Vastarce etoient loges bien pres de nous. Rubruquis. Ch. 32.
78 K r s t e s B u c h.
tigsten Herrschers Asiens vor Tschengischan , sieben und zwanzig besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen, so schlugen diese sechs und zwanzig , dem Ursprünge des mongolischen Reichs in Persien gleichzeitigen Dynastien , welchö" denselben widerstanden, erlegen, gehorchten, huldigten oder ob denselben zitterten, gleichsam an der Pforte derselben die Heerpauke der Herrschaft.
cBtuettee pud|*
Regieruniä^saiitritt Hula^u's; iseine Familie; Feld- zug nach Persien m ider die Schlösser der Assas> sinen und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und die Emirol-uniera» Moteaassiinbillah« der letzte Chalife; Alkaiui der ÜTesir; Belagerung, Erobe- rung und Verkrustung Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen JUelik üloaasem MosafFereddin ; der Herr- scher von Irbil , Stifter der Geburtsfeier des Pro- pheten; die damaligen Herrscher Gross- und Klein- liuristan's und Gross- und Klein - Armenien's.
MMulagu oder, wie die Mongolen den Namen schreiben Htilayu. und sprechen, Chulagu war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten Mengku , den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne, geboren. Als vor sechs und zwanzig Jah- ren (^zwei vor seinem Tode^ Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse, durch Jagden gefeierte Kurultai der Familie zu halten, bei welchem alle Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (^den ältesten Dschudschi ausgenommen, der seinf • statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn, dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit einem Hasen , dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschen- gischan vollzog an ihnen beiden den mongolischen Jagdge- brauch der Fetteinschmierung ^^ , welcher darin besteht, den
') Dschatnischi Mirchuand.
gO ZweitesBuch.
Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmie- ren, was als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so giausam in Erfüllung gegangen; auch diese vom Gross- rater Welteroberer selbst vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern, Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das per- sische, als Gründer der Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender Beweis. Wir können also die Zahl sei- ner Frauen und Kinder , welche die Biographie sonst gewöhn- lich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt , am bessten sogleich überblicken , weil die grösste Anzahl derselben schon vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter , indem die anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei ') aus dem Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau Tokus , und vier aus dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghura- tine Kutui Chatun, ein Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle gefällig zu sein, als für
■) VscJiiirdsche Ikadschi die Mutter Kuchurtai's, II Ikadschi 6ie Mutter Huladschu des zwölften Sohu es, und die Mutter des vierten Sohnes Tedekadu,
Zweites Buch.
81
ihren guten Geschmack , sich mit schönen Sklavinnen zu umgeben , beweiset ; die Beischläferinnen werden am schick- lichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige in der Geschichte in Vorschein ge- kommen, genannt werden; aber der sechs Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen , weil dieselben als Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramiden- förmigen, mit herabfallendem Schleier bedeckten mongoli- schen Kopfschmuck Baghtak, dessen Namen die europäischen Reisenden in Botta, die Venezianer in Baiuta verstümmelt haben. ')
Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den p. Mongolen immer den andern weit voraus und welche die Gemahlin Frau und Gebieterin des Harems, wie noch heute bei den Hulagu's. Perserinnen die grosse Frau-}, war Tokus Chatun, d. i. die Frau Neun, die Keraitin , welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt, sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte, Tuli war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre alt ; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche 3iutter neues Gewicht beifügen können ; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse P'rau und Ge- bieterin des Frauengemachs, als die erste Rafhgeberin und mütterliche Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, der staats- klugen Sijurkuktem, ihrer Fante, mehr an die Hand, als
') Les femnies out un ornemeiU >\e tele, qu'ils appelleut Botta Rtibruq eh. 15. ^) Danui Melu/t.
Uanimer, Geschichte der Ilchane. I. 6
82 Z w e i t e 5 B u c h.
ins liett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester Tukini zur Beischläferin , die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder gab. Sie waren beide die Töchter Ettiko's, des zweiten Sohnes Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijur- kukteni , und in der freien Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt , als ihre Tante Sijurkukteni vom Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von nestoriani- schen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere ah Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der Virat, nämlich Kubak oder Kojuk Chatim, die Mutter seines zweiten Sohnes Dschumkttr, und ihre Stiefschwester Oldschai, die Mutter seines eilften Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's , des Sohnes litilvke's, des Fürsten der üirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine Tochter Dschidschegan zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn B?ika Timur geboren ; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter Kubak und Oldschai, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's, der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren ; die beiden anderen Gemahlinnen waren zwei Konghuratinnen : KuUii Chalun, aus deren Lager Hulagu sieben Beischläferinnen genommen , die Mutter Tek- schinsj, seines vierten, und yihvied Tekf/dnr's^ seines siebenten Sohnes; und Mertai Chatun, welche kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; endlich die Frau Jhut oder Jisiintschin, aus dem Stamme Suldus, die Mutter des Kronprinzen Abaka. Wir mussten in diese Um- ständlichkeiten eingehen , weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der Gemahlinnen mongolischer Herr- scher leitenden Staats- und Familien -Maximen klar heraus- stellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Biutsver-
Z w e i t e s B u c b. yg
wandte, nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die Kerait und die Uitat, sowie der der Konghiirat, aus welchem die zwei anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am viel- fältig^sten verschwägerten, die früher als andere der aufstei- genden Macht Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.
Der Erstgeborene Abaka war als der Aelteste schon bei p,^ söhne des Vaters Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher und Töchter er auch nach dessen Tode der zweite der Ilchane in Iran, Hulacfu's. nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der Zw eitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste Bruder desselben, Arik- bugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben, sowie seiner beiden Söhne Dschuschkub und Kunktischu, wird im Verlaufe dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. Jaschmtit, der "dritte Sohn Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des Lagers der Frau Kutui , war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die Mutter des vierten Sohnes , Tekschin, welcher an einem Blasenübel gestorben, und dessen Gemahlin Nulim, die Tochter Buka Timur's, des Bruders Kubak Chatun's (^folglich seine angeheirathete Base}, nach Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn, Tarakai, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen Beischläferin Borkdschin, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen; merkwürdiger durch seinen Sohn Baidu, welcher einige 3Ionate lang der sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach Ahmed
6*
J^4 Z w e i t e .« B u c li.
Tektidar, dem siebenten Sohne Ilulagu's, dem fünften der llchane; zwischen beiden ward Tu sin , djgr sechste Sohn Hulagn's, aus derselben Mutter, \\ie Jaschmut, geboren. Adschai , des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui ; als Hulagu nach Persien zog, liess er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der Angelegenheiten zurück ; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage. Die Bei- schläferin Dschudsche Ikadschi , die Mutter des neunten Sohnes, Kuikurtai , war eine Sklavin aus dem Lager der Frau Tokus; er war Vater von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die Mutter Jisudars, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin , aus dem Stamme Kurlaut, dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilftea Sohnes Mengku Timur's '^ erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb; Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka Timur's , des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine Stief- base; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie gaben ihm keine Söhne , aber mehrere Töchter, deren berühmteste die ältesie, Kordotschin, aus der Atabegin j4bisch , in der Geschichte nicht minder oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward ; das erstemal an Dschelaleddin Sijurghutmisch , den* Sultan Kerman's , dann an den Emir Sntilniisch und endlich an ihren Vetter Toghai; die .Atabegin abisch, ihre Mutter Tnrkan Chatun und Kordotschin, die obgenannte Tochter der Abisch . sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's, welche eng mit der der
') Geboren deu 24. Scliewwal 6l4 C-'5. Octoter 1256), gesf. 16. Mohariein 6öl (26. April 1282), welclier aber ein Donnerstag, nicbt ein Montag, wie in Itescbicicddin vernuithlich durch Schreib- fehler_, sowie rlcr 23. October 1256 ein ^lontag und nicht ein Sonntag war.
Z w e i t e s B II c li. 85
lichane Persiens verflochten. Huladschu., der zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die Sklavinn Ilkadschi, aus dem Lager der Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopf- schmucke Bagthak zur Frau erhoben ward ; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war aucli die Mutter Scheibawedschi's, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten, Toghai Timur's, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau Kuttii, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren : die erste Bulughan Aka, aus der Frau Kobak ; ne wurde mit ihrem Oheim Dschume Gurgan, dem Sohne des Tataren Dschudschi , vermählt, dessen Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamige DsQhidschegan , die Tochter Vtdschigin's , des jüngsten Bruders Tschengischan's; Dschume Gurgan erhielt nach dem Tode Bulughan Akas auch die Hand der Nichte Dschemi, der zweiten Tochter Hulagu's aus der Frau Oldschai; die dritte Tocliter, Me7i- gelugan, ebenfalls aus der Frau Oldschai, ward an Dschakir Gurgan, den Sohn Buka Timur's den Uiraten, vermählt, welcher der Bruder Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte, Tutukasch, aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an den Uiraten Tengkir Gurgan, welcher früher eine Tochter Gu- juk's zur Frau gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen Sohn Sulamisch und endlich an dessen Sohn Dschidschek Gurgati vermählt, so dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin; ') die fünfte, Tarakai, deren Mutter die Beischläferin Irtikan Ikadschi, ward dem Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan^s aus seiner Tochter Tumalun, das ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter, Kutlukan, aus der Beischläferin Min- klikadsch , wurde zuerst dem Jisubuka , aus dem Stamme Durban, dann nach dessen Tode seinem Sohne Tokel ange- traut; die Hand der siebenten, Baba, aus der Frau Oldschai, erhielt Legst Gurgan, der Sohn Emir Arghtm's, des Staats- secretärs, welchen Mengkukaan früher als Hulagu nach Perslcn
') Reschideddin im Abschnitte der Virnt.
86 Z w e i t e s B u c h.
gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an Oheime und Vettern vermählt. Hulagu's Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf
Aufbruch, und ^Jreissigsten Jahre Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen, AbakOj und den dritten, Jtischmut, mit sich, trug dem zweiten, DschumhiTj im Lager des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder Temhjan '^ in seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten ihn noch sein jüngster Bruder Suntai, der neunte Sohn Tuli's, dann aus dem Uluse Dschagatai Tekuder"^^, der Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Sohnes Dschagatai's ; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem ebengenannten gleich- namigen Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel BulghaP^y der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli, der Sohn seines Erstgeborenen Orda, und der Urenkel Kotur, der Sohn Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes Teivel; endlich Buka Timur, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's , welche an Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der Stiefbruder von Kuhak Chatun und Oldschai Chatun, der zwei Gemah- linnen Hulagu's; von diesen begleiteten ihn ins Feld die grosse Frau Tokus Chatun, dann Jisut Chatun, die Mutter des erstgeborenen Abaka und Oldschai^ aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich; Hulagu, seine Söhne Abaka und Juschmut j, sein Bruder Smitai, sein Stiefschwager ÄMJJ-a Timur, der Neffe Teknder; die Vettern: Bulghai, Kuli und Kotar. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai , auf welchem die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu Chan beschlossen worden w ar , lautete an diesen : die Burgen der Assassinen zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzu- legen; in Allem sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen.
•) Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er Tumgha Oghitl ; his eldest sou soll heissen : sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka. ') Bei Bar. Hcbräus ex parte Schagatai Tecliodar p. 53ti. ') Bei Bar. Hebr. Bulghai filius Sibkani et Kotar et Koli.
Z w e i t e s B u c Ii. 87
Die Heere, welche schon früher unter Baidschu Nujaa und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren , wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben ; so auch die an der indischen Gränze, erst von Dür Ntijan und hernach vom Tataren Sali Ntijan gegen Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl, von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und Naphthaschleu- derern aufzubieten ; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei inBeschlag genommen, alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge geinacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft sejn ; Baidschu und Dschur- maghun erhielten den Befehl, von Persien gegen Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane Keitbuka, vormals Bawerdschi , d. i. Tafeidecker , mit zwölftausend ' Türken, welcher, bis die Rüstungen vollendet waren, den Mari^ch nach Kuhistan antrat, um dasselbe indessen zu ver- heeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die be- gleitenden Prinzen und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres 1254, der Marsch nach Pei'sien angetreten ; derselbe ging von der Residenz Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem Flusse Hoen Murin , über den mit Ruder- schiffen gesetzt ward , einige Tagreisen später über den ArungUj der in den See Kisilbasch, d. i. Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit Lerchen- bäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chine- sische über diesen Marsch abgestattete Bericht'} Pfuhle nennt, liegt ein Berg, von welchem der Wind oft mit solcher
') Relation de lexpedition de HouJagou par Al)el Rfma>ut. Journal II. p. 283.
gg Z w e i t e s B u c h. ^
Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende in den See weht;') durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden Brücke, öflhet sich der Weg nach Almaligh, einer Stadt voll fliessender Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's , des vor Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's , bewillkommend entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die Enkelin Tschengischan's , aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten Tochter Dschidschegan, und folgte der Stief- schwester , der Frau Oldschai , welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm Mesud, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von Kjofitgül, d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert. jf^g Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und
ffuldeneZelt; innen von Gold gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Arylmn ; Stricken befestigt, und vierzig Tage lang gerastet und ge-
.., ~ ^l ^ trunken; dieses Fest wurde iedoch durch den Tod des Prinzen
liber den ''
Oxiis. Suntaij des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der Stadt Kesch '^) vorgerückt , welche in der Folge als der Geburtsort und die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von Schehr Sebs, d. i. der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen^}, genährt. Die Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat, und der Vorstadt '') ; von fruchtbaren Gärten
') Ganz übeielustinmieud mit dem , was hierüber Rubruquis ^ eh. 29 und Plan Carpiu l45 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia
I. S. 429. 2j Mirchuand. ') Das Dschihannuma nennt S. 353 Rudi Dschadsch , Rudi Hasek , Rudi Dschowan und die beiden aus dem Stadtthor fliessendeu Nehr Kassarin, d. i. der Fluss der Walker, * und Nehr Esived, d. i. der schwarze Fluss. *) Kohondos ist das
Scliloss, Scliaristan die Stadt, Rabsch ^\c Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das eiserne, das des Flusses, das Abdallah'« und das Turkistan's, welches der Namen eines vor demselben ge- legeneu Dorfes.
Z w e i t e s B u c Ii. gg
umgeben, in welchen alle Arten von Korn und Gemüse ge- deihen. Hier kam der Fürst von Herat, Schemseddin Mo- hammed Kert , der Gründer der seinen Namen führenden und unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufstei- genden Dynastie Kert , um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's, mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der Dschelaire Iluke, dessen Vater Kadan, aus dem Gefolge Tschengischan's, hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's ge- widmet , bei dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In einer grossen Hungersnoth ver- kaufte ein armer Uirate , um nicht Hungers zu sterben , seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als sein Sohn Kadan in den Hofdienst ^) Ogotai's trat , gab er ihm den Sklaven als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war Arghun. Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannte Iltschi'dai, welcher vor des Bruders Zorn , der ihn tödten wollte , bei Ogotai Zuflucht suchte und fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die Rechte des Hauses Ogotai wider die Auf- rührer des üluses Tuli mit so warmer Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo ihn die Missionäre als Ergutai kennen, und der, nachdem sein Sohn in die Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriff'en, nach des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. Arghun, durch Versland, Be- redtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch , dass er nach Mengkukaan's Thron- besteigung zum Baskaken, d. i. Statthalter, Chorasan's er- nannt ward. Vater zahlreicher Söhne '^ ) , von denen Newrus
') als Kettaul (?) i Reschideddiu sowohl unter dem Artikel Dschelair, als unter dem üirat. -) Reschideddiu nennt acht: Kerrai Melik, Turaschi, Newrus, Legst, Dsckami. Julkotloyhj Bulduk,lliratai.
90 Z vv e i t e s B u c li.
und Legsi in der Folge die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten erhielten. Von der Ebene ron Kjanigüi aus ergingen an alle Sultane und Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome , ihnen zu künden , dass der Zweck des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der Assassinen, dass Hülfe und Be- reitwilligkeit im Dienste wider dieselben durch Länderzuwachs ihren Lohn finden , gegentheilige Gesinnung den Verlust der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von Kert , zuvorgekommen , nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder heddin und Rokneddi'n, d. i. die Ehre und die Säule der Religion , der Atabeg von Fars, Saad, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran, Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan , welche alle, Geschenke darbringend, huldigten. Nachdem die nö- thigen Schiffe und Nachen, um über den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden , hatte der Uebergang über denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Janaar des Jahres 1256 unserer Zeitrechnung.
\V nt •- ^^ *^®" Uebergang über den Oxus in dankbarem Aii-
quartier zu denken zu erhalten , hob Hulagu den bisher von allen Schiffen
Schebur- genommenen Ueberfuhrszoll auf, was von damals an während
ffhan; die j^j, g^jj^en mongolischen Herrschaft Gesetz blieb. Jenseits Dscfi IV ' ^^ Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt.
10 Januar ^™ zelmten Tage nach dem Uebergange (^am moslimischen I2ö6. Opferfeste) wurde südwestlich von Balch auser der Stadt Scheburghan^^ gelagert, deren District bei den »orgenlän- dischen Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft Dschusdschan oder Dschusdschanan bekannt ^^ ; die mit flies- sendem Wasser reichlich bewässerten Gärten sind vorzüglich
') Im Schedscliretol eschrak 8, 243 ist der Nume Schehurtfliun in Surghan verstümmelt, und gleich das Chitqrschah iu Chuaresm- schah. ^) Dschihanouma S. 316.
ZweitesBucli. 91
fruchtbar au Wassermelonen, welche getrocknet verführt werden. Dem Heere ward verboten , die Stadt zu betreten ; ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, von grimmiger Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Ver- derben. Hulagu beschloss , hier den Rest des Winters abzu- warten. Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit goldenen Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke dar, in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine Vorbedeutung glücklicher Herrschaft, während um ihn die Prinzen und Fürsten versammelt, die gegebenen Feste ver- herrlichten. Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu erstatten, Hess aber für die Besorgung der Geschäfte seiner statt seinen Sohn Kerrai Melik und Alaeddin jithamülk Dschuweini als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's zurück. Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin Mohammed Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn nicht nur der W esirschaft , sondern auch der Literatur ; die- selben erscheinen so oft und wirksam in der Geschichte Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Be- kanntschaft mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unab- weislich. Dschuwein ist die arabisirte Aussprache von Ka- wan ') , einem Distrikte der Stadt Nischabur in Chorasan, dessen Hauptort Asadwar, auch Dschuwein genannt, durch das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte ge- adelt worden. Sie waren die Söhne des Imams Abdulmelik Dschtiweinij, aus einer seit langen Jahren durch hohe Staats- j j ^gjj dienste geehrten Familie. Als Sultan Mohammed Tekesch ±192
nach Dschuwein zog, bewillkommte ihn Behaeddin, der ür- grossvater Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig aufnalim, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, befand sich im Gefolge Dschelaleddin Minkburni's, als dieser ^17
vor den Mongolen floh. Dreizehn Jahre hernach floh Beha- 1220 eddin vor den vom mongolischen Emir Dschintimur zur ^^^ Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, und
1232
') Dschiliannuma S. 322 N'uslictul-musclitak.
98 Z w e i t e s B II c li.
633 Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Cliora^an
l»3ö und Masenderan; drei Jahre später sandte ihn Dschintimur an Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte bestätigte; und als abermal drei Jahre später der Emir Körgös, der Statthalter von Chorasan, an den Hof des Kaan's sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner Abwesenlieit die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen that der Nachfolger von Körgös , der Emir Arghun, bei seiner ersten Reise ins Hoflager ; bei seiner zweiten führte er ihn mit sich; endlich starb er zu Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein • Sohn Alaeddin, im Sterbjahre Tschengischan's geboren, kam
schon in früher Jugend in das Gedränge der. Geschäfte des Diwan's , und verschluss , wie er selbst reuig in seiner Ge- schichte bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des Vaters, welcher ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu widmen. Später jedoch holte er das Versäumte durch Studien nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's, welche den Titel Dschihanguscha, d. i. die Welteröffnende, führt '^, die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten und achtzehnten Jahre begleitete er den Emir Arghun auf dessen Reisen in's Hoflager und in seinem zwanzigsten zum Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's , an dem er sich mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die Anforderung an ihn erging, die Geschichte Tschengischan's zu schreiben , die er im sieben und zwanzigsten Jahre seines Alters begann. Er spricht darin von seinen Reisen in Ma- wereinnehr, Turkistan und an die chinesische Gränze und beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen der vormaligen Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise Arghun's von Schaburghan an den Hof des Kaan's versah Athamülk bei Hulagu die wichtige Stelle des Staatssekretärs, als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter, Keitbuha Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des
Schi SS Heeres gleich nach dem Kurultai , auf welchem der Feldziig der nach Westen beschlossen worden, gegen Kuhistan aufge-
Assassinen. ,_ ^ T . •.,... i ,. ■
') (Juatremere memoire histonque sur la vie et les ouvragcs
d' Alaeddin Ata Melik Djouaeitty , miues de Torient I. p. 220.
7/ ^^' e i t e s B u c li. 93
bvochen und mit fünftausend Fussgängern in Kiihislan, d. i. im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses Girdkjuhj d. i. Kreisberg , einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt. Girdkjuh^ auch Derihmbed, d. i. das Gewölbthor genannt, liegt drei Farasangen von Demghan in der Land- schaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder Manssurije '^ Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem unerhörte, acht mongolische oder chinesische j rund um das Schloss wurde ein Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut, damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen Seiten der Weg zu Feldflucht gesperrt sei^); so war das Bergschloss von einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt, und verdiente im eigentlichsten Sinne den Namen Kreisberg. Da das Schloss festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien , in den arabischen Abulfeda'sQ, dem persischen Hamdallah Me- stufi's*^ und im türkischen lladschi*) Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog er belagernd vor die Schlösser Mehriny vor dem er Wurfmaschinen aufstellte, Schahdts , wo er einen Haufen von Feinden tödtete und zurückkehrte bis Tarim und Rudbar, die er vermistete, an den Fuss von Man- ssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekänipfet ward ; die von Schirkjuh machten indessen einen nächtlichen üeberfall, in welchem sie den Belagerungswall verheerten '').
') Kushet. ^) Ruschideddiu , soliuu im Juuniai asiat. iiberset/.t. '3 Takwlmol-boldan , die Ephemerideu der Länder. *) Xuslietol- Kohtb, die Ergötzungen der Herzen. *) hschihannuma, die Welt- schau. ^) Schebeliua awerdend dscherkera cliarab kerdendj.aus der fehlerhaften Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der französischen Uebersetzung irrig zwei eigene Namen von Cheikhorun und Werke entstanden; so heisst in der Geschichte der Assassinen Keitbuha Niijan irrig Kajukauian.
94 Z w e i t e s B u c h.
Die beiden Schlösser Schir und Sirhjuh ' J wurden berennt, Mehn'n genommen ; die Besatzung von Girdkjuh hatt« indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald Schaaban ergeben müssen ; da sandte der Grossraeister zwei seiner
-■ Hauptleute ') mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei
Menn Henna und drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als Mittel wider die grassirende Pest ; denn man hatte bei der Hochzeit der Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob Wassermangels) von dem Wasser , worin das Henna auf- gelöset worden, getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der Grossmeister, dessen Vater und letzten Nachfolger vor Einem Jahre ') durch die nächsten Verwandten 6Ö3 vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von Masenderan
i. Dtc. 125Ö wnd hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden , den er durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte. Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum Lotter- buben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt; da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart, diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm den Tod ; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter vorausgesetzter stillschwei- gender Beistiramung, das Werk der Rache aus. Der Dichter
') Sirkuh im Dschihannunia S. 3'26 mit deu Namen der drei dazu gehörigen FJecken. ^) Mobareseddin Ali Turan und Schu- dschaaeddin Hasan, 'j lu Beschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem das .Jahr nicht richtig angegeben: nämlich (j5l statt (353, wie aus dem Nushet 7,u ersehen.
Z w e i I e s B u c h. g5
Schemseddia Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Aiaeddin's ein Gedicht, woraus die Verse:
Der Todeseogel trug ilin zu der Hölle Strafen ,
Um in gesclimolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;
Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,
Um als Gefährten ihn mit Gluthenschw.all zu tränken.
Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, />,> städle an den Gebietiger') des Schlosses Sertacht, an Nassireddin, TitnundTus. dessen Name durch den grossen Astronomen Nassireddin von Tus, welclier seine demselben gewidmete berühmte Ethik nach dessen Namen die Nassirische Moral '^ betitelte, rühmlich fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit Melik Kert zur Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn : warum er nicht auch die Bewohner des Schlosses mit sich geführt? Nassir entgegnete, dass diese dem Grossraeister Chorschah und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und das Ehrenzeichen des Löweukopfs geben und sandte ihn als Befehlshaber nach Tun. Tun, eine der vorzüglichsten Städte Kubi«tan's, zwei Tagreisen südlich von Meschhed auf der Strasse von Kerman, nicht ferne von Kain^^, zeichnet sich durch besondere Anlage der Hänser und Gärten aus, indem das Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt und die Häuser mit Gärten und diese von Saatfeldern und die Felder mit Mauern umgeben, das Ganze mit unterirdi- schen Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten , in welchen Wassermelonen trefflich gedeihen *). Hulagu , nach Sawa und Chatvtvaf^ ) vorgerückt, erlitt einigen Verlust; Ä'nli llkai und Keiibuka^^ wurden weiter an die Gränze von Kuhistan vorausgesandt, wo sie einigen Widerstand fanden, aber binnen einer Woche denselben besiegten , und dann vor Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten ; in zwölf Tagen war
>) Mohteschim , so hiessen die Commandeure der Assassinen. ') Achlaki Nassiri. ') Auf Fraser's Karte Ghain oder Kain. ") Nushet und nach demselben dasDschihanuuma S. 325. *) Chatvwaf und Sawa, ebend. S. 3l9. ") Den Namen Keitbuka verstümmelt der Ueberset/.er des Schedschretol-etrak in Kunooka S. 24j, sowie den Sultan Aegjptens, Sfifeddin Kottts, in Syfe-ud-din Furdooz und Jaschmiit in Bishinoot.
96 Z w e i t e s B u c li.
7. Rebiut- die Stadt erobert, iind sie kehrten sogleich zu Hulagu zurück, der sich zu Aus beiaud. lus, eine der ältesten istadte
ö. Mai IS öd
Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der
christlichen Zeitrechnung ' J durch die Grabstätte des Cha- lifen Harun Reschid '^ und um neun Jahre später durch die Ali Ben Musa Risa's des achten Imam's, zwei Jahrhunderte hernach durch die des grössten persischen ethischen Dichters FirdetvsP^ , als der Geburtsort Ghasali's des grossen Philo- sophen, Nassireddins des grossen Astronomen und Hamdallah Mestufi's des grossen Geographen und Geschichtschreibers, verherrlicht. Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von Dscheraschid gebaut, nach ihrer Verwüstung von Tus, dem Sohne Nuser'sj wieder aufgebaut, von ihm den Namen er- halten; dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von Tus im Dorfe des Distrikts Sebanahad *) , der um dasselbe angebauten Stadt den heutigen Namen Meschhed gegeben; folglich sind die Ruinen des alten Tus vier Farasangen vom heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht, keiner so umständlich beschrieben, als Fräser ^). Meschhed, der Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten Lichter Persiens, ist heute, was ehemals Bochara Mar, der Sammelplatz der Gelehrten ; von einigen und zwanzig Tausend Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame, Molla, Muderrise (^Professoren) und Danischmende (Stu- denten), welche den verschiedenen Moscheen, Medreseen, Grabstätten und Domen angehören. Das Innere einer Medrese gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der Stall- gewölbe; dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nord- oslseite steht in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine gewölbte Nische entgegen, welche die Kibla vorstellt und wohin sich alle Gesichter beim Gebete wenden; in der Mitte der beiden Seitenwände sind Balcone^ von Säulen getragen, für die Wohnungen der höheren 3IoIla , in der Mitte des Hofes ein kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein
') 203 (818). =) I. J. 193 C8;?0. ') Gest. im J. 411 (1020). ') Im Dscliihannuma S. ;US durch Druckfehler Senabad. ') Nar- rative of a journey into Khorassan 44+.
Zweites n u c h. j)y
Wasserbecken. Die grosse Moschee von Meschhed , welche das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert fünf und sechzig Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines Karawanserai , mit zwei Stock hohen , rings herum laufenden Gemächern gebaut, im Mittel und an den Ecken jeder Seite hochgewölbte Thore , das Ganze mit glasirten vielfarbigen Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser herrliche Hof heisst Ssahn, d. i. das Feld, wie der Yorhof der grossen Moscheen zu Konstantinopel , wesshalb die dort an der MoscHle Mohammed's II. angestellten Professoren der acht Medreseen die Achter vom Felde genannt werden. Der Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings herum mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde ge- schmückt , die Schafte der beiden Minarete reich vergoldet und oben mit zierlich geschnitzten hölzernen Galierien ge- krönt. Von diesen herrlichen , erst unter der Dynastie der Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit Hulagu's, wohl aber waren die Grabstätten der grossen Chalifen Imam's und Dichter ein Gegenstand der Verehrung der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit ihren Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten Grabmälern grosser Männer wird noch das GrabBurkEswed's besucht, welcher nach der Volkssage ein Neger, Freund des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode hierher geflohen, hier gestorben und bestattet worden sein soll. •)
Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Tifs.Bostum, Zelte ab, welches dieser auf ausdrücklichen Befehl des -^^'fßrde- Kaan's für Hulagu nach dem Muster der grossen ffoldenen ri, , .
Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Ver- wüstung wieder hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant dar'); den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von Radgjan, wohin von MerWj Jesrud und Dehistan Wein und Lebensmittel im
*) Fräser 5 19. ^) Terghu , dies ist der wahre Sinu, der in der französ. üebersezung im journ. as. verfehlt ist: les dames re^urent des titres.
Hammer, Geschiclite dci Ilchane. I. 7
98 ZweitesBucb.
üeberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der Mongolen verwüsteten FJecken Chabuschan '), Ilulagu befahl, denselben wieder herzustellen, Hess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu bauen, und dem Wesir Seifeddin die Leitung und Ober- aufsicht des Baues aufgetragen. Die drei Gesandte ^^, welche • !^J"'' an Chuarschah, den Grossmeister der Assassinen , abgesandt S4 Juli 1256 ^^ Orden , kamen unverrichteter Dinge zurück , und es ward daher sogleich der Befehl zur Verheerung des Lancies ge- bau ' S^^^^^' Acht Tage hierauf stand das Lager zu Bestam, der ^ Sept. östlichsten der drei Hauptstädte der Landschaft Kurais (die beiden anderen sind Demghan und Semnan}. Bestam, eine alte, schon in der Hälfte des dritteo Jahrhunderts der Hidschret durch Erdbeben verwüstete Stadt ^) , dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte des zwanzig Jahre hernach*) gestorbene-i grossen mystischen Scheichs Bestarai'), dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische Be- stami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abder- rahman Ben Mohammed Bestami, der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, Ver- fasser von vierzig Werken, starb®), und Ali Ben Medsch- deddin Bestarai"), welcher, berühmt unter dem Namen Mussanmfek, d. i. der kleine Corapositor, sich in der osma- nischen Geschichte keinen minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus erworben, welcher ihn dazn antrieb, an dem gefangenen letzten König von Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken **). Von Bestam aus sandte Hulagu abermal zwei Gesandte ""^
■j Manuscript, Mirchuaud, Dscliihaunuma S. 323. bei Quatremere memoire d'Ata .Melik. dasselbe uuiichtig Djouvuchan und unrichtig nach der Eroberung Alamut's. ^) Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati Emir. ') Fräser nach Price im J. 242. ') I. J. 261 (874). *) Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins. Dschami's. ^) Gest. i. J. 858 (_lVoi}. ') I. J. 875 (1470). «) Geschichte des osra. Reichs IL B. S. 76 un.l S. 351 , wo die Titel von zwanzig seiner Werke. ^) Merketai uud Ikiluiisch.
Z w e i t e s B u c h. QQ
nn den Grossnieister der Assassiiien mit Drohui)n:en und Ver- heissungen. Bei demselben befand sich der grosse Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten '"), welcher, in die Macht der Assassinen gefallen , eine Zeit jiang bei Nassir, dem Gebietiger vonSertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der Assassinen. Nassireddin be- schloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der Assassinen- herrschaft ein Ende zu machen , indem sie zum freundlichen Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah be- folgte ihren Rath und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen Bruder Schehiiischah und den Chodscha Assileddin von Susen^), um seine Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und sandte abermals vier Botschafter^) mit dein Begehren, dass, wenn die Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete : w enn mein Vater w ider- spenstig war, will ich unterwürfig sein ; er fing an, "an einigen Schlössern , wie Mewmndis, Lemsir und Alamut, Zinnen, Thore und Mauern abbrechen zu lassen, begelirte aber die Frist eines Jahres bis zu deren gänzlichen üebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine Heere auf und zog von Bestem aus wider die Schlösser; der rechte, von Koke iJka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan , der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul*) und Keitbuka Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan ; Hulagu, im Mittelpunkte mit einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen Finishjnh, d. i. den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen gelten * J. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah , sich unmittelbar zu
*) Reiseddeulet und Muicafilndäeivlet. ^j Suseni , nicht Roii- veni, wie in der fiJinzös, üebersetzung. ^) Ssadredd'm, Sahireddin, Tolek Behadir und Berrak (der erste fehlt in der franz. Ueber- setzung). *) Nicht Koudraghoul , wie iu der frauz. Uebersetzun;;;. '3 Mgrier second jouru. öbö.
7*
100 Zweites Buch.
ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor Fi- ruskjuh'), kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im IVamen seines Herrn noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die Schonung Lemsir's und Alainut'j'', der ältesten Bargen ihrer Herrschaft; er sandte Kabiiiet!.befehle an die Gebietiger von Girdkjiih und Kuhistan, sich sogleich zu unterwerfen, und hoüte so den Sturm zu beschwören.
Demaivend. ^^® Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend , einer
Fall von der ältesten Städte Irans, am Fusse des gleichnamigen Berges
Meimundis. gelegen, der ein vulkanischer, durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan geküsst , nach der Volkssage nur durch das Gehirn . zweier täglich geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei befreite sein Volk der Schiried Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Ty- rannen sammelten , vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten , und der endlich selbst in's Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird, unabhängig vom mosliraischen Kalender, das Befreiungsfest von der Re- gierung Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf Pferden, Mäulern , Eseln be- ritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch das Feld^), jubelnd, dass ihre Väter dem Halloli der Tyrannei entflohen, welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; JVachts wer- den Feuer auf den Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über die Erlösung von dem Drucke Sohak's , durch welchen die Seufzer der Unter- drückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses
') Firuskjuh, auf der Strasse von Demgliau nach Tehran, nahe bei Demawend , auf Fräsers Karte ; nach dem Nushet ebenfall? hart an Demawend gelegen ; in Dschihanu. S. 339 unter Girdkjuh. -) Morier second journey p. 357.
Zweites Buch. 101
Fest heisst das Fest der Kurden , auf denen Sohak's Ty- rannei vorzüglich lastete. Demawend soll schon von Siamek, dem Sohne des Keioraer's , des zweiten Herrschers der Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger, sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den Sckemseddin Kilegi nach Girdkjuh (^dem Tfgado Hoi'thon's^, um den Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser Botschaften zu Abbasabad '3, iu der Nähe von Rei, der alten Haupt- stadt des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, " i^j"*^"* einen achtjährigen Knaben, welchen ihm aber Hulagu vait ^'g^f^j^^ der Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne , er einen anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um seine t- Scliewu-ul
Huldigung darzubringen. Nach vier Taijen wurden sie mit
* ^ " , " *= ^6-. üct.
einem Diplome zurückgesendet, welclies dem Chuarschah,
da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von allen Seiten aufzubrechen. Koke llka und Tukatimur nahten sich von der Seite vonispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur Unterwer- fung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess,^^ Scheuic. gegen Thalkan'^^ gewendet, einer Siadt der Landschaft m^ Octuber Tocharisian , nach welclier die Mongolen von den Byzan- tinern den Namen Tocharen erhielten , der noch in dem der Mongolen Tsackare?i fortlebt. Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht-Tage hernach, als
sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath gehalten, ob
') The wretclied village of Abbasabad. Fräser 248- *3 Thalkan, wie Seinnan , eine Stadt der Tocharistan geuaunten Landschaft. Nttsliet.
102 :d >r u l i e < Buch.
die Belagerung des ScJiIosses noch bei so weit rorgeruckter Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu ver- schieben sei; der Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukadmur stimmten für die Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb versöhnend, einen letzten Terrain von fünf Tagen zur üebergabe bestimmend. Chnarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten , Arzt und Rathgeber Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Irauschah und seinem Sohne Turkia mit vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernacli, i.v Tof./^öö So""^3gs den 19. JVovember, kam Chuarschah selbst, um den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unter- werfung in die folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein :
0 Sc!;ah , ich komm' an deineu Uof, gewarnt, Bereueurt Schuld, die mich bisher umgarnt. Dein Glück hat dleseu Lauf für mich genomineu. Wie war' ich sonst, wozu wär^ ich gekommen!
Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nur Girdkjuh und Lemsir, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen; die zu Meimundis ') aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert «nd unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor Ala7nut, d. i, dem Adlerneste, dem Hauptsitze des Gross- meisters der Assassinen, von wo unter dem Gründer Hasan Ssabbah die 3Iaclit des Ordens wie ein Adler aufflog. Der Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Wider- 2fi. ^ilhi- stand geleistet. Die Mongolen drangen ein , zerbrachen die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist
dsche ()ö4
lö.December . ,
zum Abzüge.
Schlösser Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute,
der sandte Hulagu seinen gelehrten Staatssekretär Athamülk
Assassinen.
*) Meimundis findet sich weder im Manuscript, «och im Pschi- hunnuma , ci scheint dasselbe ^ihrinend zu sein, was im Nushet.
Zweites Buch. lOS
Dschuweini in's Schloss von Alamut, um die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere kot^tbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel: Begebenheiten tinsers Herrn und Mei- sters'^ führte und das Leben Hasan Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner IVelteröff- nenden Geschichte die verlasslichsten iVachrichten über den- selben gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts über die Lehre der Israaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein W^erk gewesen, ihn dazu nur der Feuereifer rechtgläubigen Islara's , oder, wie iJin spatere Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdam- menswerthe engherzige Habgier ausschliesslicher Gelehr- samkeit bewogen, ist heute zu entscheiden unmöglich. Kr soll nämiich blos die historischen Werke , die er benutzen wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preis- gegeben haben, um die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu moiiopolisiren. Eine ähnliche Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und des grossen Arztes Ibn Sina^). In welchem Gelehrtenkopf immer solche Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist die- selbe doch vom einseitigen Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher , als vom Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste, sondern in dem engeren ihrer Anklager Platz greifen konnte.
*) Sergüseschti Sidina. Wassaf. ^) Nach ihui auch ClaprotU: „Hier erzählt man sich, er habe, als er eine li Werste von der Buchtana in einen Felsen jL^ehauene Hieroglyphe nicht entziffern konnte, sie heraushauen lassen , um keinem anderen den Ruhm zu lassen. Briefe ans Siibirien; im Ausland ^r. lü'<J vuiu 11. April l8.^<3.
iOitO
104 Z \r e i I e s Buch.
Alaimit , d. i. das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch Mauern mit einander verbundener Thürrae dar, welche auch dem, der sie, wie Ker Porter, der Maler des persischen Alter- thums , nur von ferne gesehen , als unbezwingbar ins Auge springen. ') Der ganze Gebirgsdistrikt zwichen Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der Fluss Schahrnd, d. i. der Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst Rudbar, d. i. das Flussland , und zwar das von Aiamut zum Unter- schiede vom südlichen, von Lur, in Issfahan's Nähe, welches der Sendrud, d. i. der lebendige Fluss, durchströmt. Hasan ^^'^ Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit List bemächtigt, dann sich vom seldschukischen Sultan Berkjarok das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten , und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Aiamut das im selben Thalwege gelegene feste Schloss von Lem- beser'^). Nebst Aiamut, d. i. dem Geyerneste, Girdkjuh, d. i. dem Gürtelberg, und Lembeserj, d. i. Ruh' im Kopf, waren die^ festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen der Städte Tun und Kairf) in Kuhistan: das von Meimundis, d. i. die glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, und Muminabad, d. i. der Bau der Gläubigen, welches seinen Namen und seine Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den Beinamen des neuen Musalman führte, dankt, dessen Name in der heutigen Verstümmelung von Meio?nend^) kaum zu erkennen, und dessen ausserordenCliclie Festigkeit die Geo- graphie Hamdallali's anrühmt*); so auch die des am Berge Demawend gelegenen Firuskjuh, d. i. Glücksherg, und das Schloss Dschenabdar oder Kebajed, welches aber nicht erst
') Tr.aces of a very exteuded line of towers conoected with walls and so situaled as to appear to tlie gazer below absolute inipreguable. I, p, 289. -) Insgemein Lemsir geschriebeu ; am 20. Silkide 495 C5. Sept. 1102). ^A'assaf. 0 Fräser p. 248. ') Mu- lahide sachte eiid bighajet muhkeuiest.
Zweites Buch. 105
von den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen Helden Guders befestigt worden sein soll. ')
Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen Kaswin. des Januars in das grosse, sieben Farasangen von Kaswin 16. Siiki- aufgeschlagene Lager, wo durch sieben Tage Feste gefeiert, _^^'^!^^-- die Prinzen und Emire zur Aufwartung und zum Uluck- M unsche der Eroberung zugelassen wurden ; selbe , sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur üebergabe von Mehmmdis beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu er- halten, dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhallen, sandte ihn Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er; Wozu schickt man ihn? und sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin nieder- gemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismaiiije, d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr Ende erreicht -J, und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des Mongolen ge- brochen. Flulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin , der Geschichtschreiber und Geograph Persiens, erwähnt in seiner auserwäklten Geschichte dieses Besuchs als einer der merk-
') UamdiiUuh uud im Dschihanuuiua Alamut S. 29ij, Tu/i^ Kain, Dschenabdar S. 325, Muminabad S. 326. ^) Nach Reschideddin vom J. d. H. 477—654, nach Hadschi Chalfa v. J. d. H. 483 ange- fangen.
106 Z w- e i t e s B u c h.
würdigsten Epochen der Geschichte seiner Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in Persien und daher unter dem Geleite Haradallah's näherer Bekanntschaft werth. '). Zuerst baute Schabur^) Jiier eine Stadt, welche seinen Namen trug, als Feste wider die Dile- miten , die feindlichen Nachbaren im Norden. Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem Feldherrn zugerufen haben: an kesch win, d. {.jenen Winkel schau, und nach erfochtenera Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut Iiaben, welcher sofort der Namen Keschwin, d. i. Winkel schau , blieb, das heu- tige Kasiüin. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte eine dritte Stadt hinzu, Mubarekabad, d. i. der gesegnete Ba«, genannt; diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche den Namen Re- schidabad erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben ^). Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des nach ihm Ssahibabad genannten Viertels. Hierauf* ) vom Dile- miten Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Kmir Ebu Ali Dschaaferi wieder hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan, erneuert*), war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden. Die Mauer, von zehn- tausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom Einsiedler Chumar Tekesch®} gebaute das besstc Wasser gibt; derselbe baute auch ein halbes Jahr- hundert später') die nach seinem Namen genannte Moschee;
') Ausführlich zu Ende des Tarichi Güside, kürzer im Xushetul- Kolub; uach beiden und nach dem Tedwin Iinam Rafii's, das Dschi- hannuaia S. 293. -) I. J. 463 der alexaadriuischen Aere. ') I. J. 20-t (8t9). *) I. J. 411 t:i02ü). *) I. J. 572 (1175). «) I. J. 500 tUOiJ. 'J I. J. 548 (11533.
Zweites Buch. J0^
eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter Hi- dschadsch aus einem Götzentempel in einen Betört der Muslimen umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere üeberlieferung aus dem Munde Plohammed's oder eines der vier ersten Chalifen heisst: Ehret Kaswin , welches eine der höchsten Pforten des Paradieses ^^, Kaswin hat Ueberfluss an herr- lichen Frücliten, besonders an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bcssten ganz Persiens gelten^}; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus raannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferd- decken aus. Die Einwohner gelten für die bessten Gesell- schafter, und ein persisches bekanntes Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu wählen; Musiker aus Chorasaji, Geschäftsmänner aus /ss/aÄa«, Krieger aus Tebris und Gesellschafter aus Kaswin^^. Zur Verherrlichung des literarischen Kuhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäfe Kaswini , der Verfasser der tVtinder der Geschöpfe*^ und der einzigen Perle der Seltenheiten^^, jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und Homdällak Mestuß, der Verfasser der auserwiihlten Geschichte*') und der bessten persischen Erdbeschreibung, so dass persische JNatur- und Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr verdanken, als dem reich- begabten gesellschaftlichen Kaswin.
Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Huiagu von Üamadan. Kaswin nachHamadan, wo Baidschu Nujan von Aserbeiilschan zur Aufwartung erschien. Huiagu, mit dessen Unfhätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: ,,Was hast du, seit DschurmagJiun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Re-
'j Aasu Kiiswiue leiuaelm min auhi babil-dscheuneti, Dsclii- lianuuma S. 293. ^) Morier second journey. p. 203. ^3 Dschihau- numa, ebend. ^) Adscliaibol machlukat. *) Charidetol-gharaib. *J Tarichi Giiside. 'j Nushetol-kolub.
108 Zweites Ruch.
bellen geschlagen? Hat dir das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht nnd Grösse den Chalifen zu schrecken?" Baidschu kniete nieder und sagte: „Ich habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge unerraesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebri- gens steht der Befehl in der Hand des Padlschah, und ich bin bereit, aus derselben Leben oder Tod zu empfangen." Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's; er befahl ihm , aufzubrechen , den Westen bis an's Meer hin zu unter- jochen und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der Griechen und Franken ') zu ent- reissen. Baidschu INujan hatte schon vor vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das hundert- siebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen-^ und vollendete nun die Eroberung Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit den Prinzen Kali, Beighai, Kotar und mit den Befehlshabern Bukatimury Sundschak, Koke Ilka in die Ebene von Haraadan, um dort das Heer zu sammeln. Hamadan, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten Städte Persiens, welche schon Hu.scheng, der zweite der Pischdadier, erbaut, Nabucho- donoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.^^ Bedil, der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der Hidschret *^; dreihundert Jahre her- nach^) wurde dieselbe von Medaividschj dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später ^^ von den mongoli- . sehen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet. Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn
• •) Ferseudani Aferinisch u Longtar. ') Im J. 641 (12433: Xoch- betettewarich, der Ort iu Reschideddin. ^) Dschihauuuuia S. 299 und das Nushet. ") Im J. 23 (643). *) Im J. 320 (932). ^) Im J. 618 (1221).
^j Z w e i t e 8 B u c h. lOQ
bei der von Hamdallah angegebenen Zahl der Quellen (tau- send dreihundert) durch Fehler des Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister, Ein- geborene von Hamadan, der Dichter Ihn Chalweih und Be- diesseman, d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner in bekannten Versen') mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:
Die Kälte ist vielstinimig zu Hamadan, und sogestalt Ist es, im Winter grimmig, im Sommer massig kalt.
Der Wunderseltsame der Zeit , der Verfasser